Interview`s

Sabines mutiger Weg hinein ins Leben.

"Sie haben Knochenkrebs."

Ein halbes Jahr gaben die Ärzte der Fotografin Sabine, dann würde sie sterben.
Das ist sieben Jahre her. Anstatt zur Chemo zu fahren, ging sie ins Reisebüro und buchte einen Urlaub, um sich endlich ihre verborgenen Träume zu erfüllen.

Erlebe in diesem Video der
"1-2-3 Mutmacherei" eine ganz besondere Frau mit einem ganz besonderen Weg.
Ihre Geschichte soll dir Mut machen, dein Leben einmal neu zu überdenken und zu erkennen:

Das, was andere über dich sagen, muss nicht zu deiner Realität werden.




Interview vom 08.12.2017
Text & Videomoderation: 
Silvia Maria Engl 

Sabine hat mit ihrem ersten Interview die Herzen der Menschen bewegt.

Nun erzählt sie im zweiten Interview, wie sie beschloss, nie mehr so lieben zu wollen und welchen Weg sie zurückgelegt hat, zwei Kinder und zwei Scheidungen eingeschlossen, bis es ihr gelang, ihr Herz trotz allen Schmerzes wieder zu öffnen.

Eine unglaublich bewegende Liebesgeschichte, mutig und offen erzählt, die in einer Woche auf Facebook bereits von 2100 Menschen angesehen und mitverfolgt wurde.

Sabine bewegt, so auch dieses Mal.








Interview vom 08.03.2018
Text & Videomoderation:
Silvia Maria Engl 

Sabine ist mit Tod und Verlust gut bekannt. Sie selber hatte eine Nahtoderfahrung, hat sich gegen den Krebst entschieden (bis heute erfolgreich), hätte ihre Tochter fast verloren und bereits in jungen Jahren starb ihr Verlobter, ihre große Liebe, völlig unerwartet. Eigentlich genug zu verarbeiten für ein Leben, könnte man meinen.
Dann starb im Dezember 2019 unerwartet ihr Sohn Felix im Alter von 13 Jahren plötzlich in den Armen seiner Großmutter.
Wie geht nach so einem Schock das Leben weiter?
Acht Monate später spricht sie mit uns über das Unfassbare. Denn nicht nur, dass sie zu einer engen Vertrauten von Verlust und Tod geworden ist, sie empfindet es auch als ihre Aufgabe, darüber zu schreiben und darüber zu sprechen. Denn Sabine weiß, dass es viele Mütter und Väter, viele Angehörige gibt, die Trost und Halt suchen und sie nirgends finden.


Interview vom 21.08.2020
Text & Videomoderation:
Silvia Maria Engl 

 

Premiere am 29.09.2023



Sabine Sponer hat drei wahre Hämmer gemeistert im Leben:
Ihren Umgang mit ihrer Krebsdiagnose mit ein paar Monaten Restlebensdauer;
Der Unfalltod ihres Verlobten und, der wohl härteste Schlag von allen:
Der plötzliche und unerklärliche Tod ihres 13-jährigen Sohnes Felix 2019.

Wie soll das Leben weitergehen, wenn man sein Kind verloren hat? Wenn man nicht einmal da war, um seine Hand zu halten?
Macht das Leben dann überhaupt noch Sinn?

Sabine sagt: „Ja!“
Und nicht nur, dass sie zeigt, wie sie mit dem Tod umzugehen gelernt hat.
Sie hat jetzt ein Buch geschrieben, in dem sie erzählt, warum sie weiß, dass Felix ohnehin noch lebt. Nur eben ohne Körper. Denn Felix schickt seit seinem Ableben Zeichen.

Silvia Maria Engl

 

16.11.2023  #lebennachdemtod #jenseitskontakt #jenseits


Der 13-jährige Felix schrieb seiner Mutter Sabine Sponer
 1 Tag vor seinem unvorhersehbaren Tod ein „Abschiedsgedicht“. 
Nach seinem Tod empfing Sabine Sponer und ihre Familie zahlreiche Lebenszeichen von Felix. 

Andreas Herejk

 

November 2023  #lebennachdemtod #jenseitskontakt #jenseits



Sabine Sponer aus Bayern berichtet über Lebenszeichen, die sie und ihre Familie von ihrem verstorbenen Sohn Felix nach dessen Tod erhalten haben. Felix verstarb im Jahr 2019 im Alter von 13 Jahren an plötzlichem Herztod. Sie schrieb darüber auch ein Buch mit dem Titel
„Felix' fantastische Zeichen: Wie mein Sohn mich davon überzeugte, dass er seinen Tod überlebt hatte“,
erhältlich bei Amazon.

Andrea Herejk 

 

Premiere am 03.12.2023  TRAUNSTEIN

Sabine Sponer ist Fotografin, Autorin und verwaiste Mutter. Sie verlor ihren Sohn Felix vollkommen unerwartet als er 13 Jahre alt war. Von der anderen Seite gab er eindeutige Zeichen, dass er immer noch da ist. 

Teil 2 

Über diese außergewöhnlichen Zeichen hat Sabine ein eigenes Buch geschrieben. Das Buch heißt "Felix' fantastische Zeichen: Wie mein Sohn mich davon überzeugte, dass er seinen Tod überlebt hatte" und ist auf Amazon erhältlich: https://amzn.eu/d/5wmQYZw 
Prof. Dr. Oliver Lazar 

 

November 2023  #sterben #tod #nahtoderlebnis



Ein weiteres Video mit Sabine Sponer aus Bayern. Dieses Mal geht es vor allem um ihre Nahtoderfahrungen. 

Andreas Herejk

 

Podcast "Einfach machen" mit Susanne Brückner von Radio Charivari München.


 In diesem Gespräch erzählt Sabine Sponer ihre berührende Geschichte und macht uns klar, wie uns unsere Seele führt, damit wir unsere Aufgaben auch tatsächlich meistern, auch wenn sie anspruchsvoll sind - lass dich berühren! 


Folgt in Kürze

Leseprobe  

 


16.04.2020

 Von der Pflicht zur Selbstfürsorge...
...und warum es kein Egoismus, sondern manchmal fast schon (über)lebenswichtig ist, sich selbst an die erste Stelle zu stellen. 
 
Wirklich auffallend oft lese oder höre ich Sätze wie: 
„Ich habe das Gefühl, ich darf nicht mehr wirklich glücklich sein, weil mein Kind gestorben ist. Das schlechte Gewissen abzulegen und das Gefühl zuzulassen wieder so etwas wie Glück oder Lebensfreude empfinden zu dürfen OBWOHL mein Kind gestorben ist, das ist so unglaublich schwer. Ich traue mich auch nicht, in der Öffentlichkeit laut zu lachen. Ich überlege dann sofort, was sich die Leute wohl denken und glaube, dass sie denken, ich hätte mein Kind gar nicht wirklich geliebt. Wie könnte ich denn sonst je wieder fröhlich sein?“ 
Mich erschrecken solche Sätze. 
Warum denken trauernde Menschen, sich durchgehend schlecht fühlen zu MÜSSEN? 
Warum denken sie, anderen durch sichtbare Traurigkeit beweisen zu müssen, wie sehr sie ihren Verstorbenen geliebt haben? 
Warum glauben sie, ihre Liebe sei nicht stark genug, weil sie sich trotz ihres Schicksals wieder versuchen am Leben zu erfreuen? 
Wo kommen nur all diese toxischen Glaubenssätze her? 
Es kommt mir vor wie ein schlechter Wettbewerb. „Mir geht es viel schlechter als Dir - dass bedeutet, ich habe mein Kind viel mehr geliebt als Du...“ 
Ich kann das so schwer nachvollziehen denn bei mir ist das komplett umgekehrt... 
Gerade WEIL ich mein Kind so sehr liebe, versuche ich wieder mit Freude am Leben teilzunehmen. Und wenn ich Glücksgefühle empfinde, und seien sie noch so winzig, dann freue ich mich, dann bin ich stolz auf mich. Wieso sollte ich ein schlechtes Gewissen haben? Mein Kind hätte doch niemals gewollt, dass ich immer nur traurig bin... 
 
An alle, die dieses Thema kennen: 
Versuche Dir vorzustellen, Du dürftest noch einmal Deinen geliebten Verstorbenen treffen - auf ein Gespräch über den Tod. Und Du würdest Deinen Verstorbenen fragen: 
„Wenn Du stirbst, was wünscht Du Dir dann für mich?“ 
Glaubst Du wirklich und wahrhaftig, diese von Dir über alles geliebte Seele würde Dir dann antworten: „Ich möchte das Du leidest, das Du Dich an nichts mehr erfreuen kannst. Ich möchte, dass Du für immer traurig wirst, krank und depressiv, dass Du Dein restliches Leben nur noch absitzt. Ich möchte das Du aufhörst zu lachen, Du sollst verbittert und unglücklich sein, Du bekommst „lebenslänglich“ denn nur das ist der Beweis Deiner tiefen Liebe zu mir...“ 
 
Glaubst Du das wirklich? 
Echt? 
Ist das wirklich wahr? 
 
Oder glaubst Du nicht auch, dass Dein Verstorbener sich Glück, Liebe und Freude für Dich wünschen würde? 
Weil er Dich liebt und deshalb möchte, dass es Dir gut geht...? 
Wenn ich an meinen Sohn denke, dann weiß ich, dass er mich auf jeden Fall glücklich sehen will. Es war ihm immer oberwichtig, dass es all seinen Lieben gut geht. 
Warum sollte das jetzt anders sein? 
Ich habe eine Verantwortung, meinem Sohn und mir selbst gegenüber und ich sehe mich in einer Art Pflicht, mich um mein eigenes Wohlergehen zu kümmern - eben WEIL meine Liebe zu meinem Kind so groß ist. 
Natürlich ist das nicht leicht - der Weg der großen Traurigkeit oder gar der Depression ist nach so einem Schicksalsschlag der so viel leichtere und noch dazu völlig legal und verständlich. Es kostet Mut und Energie, den anderen Weg einzuschlagen. 
Den Weg, zurück ins Glück. 
Aber bin ich das meinem Kind nicht schuldig? 
Aus Liebe? 
Mein Muttergefühl „befiehlt“ mir: „tu alles was in Deiner Macht steht damit es Deinem Kind gut geht !!!“ 
Und ich bin schließlich noch immer Felix Mutter, auch wenn er die Seiten gewechselt hat, und noch immer ist dieses Gefühl in mir alles zu tun, damit es ihm gut geht... 
Und das fängt bei mir selbst an! 
Deshalb stelle ich mich nun an die erste Stelle, deshalb achte ich sehr auf mich. Deshalb kümmere ich mich darum, mir Gutes zu tun um wieder glücklich zu sein - trotz der vielen Tränen die ich um meinen Buben weine... 
Mich selbst wieder glücklich zu erleben. DAS ist es, was MEIN Gewissen beruhigt... 
Ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen in ihrer Trauer aufhören, sich selbst zu vergessen. 
Die Selbstliebe ist ein großes Geschenk das man trainieren kann wie einen Muskel und sie wirkt im Trauerfall wie ein Medikament - kostenfrei, ohne Nebenwirkungen und es ist nicht mal verschreibungspflichtig...  
In Liebe 
Sabine Sponer mit Felix auf der anderen Seite 


13.04.2020

 „Weil man Zeit gewinnt, wenn man sie großzügig verschwendet...“

Wie gerne habe ich mit Felix die Zeit regelmäßig und regelrecht in vollen Zügen und vollem Umfang „verschwendet“. 
Da wir unter der Woche immer nur zu zweit daheim waren, gehörte diese Zeit uns ganz alleine und meist haben wir sie völlig planlos „verplempert“... 
Dadurch ist es uns regelmäßig gelungen, die Zeit zu dehnen - weil sie so wertvoll war und wir uns nur um uns selbst gekümmert haben, haben wir Zeit gewonnen - indem wir sie verschwendet haben. 
Ganz extrem war dies zu spüren in Feli’s letzter Woche auf dieser Erde. 
Wir verbrachten diese letzte Woche zu zweit fast ausschließlich in unserer Wohnung. Natürlich wussten und ahnten wir nicht, dass diese Tage unsere letzten sein würden, rückwirkend haben wir aber glücklicherweise auf unsere Intuition gehört und uns nur um uns selbst gekümmert. 
Wir haben dadurch in dieser Woche mehr zusammen erlebt, als manche Eltern mit ihren Kindern in einem ganzen Leben erleben. 
Nein - wir haben keine aufregenden Ausflüge gemacht und auch keine abenteuerlichen Spiele gespielt. 
Unsere letzten Tage zusammen auf dieser Erde haben wir nur mit uns verbracht - zu zweit - und dadurch war diese Zeit erfüllt von einer unglaublich intensiven Qualität. 
Jetzt - in dieser „sonderbar ungewohnten“ Coronazeit, bekommen wir alle die Möglichkeit, so eine intensive Zeitqualität zu erlangen. 
Im Moment sind viele Menschen (gegen ihren Willen) plötzlich „Zeitmillionäre“ (dieses Wort habe ich schon als Kind als „Berufswunsch“ in ein sogenanntes „Freundebuch“ geschrieben). 
Aber, anstatt dieses großartige Geschenk anzunehmen, treten es leider viele mit Füßen. 
Sie sehen ausschließlich die negativen Seiten in dieser Krise - aber nicht das gigantische Geschenk dahinter. 
Sie gehen ausschließlich in die Angst, in die Unsicherheit und verurteilen und bewerten diese Situation als grundlegend negativ. 
Aber wir leben hier auf der Erde in der Dualität !!! 
Es gibt nichts Schlechtes ohne etwas Gutes und jeder darf durch seinen eigenen Willen selbst entscheiden, welche Seite er für sich persönlich (er)leben möchte. 
So wie Ende November 2019 - in den letzten Tagen mit meinem Sohn, habe ich mich auch dieses Mal entschieden, dass Geschenk mit Freude anzunehmen. Dadurch empfinde ich die Krise nicht als unangenehm und bedrohlich. 
Ich halte mich an die nötigen Vorschriften, ich bleibe daheim - und dehne meine Zeit - indem ich sie vertrödle. 
Das tut mir gut, und es gibt mir die Möglichkeit, mich mit meiner persönlichen Trauer und meinen Themen auseinander zu setzen. 
Unter der Woche bin ich nun ganz alleine mit unseren drei Tieren. Felix ist körperlich nicht mehr bei mir - trotzdem vertrödle ich meine Zeit noch immer am liebsten zu zweit mit ihm - fast so wie früher. 
Ich streife mit unserem Hund durch die Wälder, ich entdecke die Natur ganz neu und ich spreche mit meinem toten Sohn - weil ich spüre, dass er mich hören kann. 
In unserer letzten gemeinsamen Woche haben wir es genauso gemacht. 
Wir hatten unglaublich intensive Gespräche über Gott und das ganze Universum, dass ihn immer schon sehr interessiert und fasziniert hat. 
Felix war so voller Fragen und neugierig auf Dinge, die wir beide nicht wirklich greifen konnten. 
Es war ihm auch sehr wichtig, immer wieder zu betonen, wie sehr er uns alle liebt, und dass die Liebe einfach das Wichtigste überhaupt auf dieser Welt ist. 
Er schickte energetische „Sonnenstrahlen“ in die Herzen all derer, die in seinen Augen „dieses Leben“ noch nicht begriffen haben. Er tat dies völlig wertfrei und ohne Verurteilungen. 
Er hat mich in dieser Woche immer wieder zum Staunen gebracht mit seinen weisen Aussagen. 
Er war mit allen Menschen im Reinen und hatte auch für die Verständnis, die ungerecht und „böse“ waren. 
Wir haben wiederholt eine seiner Lieblingsgeschichten „die kleine Seele spricht mit Gott“ angehört und er wiederholte das es genau so sei! 
Denn das Böse gibt es nicht - wir machen hier im „Bootcamp“ Erde nur Erfahrungen - um daran zu wachsen... 
Die Worte meines Sohnes sind wahr - ich spürte und spüre, dass mit jeder Faser meines Wesens. 
Trotzdem war mir nicht klar, dass seine Mission hier schon abgeschlossen war und er uns so früh schon verlassen wird. Nach nur 13 Jahren... 
Rückwirkend bin ich unendlich dankbar, dass wir es geschafft haben, in unserem „zeitlichen Reichtum“ zu schwimmen wie Donald Duck in seinem Geldspeicher... 
Ich bin noch immer eine sehr reiche Frau denn ich habe immer noch unfassbar viel Zeit und nicht mehr das Gefühl, ich müsste diese Zeit mit irgendetwas angeblich „nützlichem“ füllen... 
Ich muss auch keine Zeit mehr „totschlagen“ oder mich krampfhaft von mir und meinen schmerzhaften Themen ablenken um sie nicht spüren zu müssen... 
Früher war das so - aber heute kann ich einfach nur so im Gras herumsitzen und den Bienchen lauschen, oder auf einem Stuhl mit Blick aus dem Fenster sitzen und ansonsten gar nichts tun. 
Wenn ich dabei traurig werde, weil ich meinen Sohn so sehr vermisse, und mir die Tränen kullern, dann ist das halt so. Auch das sehe ich als ein großes Geschenk denn es gab auch Zeiten in meinem Leben da hatte ich mich selbst so sehr von mir entfernt, dass ich nicht mal mehr weinen konnte. 
Heute kann ich die Tränen fließen lassen solange sie sich gesund anfühlen. Wenn ich aber merke, dass ich in das große schwarze Loch ohne Boden rutsche, dann kehre ich um. Dann verändere ich bewusst meine Gedanken (Gefühle folgen immer den Gedanken) und denke an schöne Dinge - bis ich mich wieder wohl fühle - trotz dem tiefen Schmerz. 
Man nennt das Selbstheilung. 
Manchmal anstrengend und Kräfte zehrend aber unbedingt nötig, wenn man wieder gesund, heil und glücklich leben möchte. 
Und das möchte ich auf jeden Fall und als Mutter bin ich das meinem Kind auch schuldig. 
Mein kleiner Spatz hätte niemals gewollt, dass ich seinetwegen an meinem Schmerz zerbreche. 
Ich versuche mir vorzustellen, wie das für ihn wäre. Von der anderen Seite aus zusehen zu müssen wie ich vor lauter Schmerzen um seinen Verlust zugrunde gehe - und nichts tun zu können. 
Ich glaube, dass dies für unsere Verstorbenen wirklich schwer ist. 
Weil ich mein Kind so abgöttisch liebe - möchte ich für ihn glücklich sein und ein gutes Leben führen bis wir wieder zusammen sind. 
Ich wünsche mir, dass viele Menschen „da draußen“ die Chance nutzen und die Geschenke, die wir gerade alle bekommen, annehmen. 
Vor allem wir Trauernden dürfen diese liebevoll verpackten Geschenke mit großer Freude annehmen. 
Nutzt Eure Zeit indem Ihr sie verschwendet und heilt Euch dadurch selbst... 
Ich wünsche Euch allen von Herzen viel Spaß dabei. 
Schließt die Augen und lauscht der Natur - genießt die Stille - und denkt mit Dankbarkeit an Eure lieben Verstorbenen. 
Denn die Dankbarkeit ist der Schlüssel um in spürbaren Kontakt zu den Seelen zu kommen. 
Denkt „hell“ und nicht „dunkel“. 
Denn nur im Licht können Eure Lieben Euch finden... 
In diesem Sinne wünsche ich Euch den entspanntesten Ostermontag aller Zeiten... 

Eure Sabine Sponer mit Felix 
(nicht nur im Herzen sondern im Augenblick überall um mich herum...) 


11.04.2020

2020 - das Jahr, in dem es Dich nie gegeben hat...

Ostern... 
Seit 13 Jahren das erste Ostern ohne Dich - in diesem total „ver-rückten“ Jahr... 
Seit über 4 Monaten bist Du nun schon „weg“ - körperlich verschwunden - einfach so, von jetzt auf gleich... 
Seit über 4 Monaten hören wir Dein fröhliches Lachen nicht mehr in unseren menschlichen Ohren. 
(Aber wir fühlen es in bestimmten Situationen...) 
Seit über 4 Monaten leben wir ein total anderes Leben als zu der Zeit, in der Du noch in Deinem Körper hier bei uns warst. 
An manchen Tagen, in manchen Stunden, befinde ich mich in einem luftleeren Raum - irgendwo zwischen Realität und Schmerz. 
An anderen Tagen fühlt sich hingegen alles ganz „normal“ an und oft habe ich glücklicherweise auch sehr gute Zeiten in denen ich stundenlang mit dem Hund durch die Wälder streife und die Natur und dieses Leben in mir aufsauge wie ein Schwamm. 
Eine Natur, die sich gerade regeneriert - eine Natur, die ich noch nie so intensiv wahrgenommen habe... 
Keine Kondensstreifen am Himmel und seit Wochen bestes Sonnenwetter. 
Die Erde zeigt sich von ihrer allerbesten Seite. 
Seit über 3 Wochen schon leben wir nun alle mit den krisenbedingten Ausgangsbeschränkungen. 
Auch ich bin betroffen und darf nicht arbeiten - und so bin ich plötzlich, wie so viele - Zeitmillionärin !!! 
Viele Leute klagen und jammern, für viele ist das alles erst mal eine große Katastrophe, aber vielen tut diese Zeit auch unheimlich gut. 
Ich empfinde diese Stille um mich herum sehr wohltuend... 
Es tut mir gut denn ich muss in dieser Trauerzeit sehr gut auf mich achten, muss immer wieder neu darauf aufpassen, dass ich mir nicht zu viel zumute. Ich muss stets achtsam sein, um nicht in diesem schwarzen Loch der Trauer zu versinken. 
Manchmal lasse ich mich zu meiner eigenen Heilung bewusst hineinfallen - aber immer so bewusst, dass ich mir den Rückweg merken kann um wieder auszusteigen aus dem unangenehmsten und grausamsten Schmerz den ich mir nur vorstellen kann. 
Ostern 2020 empfinde ich trotz meiner Trauer als ein sehr schönes Fest - dass erste in unserer neuen Traumwohnung - nur zu zweit - auch wenn mir unser großes Familientreffen schon sehr fehlt. 
Es ist eine schöne Zeit - und trotzdem... 
...vermisse ich es, mit meinem Junior Eier zu bemalen und die Wohnung österlich zu schmücken. Wertvolle Zeit mit ihm und der ganzen Familie zu verbringen... 
Eigentlich wäre auch meine Tochter mit ihrem Freund hier sowie meine Schwester mit ihrem Mann, meine Eltern - und wir hätten alle zusammen Ostern gefeiert. 
Die ganze Familie... 
Aber in diesem Jahr ist halt leider komplett alles anders... 
Unser aller Sonnenschein, unser Jüngster, unser Küken fehlt und wir restlichen, die „Hinterbliebenen“ dürfen uns nicht mal sehen. 
Das tut weh... 
Wir sind allesamt virtuell in sehr regem Kontakt, tauschen Bilder & Videos aus, machen sogar familiäre Videokonferenzen. 
Das ist wirklich schön und teilweise auch sehr lustig - aber die witzigen Kommentare von unserem Felix - die fehlen halt in all unseren Unterhaltungen... 
Aber: 
Lieber Felix, Du hättest Dich nicht wohl gefühlt mit dieser Situation. 
Du warst es gewohnt, alle Deine vier Großeltern jeden Tag zu sehen. 
Mit ihnen zu essen, zu lernen, zu spielen, zu sprechen... 
Was hätte es mit Dir gemacht, all dies von einen Tag auf den anderen nicht mehr tun zu dürfen? 
Jeden Tag hast Du Deine geliebten Omas & Opas mit dem Rad besucht, jetzt hättest Du - mit all Deinen vielen Hummeln im Hintern - so lange Zeit daheim bleiben müssen... 
Hättest trotz diesem traumhaften Wetter Deine Freunde nicht sehen können. Hättest nicht mit uns in den Urlaub fahren können und hättest alleine Zuhause lernen müssen - ohne Deinen besten Freund - Deinen Lehrer-Opa... 
Dieser Zustand momentan wäre überhaupt nichts für Dich gewesen. 
Er hätte Dir alles andere als gutgetan. 
Du hättest das alles als riesige Freiheitsberaubung gesehen, Du hättest gelitten und hättest Dir viel zu viele negative Gedanken gemacht... 
All das bleibt Dir jetzt erspart. 
Jetzt bist Du frei und kannst fliegen wo immer Du hin möchtest... 
Oft bist Du bei uns und erheiterst unser aller Alltag. 
Unsere WhatsApp Gruppe: „Felix fantastische Zeichen“ ist jeden einzelnen Tag in „Bewegung“ - mindestens einem von uns schickst Du jeden Tag ein Zeichen - dass es Dir gut geht und dass Du immer bei uns bist. 
Dadurch, dass wir diese Erlebnisse miteinander teilen, kommen sie bei uns allen an. 
Das tut unheimlich gut - jedem einzelnen von uns und wir sind schon gespannt, was Du Dir wieder Lustiges für morgen - Ostersonntag - einfallen lässt... 
Wenn ich dieses Bild von Dir und Deiner Schwester betrachte, muss ich lachen denn ich weiß, dass Du den Schalk und Deinen Humor nicht verloren hast... 
In Liebe und ein wundervolles Osterfest für Euch alle... 

Sabine Sponer mit Felix im Herzen 


03.04.2020

 „Weinen ist das gleiche wie lachen - nur umgekehrt“.

Immer wieder werde ich gefragt, wie es mir denn geht... 
Das ist sehr schön, nur manchmal fehlt mir tatsächlich eine passende Antwort auf diese Frage. 
Die Wahrheit ist, es geht mir in jedem Moment „anders“. 
Es kann sein, dass ich mich total gut fühle, und dann reicht auf einmal eine einzige Sekunde aus, um mich aus meinem guten Gefühl wieder heraus zu katapultieren. 
Eine winzige Erinnerung, manchmal völlig aus dem Nichts, reicht aus um mich augenblicklich in eine neue Gefühlslage zu befördern. 
Aber geht es mir dann in diesem Moment schlecht? 
Im Grunde liegt das ja im Auge des Betrachters denn weinen oder traurig sein ist ja an sich nichts Schlechtes. 
Und ob etwas als gut oder schlecht empfunden wird, ist schließlich reine Bewertung. 
Glücklichsein fühlt sich viel schöner an - also wird es als „gut“ bewertet und das traurig sein fühlt sich unangenehm an - also wird es als „schlecht“ bewertet. 
Aber im Grunde ist es das gleiche - nur halt anders herum... 
Schmerz will keiner haben, natürlich auch ich nicht, aber der Schmerz gehört nun mal zu mir und nur indem ich mit ihm leben lerne, kann es überhaupt für mich weitergehen. 
Schmerz & Trauer ist nichts Schlechtes, diese Themen gehören genauso zu uns, wie die gegenteiligen Gefühle... 
Seit 4 Monaten (er)lebe ich alle Gefühle in mir unglaublich intensiv. Manchmal bin ich so abgrundtief traurig, dass sich mein ganzes Sein wie zugeschnürt anfühlt - aber je trauriger ich bin, desto fröhlicher kann ich mich im Gegenzug auch fühlen. 
Ich erfreue mich an der Natur, wie ich es zuvor noch nie getan habe. 
Jeden Morgen beobachte ich, wie sich die Knospen an den Bäumen in unserem Stadtpark ein Stück weit mehr öffnen. 
Ich sammle Schneckenhäuser, bewundere die verschiedenen Muster und erfreue mich an den teilweise wirklich mächtigen Bäumen auf meinen Streifzügen durch den Wald. 
Ich habe dabei Glücksgefühle in mir, die ich nicht spüren könnte - würde ich meine Trauer nicht so intensiv leben. 
Je mehr ich diese vermeintlich „negativen“ Gefühle lebe, desto intensiver werden auch meine „positiven“ Gefühle. 
Die Trauer mit all seinen Facetten zu leben hat tatsächlich eine unglaublich belebende Wirkung auf allen Ebenen. 
Die Trauer bringt mich in die Liebe, in das Glück und in die Freude. 
Als vor Jahren mein Verlobter starb, unterdrückte ich all diese unliebsamen Gefühle. Ich wollte sie nicht fühlen, ich redete mir erfolgreich ein, diesen großen Schmerz überhaupt nicht aushalten zu können. 
Es klappte - aber der Preis war hoch. 
Ich wurde total stumpf. 
Und irgendwann fühlte ich überhaupt nichts mehr. 
Keine Traurigkeit - aber auch kein Glück. 
Ich konnte mich an nichts mehr erfreuen und ich konnte auch nicht mehr weinen. Ich lebte hinter einem Schutzwall, wurde irgendwie gleichgültig der ganzen Welt gegenüber. 
Ich fühlte mich wie ein Zombie und ich musste mich hart ins Leben zurück kämpfen. 
Diesen Weg wollte ich kein zweites Mal mehr gehen. 
Deshalb habe ich von Anfang an einen anderen Weg eingeschlagen. 
Als mein Kind starb war mir sofort klar, dass dieses Mal alles anders verlaufen musste. 
Dieser völlig andere Weg ist auch anstrengend und sehr intensiv. 
Er kostet viel Energie - aber mit jedem Tag spüre ich mehr, wie mich dieser Weg auch zurück zur Freude bringt. 
Durch den Tod meines Sohnes lerne ich nun, wahrhaftig und aus dem Herzen heraus glücklich zu sein. 
So seltsam sich das auch anhört... 
Noch bin ich „eine Meisterin die übt“ und noch überwiegen die Momente der Traurigkeit, der Sehnsucht und der inneren Einsamkeit. 
Aber die Glücksmomente werden mit jedem Tag der vergeht immer mehr. 
Das Glück an den großen, aber auch an den kleinen Dingen... 
Bienen die summen, die Sonne die scheint, Blumen die blühen... 
Ich kann nur jedem raten der Trauer in sich trägt, lebt diese Gefühle mit all seinen Facetten! 
Gebt ihnen die gleiche Daseinsberechtigung wie den vermeintlich „guten“ Gefühlen. 
Nur wer all seine Gefühle lebt - der kann auch all seine Gefühle überhaupt fühlen. 
Werdet nicht zu gefühllosen Zombies nur weil Ihr Angst vor dem Schmerz habt... 
Davon gibt es schon genug... 
Euer Schmerz ist völlig normal und natürlich - und er wird Euch irgendwann wieder in die Freude bringen. 
Und Glücklichsein ist schließlich unser aller Geburtsrecht 
Herzlichst 
Eure Sabine Sponer mit Felix im Herzen 


01.04.2020

 Als Mutter plötzlich arbeitslos.


Mein Job als Sohn-Mutter wurde gekündigt. 
Fristlos und ohne Vorankündigung. 
Für den Verlust von diesem Job gibt es keine Abfindung und kein „Amt“ das einen auffängt. 
Keine Stelle, die Umschlungen anbietet und einen neuen Job auf diesem Gebiet vermittelt. 
Wem als Mutter „gekündigt“ wird, für den ist es dazu oft auch noch endgültig – zumindest, wenn man ein bestimmtes Alter bereits erreicht hat. 
Zu alt, um diesen Job noch einmal in neuer „Besetzung“ aufzunehmen - aber auch noch viel zu jung, um ihn einfach so aus dem Nichts aufgeben zu können... 
Als Alternative bin ich jetzt „Tiermama“ - das ist schön, es gibt mir Halt und Kraft und meine drei tierischen Babys mit den liebevollen Fellnasen bringen mich zum Lachen und zurück in die Freude. 
Trotzdem ist es natürlich ein komplett anderer „Job“ / und trotzdem ist da ständig diese unglaubliche Leere und Haltlosigkeit in mir. 
Meinem Kind geht es gut - das weiß und spüre ich mit großer Sicherheit. 
Aber wer nimmt meinen kleinen Jungen in den Arm? 
Wer kuschelt und wer küsst ihn, wenn er mütterliche Liebe braucht? 
Das ist doch eigentlich ganz alleine mein Job - und die Löwenmama in mir möchte diesen Job auch gerne für sich ganz alleine beanspruchen. 
Ich weiß, er ist nicht alleine, dort wo er jetzt ist. Ich weiß das wir uns wiedersehen werden und ich weiß, dass ich natürlich nach wie vor seine Mama bin und es auch immer bleiben werde... 
Aber diese Umstellung ist einfach unglaublich schwer... 
Manchmal fühle ich mich ein bisschen meiner Lebensaufgabe - „Mutter sein“ - zum Teil beraubt. 
Ich wollte immer schon Mutter werden, schon als kleines Kind stand für mich fest, dass ich zwei Kinder möchte. Mit großer Hingabe habe ich mich um meine Puppen gekümmert - ich war sozusagen im Praktikum und habe meinen Job als Puppenmutter richtig gut gemacht. 
Mutter zu werden war enorm wichtig für mich und mein Kinderwunsch war bereits mit Anfang 20 sehr ausgeprägt. Mit 21 Jahren, direkt nach meiner Ausbildung zur Kinderpflegerin, war ich mit meinem ersten Wunschkind schwanger... 
Es ging mir in erster Linie um das Kind, eine funktionierende Partnerschaft war mir dabei gar nicht so wichtig. Das setzte ich irgendwie voraus. Das eine Ehe kompliziert sein kann und womöglich sogar scheitern kann, diese Tatsache war in meiner Welt damals irgendwie noch nicht vorhanden. 
Mutter sein - das war alles was ich wollte und ich war es mit meinem ganzen Herzen. 
Erst als ich Jahre später mein Ziel erreicht hatte und zwei prächtige Kinder unter meinem Herzen ausgetragen hatte, fühlte ich mich vollständig. 
Genauso sollte es sein. 
Und jetzt? 
Eines meiner „Vögelchen“ hat das Nest bereits vor Jahren verlassen und lebt mittlerweile 466 km von mir entfernt. 
Mein Job als Mutter hat sich hier auf ganz natürliche Art und Weise verändert. 
Genau so fühlt es sich gut und richtig an, genauso sollte es auch sein. 
Mein anderes Vögelchen jedoch, ist mit 13 Jahren ganz plötzlich aus dem Nest gefallen - nach dem freien Fall hat es seine Flügelchen ausgebreitet und ist in ein wunderschönes Land geflogen, ein Land, dass leider unerreichbar für mich ist. 
Ich kann meinen gewohnten Job als seine Mutter nun nicht mehr nachkommen. 
Ich kann meinen Sohn nicht mehr betüteln und verwöhnen, keine Faxen mehr mit ihm machen. 
Keine Mutter-Sohn Abende mehr, keine Spaziergänge über die Felder, keine gemeinsamen Meditationen in unentdeckte Welten... 
Ich muss nicht mehr mit Wecker aufstehen, niemanden wecken und für die Schule „fertig machen“. 
Keine Hausaufgaben mehr, keine Diskussion ums „länger aufbleiben“. Niemand mehr, dem ich neue Klamotten kaufen muss, weil die alten zu klein geworden sind, niemand mehr, der unser Bad unter Wasser setzt, weil Aliens in wilder Schlacht die Badewanne gestürmt haben. Niemand mehr der dauernd quatscht, so dass ich im Fernsehen nichts mehr mitbekomme. Keine dreckige Wäsche, keine Pausenbrote, keine Gute-Nacht Küsse... 
Die Umstellung von Mutter auf gefühlt „nichts“ ist wirklich heftig. 
Natürlich bin ich noch Mutter - und ich werde es auch immer bleiben. Aber ich bin nicht mehr „im Dienst“ und ich hatte keine Chance, mich irgendwie darauf vorzubereiten. 
Es ist ein bisschen, wie in Rente gehen. Nur bekomme ich kein Geld, sondern musste das bereits gezahlte Kindergeld zurück überweisen. 
Ich bin quasi im „Rentenschock“ - nur auf eine andere Art und Weise... 
Durch die Coronakrise wurde dieser Zustand noch verstärkt denn Ablenkung von „außen“ ist durch die Ausgangsbeschränkungen im Moment nicht möglich. 
Auf einmal bin ich alleine - ein Teil von mir genießt das sehr. Im Grunde bin ich ein Mensch, der sehr gern alleine ist. Das war schon immer so. Ich kann mich gut leiden, ich bin gerne mit mir allein. Qualitätszeit mit mir selbst. Ich liebe es - aber da ist auch noch der andere Teil in mir... 
Der Teil, der sich plötzlich irgendwie nutzlos vorkommt. Der Teil, der weiterhin einfach Mutter sein und das auch leben will. Der Teil, der sich vor Sehnsucht verzehrt und seiner Zukunft beraubt fühlt und darum trauert, in diesem Leben niemals wieder den Körper des geliebten Sohnes anfassen zu können. Keine Enkel von diesem Sohn bekommen zu dürfen - keine Schwiegertochter. 
Innerhalb der letzten, nur 4 Monate, hat sich mein Leben komplett verändert. 
Ich muss damit klar kommen - ob mir das gerade passt oder nicht. 
Ich habe keine Wahl. 
Ich bin zum Glück ein unverbesserlicher Optimist - ich mache stets das Beste aus jeder Situation. Auch wenn es mir oft genug unglaublich schwerfällt. 
Jeden Abend schreibe ich meinen Dankbarkeitspost - seit über 700 Tagen schon. Jeden Abend mache ich mir ganz bewusst Gedanken darüber, für was ich heute dankbar sein darf. An manchen Tagen fällt mir das wirklich schwer und schon oft wollte ich aufhören mit dieser „Sache“ - aber mittlerweile ist dieses Ritual fast schon überlebenswichtig für mich geworden denn ich weiß aus Erfahrung, wie schnell so eine Situation kippen kann. 
In Zeiten meiner „Neusortierung“ ist es unglaublich wichtig, auf mich selbst zu achten - mich selbst zu bemuttern und zu verwöhnen. 
Und so definiere ich meinen Job als Mutter einfach neu - denn sich selbst, sollte man immer am wichtigsten sein. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit purer Liebe. 
Sich selbst und anderen gegenüber... 

In diesem Sinne 
Vergiss niemals, Dich selbst zu bemuttern... 
Sabine Sponer mit Felix im Herzen 


29.03.2020

 

Der Tod ist mein Freund, denn nur der Tod lehrt mich das wirkliche Leben! 

 
„Wie glücklich ich doch bin, dass ich etwas habe, zu dem „Leb wohl“ zu sagen so schwerfällt.“ 
Dieses Zitat stammt von „Pu, der Bär“ und ich finde es einfach total treffend... 
„Wie glücklich ICH doch bin, dass ich jemanden hatte, zu dem „Leb wohl“ zu sagen so unfassbar schwerfiel.“ 
Wenn wir etwas vermissen, sind wir zuvor unglaublich reich gewesen und ja - ich war (und bin) unglaublich reich und voller tiefer Liebe für meinen verstorbenen Sohn. 
Der Schmerz, jemanden zu verlieren für den man aus Liebe ohne zu zögern sofort gestorben wäre ist unsagbar groß - weil man die Liebe in vollem Umfang gelebt hat. 
Deshalb ist im Umkehrschluss dann im Todesfall auch der Schmerz in vollem Umfang spürbar und zu tragen. 
Es gibt Menschen, die wollen keine Kinder und auch keine Partner, ja nicht mal Haustiere - aus Angst, diese wieder verlieren zu können - aus Angst vor diesem tiefen Schmerz der uns so unglaublich verletzlich und verwundbar macht... 
Diese Menschen leben die Alternative zu einem intensiven Leben voller Emotionen jeglicher Art und wollen sich durch diese Schutzmaßnahmen zeitlebens schützen. 
Sie wollen die Liebe nicht in vollem Ausmaß zulassen, sich auf nichts so wirklich ganz einlassen, um nur ja nicht verletzt und verwundet zu werden. 
Das funktioniert - aber leider leben diese Menschen dann auch nicht wirklich intensiv... 
Nur wer bereit ist, auch die dunklen Seiten anzuerkennen und zu akzeptieren, der wird auch die hellen Seiten in vollem Umfang und Ausmaß genießen können. 
Nur wer sich den Tod zum Freund macht, wird in den Einklang unseres dualen Lebens kommen. 
Mit all seinen Höhen und Tiefen... 
Dabei gibt es einen Schlüssel, der den gefürchteten Schmerz viel erträglicher machen kann... 
Es ist unsere Dankbarkeit, die zu einem tröstenden Licht werden kann, wenn es einmal ganz dunkel um uns herum wird. 
Die tiefe Dankbarkeit über das was war, über das, was wir erleben durften mit diesem Menschen und was wir dadurch alles bekommen haben. 
Meine Dankbarkeit nimmt mich immer wieder an die Hand und führt mich in die Tiefe meines Schmerzes - aber auch wieder aus ihr heraus. 
Denn in dieser Dankbarkeit steckt all meine Liebe. 
Und Liebe überdauert die Trauer... 
Ein Ja zum Leben erfordert auch ein Ja zu Tod, denn im Nein kommen wir nicht weiter. 
Mach den Tod zu Deinem Freund, akzeptiere ihn - denn er gehört zum Leben dazu - wie alles andere auch. 
Für mich hat der Tod seinen Schrecken vollständig verloren. 
Ich habe keine Ängste mehr. 
Der Tod hat mir nicht hinterlistig mein Kind genommen, der Tod ist nicht mein Feind. 
Der Tod ist für mich nur eine Schwelle - ein goldenes Tor voller bunter Farben das in eine andere Bewusstseinsform führt - direkt neben der unsrigen... 
Das mein Sohn körperlich nicht mehr bei mir ist tut weh und es macht mich sehr traurig - trotzdem bin ich zeitgleich so unendlich glücklich und dankbar das ich in meinem Leben „jemanden hatte, zu dem „Leb wohl“ zu sagen, so schwer fiel...“ 
Danke Pu der Bär 
Herzlichst 
Eure Sabine Sponer mit Felix im Herzen 


24.03.2020

 
 
Das Tor zur „anderen“ Welt...
 
Heute möchte ich etwas erzählen, was ich bis jetzt nur sehr wenigen Menschen erzählt habe. 
Irgendwie erschien es mir zu „kostbar“ und noch nicht „reif“ dafür, öffentlich geteilt zu werden. 
Jetzt aber merke ich, dass sich durch die aktuelle Corona-Krise dieser Zeit, sehr vieles verändert und das vieles nun endlich „ans Licht“ kommen darf und auch diejenigen erreicht, die sich bis jetzt für solche Dinge verschlossen haben... 
Ich spüre ein allgemeines Umdenken in der Menschheit. Ein Umdenken, das uns allen viel Heilung bringen wird... 
Wenn man sich in unserer Welt mit spirituellen Dingen befasst, dann wird man leider immer noch oft belächelt und als „Esoterikeule“ abgestempelt. 
Ich kenne das nur zu gut. 
Doch die Vorurteile werden in dieser Zeit zum Glück immer weniger... 
Ich gehöre keiner dubiosen Sekte an, ich laufe auch keinem Guru hinterher - ich bin sogar ein sehr skeptischer Mensch und im Grunde glaube ich auch nur dass, was ich am eigenen Leib erfahren habe und sehen durfte - oder dessen Wahrheitsgehalt ich einfach sehr deutlich spüren kann. 
Meine eigene Erfahrung „macht“ meinen Glauben - der im Grunde kein Glauben ist, sondern eher ein Wissen... 
Deshalb möchte ich heute gerne von einer meiner unglaublichsten Erfahrungen erzählen... 
 
Hätte mir vor 1/2 Jahr jemand gesagt was für krasse Veränderungen mir bevorstehen - ich hätte wohl die Panik meines Lebens bekommen... 
Jetzt, mit etwas Abstand gesehen, erkenne ich den großen Plan hinter all den Dingen... 
Vor ca. 1 1/2 Jahren habe ich ein spannendes Seminar zum Thema „Karten legen“ gemacht. Seitdem lege ich mir immer mal wieder die Karten - nur so für mich und enge Freunde - nur so zum Zeitvertreib... 
Stimmen tut es interessanterweise irgendwie immer... 
Zum Jahreswechsel 2018 auf 2019 sagten meine Karten für das Ende des kommenden Jahres große Veränderungen voraus und im Dezember lag tatsächlich ein Umzug in den Karten - von meinem Kind. 
Mein Kind wird sich entscheiden umzuziehen und es wird für ihn wunderschön sein. 
Ich freute mich, dachte ich doch, dass dies unser aller Umzug ist - aber mein Sohn hat sich für eine andere Art des Umzuges entschieden... 
Statt mit uns „einfach nur“ die Wohnung zu wechseln, ist er an einen Ort „gezogen“, von dem wir nur ahnen können wie schön es dort ist. 
In der ersten Woche nach seinem Tod, hat er mir genau 3x den Übergang in diese Welt gezeigt. 
 
Als es zum ersten Mal passierte, war ich sehr verunsichert. Ich wusste nicht, was vor sich ging. Wir saßen im Auto, gerade hatten wir die Schlüssel zu unserer neuen Wohnung bekommen. 
Felix war seit 4 Tagen tot und der Schmerz riss und zerrte an mir wie ein außer Rand und Band geratenes Tier. 
Das betreten seines neuen Zimmers hatte mir den Rest gegeben und ich wusste nicht mehr, wohin mit all dem Schmerz. Mein Herz schien regelrecht zu explodieren als ich plötzlich eine wirklich „krasse“ Sehstörung bekam. In meinem linken Gesichtsfeld erschien eine Art Tor - ein Halbkreis aus bunten Lichtern der mich sofort so extrem in seinen Bann zog, dass mein Schmerz für einen Moment wie ausgelöscht schien. 
Ich wurde augenblicklich total ruhig. 
Das Tor schien aus einer Art „Gelee“ zu sein. Wie eine Masse aus Gelatine - durchsichtig, lebendig, in Bewegung aber doch irgendwie fest. 
Ich konnte mein Umfeld ganz genau wahrnehmen, sah aber zeitgleich dieses Tor „vor“ unserer eigentlichen Welt flimmern. Ich war total fasziniert, wusste aber auch nicht so recht, was das war. Ich rieb in meinen Augen, schloss und öffnete sie, rollte mit den Augäpfeln, untersuchte im Spiegel meine Augen, suchte nach einem Fremdkörper der evtl. auf meiner Tränenflüssigkeit herum schwamm, fand aber nichts. 
Das Tor ging nicht weg. 
Irgendwie schien es von außen zu kommen - zeitgleich aber in mir drin zu sein. 
Mein Mann fragte besorgt, ob es vielleicht der Vorbote einer Migräne sein könnte? Ich wusste es nicht, mit Migräne hatte ich noch nie zu tun gehabt. 
Was mich an dieser „Sehstörung“ am meisten irritierte war das unglaubliche Glücksgefühl das ich spürte, während ich es betrachtete. Gerade wollte ich doch selber noch am liebsten sterben, wollte einfach nur noch zu meinem Sohn und jetzt? Ich verstand überhaupt nichts mehr und blieb regungslos im Auto sitzen, während mein Mann besorgt die Einkäufe alleine erledigte. 
Ich schloss die Augen und der Bogen vor meinem inneren Auge begann, immer noch mehr Farben und Formen zu produzieren. Auf einmal erschienen kleine Kreise, Dreiecke, Stäbchen und dazu Farben, die ich von dieser Welt gar nicht kenne. Je intensiver ich hinschaute, desto mehr konnte ich sehen. Ich spürte, wie sich meine Augäpfel in Richtung des Tores bewegten und ich begann, immer tiefer in diese geleeartige Masse „hinein zu sehen“. Immer neue Muster entstanden dort. In schwarz-weiß und in Farbe. Und manche Farben waren mir völlig unbekannt. 
Es war einfach unglaublich. 
Als mein Mann zurückkam, saß ich selig lächelnd auf dem Beifahrersitz und er beschloss, mich zuhause erst mal ins Bett zu packen. 
Der Tod meines Sohnes nahm mich offenbar noch viel mehr mit, als er gedacht hatte. 
Da ich das Tor so plastisch wahrnehmen konnte, dachte auch ich über mögliche, körperliche Ursachen nach und je mehr ich das tat, je mehr ich in den „Kopf kam“, desto mehr verschwand das Tor. 
Als wir zuhause ankamen, war es verschwunden und meine Sicht und meine Gefühle wurden wieder normal. 
 
Wir begannen, das Abschiedsfest für unseren Schatz vorzubereiten. Wir hatten sämtliche Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn zu uns eingeladen. Wir wollten ein großes Lichterfest für Felix feiern - genauso wie es ihm gefallen hätte. Wir erleuchteten das komplette Treppenhaus des Mehrfamilienhauses in dem wir wohnten - und wir stellten Unmengen an Kerzen auf - für Felix aber auch für unseren Nachbarn aus dem Erdgeschoss, der ebenfalls, nur einen Tag vor Feli, völlig überraschend mit nur 47 Jahren in seiner Wohnung gestorben war. 
Die Haustüre stand an diesem Abend weit offen, auf dem Balkon entzündeten wir ein großes Feuer für unseren Spatz. Es gab Punsch, Häppchen & Lebkuchen und jeder Gast beschriftete eine Kerze mit einem letzten Gruß - am Ende war unsere Wohnung mit unglaublich vielen Kerzen erleuchtet, viele Menschen hatten Blumen mitgebracht und an die Wände hatten wir über hundert letzte Grüße der Schüler von unserer Realschule geklebt - auf Zetteln und Luftballons. Es war eine wirklich wunderschöne Abschiedsfeier mit einem herzberührenden Zusammenhalt all der Menschen, die unseren Felix geliebt und gerngehabt hatten. 
Am späten Nachmittag, als die Vorbereitungen abgeschlossen und die Gäste noch nicht da waren, legte ich mich erschöpft in das Bett meines Kindes. Noch vor wenigen Nächten hatte er hier geschlafen, seine Energie war noch sehr spürbar, das Bett quasi fast noch „schlafwarm“. 
Ich hielt sein Kuscheltier fest im Arm, ohne dass er bis zuletzt niemals geschlafen hatte und der Schmerz überwältigte mich erneut. 
Wie ein Tsunami rollte er an und nahm mir die Luft zum Atmen. Meine Bronchien machten dicht und ich überlegte panisch, wo mein Asthmaspray war. Mein Atem rasselte und quietschte laut und mir wurde schwindelig. 
Ich kann diesen körperlich-geistig-seelischen Schmerz nicht wirklich beschreiben. 
Wenn man sich intensiv vorstellt wie es ist, sein geliebtes Kind zu verlieren, dann kann man einen kleinen Ausläufer von diesem Gefühl wahrnehmen. 
Wenn man dann aber wirklich „da durch“ muss - weil „es“ passiert ist - dann haut einen dieser gewaltige Schmerz mit einer Urgewalt um, die kaum zu stemmen ist. 
Ich war nicht fähig aufzustehen um mein Notfallspray zu holen, verzweifelt schrie ich in Felix Kissen und lauschte dann entsetzt dem pfeifen und rasseln in meiner Lunge - und auf einmal war es wieder da. 
Das Tor. 
Dieses Mal erschien es in meinem rechten Gesichtsfeld und augenblicklich wurde es ruhig in mir. 
Meine Lunge entspannte sich, der Schmerz ebbte ab und dieses seltsame Glücksgefühl erfüllte jede Faser meines Körpers. Fasziniert schloss ich die Augen und betrachtete das Spiel aus Farben und Formen. 
Es war wunderschön, es war berauschend und beruhigend zugleich. Ich fühlte mich geboren, behütet und beschützt... 
 
Später erfuhr ich, dass der tote Körper meines 13jährigen Sohnes genau zu dieser Zeit verbrannt wurde. 
Ich fühlte eine angenehme Wärme in mir, ich fühlte mich ummantelt von der liebevollen Energie meines Kindes. 
Die Beerdigung fand 10 Tage nach seinem Tod statt. 
Am Hochzeitstag seiner Eltern... 
Ich war unglaublich nervös an diesem Tag, weil ich mir vorgenommen hatte, die Grabrede für mein Kind selbst zu halten. Ich spürte einfach, dass ich ein paar Dinge sagen MUSSTE und das dies allein meine Aufgabe war. 
Ich musste, vor allem all den Kindern, mitteilen, dass es Felix gut ging. 
Ich bin aber ein von Haus aus schüchterner Mensch und vor hunderten von Menschen zu sprechen jagte mir wirklich sehr große Angst ein. 
Und so erschien das Tor ein drittes Mal. 
Dieses Mal sah ich es in meinem gesamten Gesichtsfeld. Komplett von rechts nach links. Es war, als könnte ich nun einfach dort hindurch schreiten. 
Ich sah es bereits beim Frühstück und konnte mich kaum auf die Gespräche mit meiner Familie konzentrieren. Ich beschrieb ihnen was ich sah und sie hörten mir gespannt zu. Wir wurden alle unglaublich ruhig und so komisch das auch klingen mag - wir konnten allesamt unser Frühstück genießen und uns stärken. Und dass, wo wir doch nur wenige Stunden später unseren Sohn, Bruder und Freund zu Grabe tragen mussten. 
Die Intensität des Tores war dieses Mal am stärksten - trotzdem konnte ich gleichzeitig ganz normal sehen. 
Die Farben und Formen waren in ständiger Bewegung und begleiteten mich durch den Tag. 
Ich hielt die Grabrede mit einer ungewöhnlichen Ruhe und ich spürte, dass ich damit die Herzen der Menschen erreicht hatte. 
Als wir zum Friedhof fuhren, drehten wir mit der Urne auf dem Schoß meiner Tochter eine kleine Extrarunde durch unsere Stadt während ich Felix Kerze fest hielt die trotz Wind eisern brannte und nicht ausging. 
Wir fuhren zu viert im Auto mit Felix Urne und ja - wir mussten sogar lachen als mein Mann plötzlich Richtung Hauptstrasse fuhr und sagte: „Felix will noch einmal im Cabrio durch die Stadt brausen so wie früher. Die warten am Friedhof schon auf uns...“ 
Meine Tochter trug die Urne ihres Bruders dann später von der Aussegnungshalle zum Grab - gemeinsam mit mir zusammen ließen wir dann die Urne in die Erde hinab und als Felix Mitschüler dann, begleitet von bewegender Musik, die Luftballons in die Luft steigen ließen die sich dann über den Bäumen zu einem Schmetterling formten, begann das Tor sich langsam aufzulösen. 
Ich spürte, dass es nicht wieder zurückkommen wird und ich lachte und weinte zugleich. 
Ich war ergriffen von tiefstem Glück und der größten Traurigkeit meines Lebens. 
Ich sah das Tor seitdem tatsächlich nie wieder, ein Jenseitsmedium hat mir später begeistert erklärt, dass Felix mir den Übergang gezeigt hat um mich zu trösten. 
Durch dieses wunderschöne Tor werden wir alle einmal gehen dürfen. 
Was für ein wundervoller Gedanke, was für ein tröstliches Wissen... 
Und Du, mein lieber Feli, wirst hinter diesem Tor auf mich warten und ich werde Dich wieder umarmen und küssen dürfen sowie auf diesem Bild das in Australien am sogenannten „Rainbow-Beach“ entstanden ist. 
Es gibt nichts - wovor wir uns fürchten müssen... 
In Liebe 
Sabine Sponer mit Felix im Herzen 


22.03.2020

 
 
Loslassen ...
 
Etwas liebgewonnenes loszulassen, dass gehört für uns Menschen wohl zu den Dingen, die uns am schwersten fallen. 
Eigentlich hatte ich nie wirklich große Probleme mit diesem Thema, doch seit mein „Feli-Spatz“ tot ist, fällt es mir viel schwerer loszulassen. 
Es fällt mir schwer, immer noch mehr Veränderungen in meinem Leben zuzulassen, zu ertragen und mich damit zu arrangieren. 
Trotzdem ist das loslassen wichtig und richtig und ich muss es einfach tun. 
So schwer mir das auch fällt... 
Als junge Frau habe ich mir eine kleine Eigentumswohnung gekauft. Ich hatte kaum Eigenkapital und musste mir all das Geld von der Bank leihen - trotzdem war es mir unglaublich wichtig, mir etwas für meine Zukunft zu erschaffen. 
Beim Bau des Mehrfamilienhauses war ich mit dabei, mit den Maurern kletterte ich auf dem Rohbau umher und legte Steine an die Plätze, wo die Wände gezogen werden sollten. Die Pläne dafür zeichnete ich selbst. Ich warf den ganzen, ursprünglichen Plan über Bord und erschuf mir mein eigenes kleines Reich. 
Mit meiner Mutter klapperte ich damals sämtliche Läden ab auf der Suche nach den perfekten Fliesen und den Bodenbelägen... 
Diese Wohnung zu kreieren hat mir einen Heiden Spaß gemacht. 
Es wurde die schönste Wohnung im ganzen Haus - sie war damals sogar vom Bauträger als Werbung in der Zeitung abgebildet. 
Ich war unglaublich stolz auf mich... 
Da ich zu dieser Zeit in einer festen Beziehung war und bei meinem Freund wohnte, vermietete ich meine kleine Traumwohnung und ich muss wirklich sagen, ich hatte von Anfang an unglaubliches Glück mit jedem einzelnen Mieter der in den folgenden Jahren in meiner Wohnung wohnte. 
Einige Jahre später stellte ich bei einem meiner Besuche zufällig fest, dass die Wohnung neben meiner Wohnung noch immer leer stand. Der Immobilienmarkt war damals im Überfluss bestückt mit Wohnungen dieser Art, diese winzige Wohnung war nicht einmal mehr ausgeschrieben. Der Bauträger brauchte das Geld nicht, sie stand einfach leer. 
Ich rief die Baufirma an und fragte nach - bekam einen guten Preis und ehe ich mich versah, hatte ich auch die zweite Wohnung gekauft. 
Ohne Eigenkapital. 
Und auch hier hatte ich unglaubliches Mieterglück. Die Darlehensraten bezahlte ich von den Mieteinnahmen - zusätzlich butterte ich alles „übrige“ Geld, dass ich sparte, grundsätzlich in meine beiden Wohnungen... 
Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, bis zu meinem 40. Geburtstag schuldenfrei zu sein und dafür ackerte ich wie verrückt. 
Das war die einzig gute Sache an meiner jahrelangen „Workaholicphase“ die in einem krassen Burn out endete - aber ich habe dadurch wenigstens mein Ziel erreicht. 
An meinem 40. Geburtstag marschierte ich stolz in die Bank und mein Lieblingsbankberater hatte schon den Sekt für mich kaltgestellt. 
Zusammen überwiesen wir die Restsumme und den Kontoauszug mit der Endsumme „0“ habe ich noch heute zuhause... 
Ich schmiss eine riesige Party zu meinem 40. Geburtstag und meiner Schuldenfreiheit... 
Ich bin fast geplatzt vor Stolz zumal mich viele in meiner Jungend als „Spießerin“ betitelt hatten, weil ich all mein Geld immer in diese Wohnungen gesteckt hab anstatt es zu verprassen... 
Im Jahre 2013 wurden die Wohnungen dann zu meiner Rettung - meine ganz persönliche, heilige Höhle - meine Rückzugsinsel. 
Ich hatte eine wirklich sehr schwere Zeit hinter mir. 
Plötzlicher Tod des Verlobten - zwei Krebsdiagnosen - Burn out und meine zweite Scheidung stand bevor... 
Mit beiden Kindern zog ich in die größere der beiden Wohnungen - 1/2 Jahr später wurde dann auch die zweite Wohnung frei, weil meine Mieter ein Haus gebaut hatten. 
Ende August 2013 erfolgte der große Umbau - ich legte beide Wohnungen zusammen und es entstand eine große, sonnendurchflutete Dachwohnung mit einer kleinen Einliegerwohnung für meine damals 16jährige Tochter. 
Es wurde noch schöner, als wir uns das erwartet hatten. 
4 Jahre später erfolgte dann ein weiterer Umbau nachdem klar war, dass meine mittlerweile erwachsene Tochter endgültig ausgezogen war und auch nicht mehr beabsichtigte, zurück zu kommen. 
Ein weiteres Mal rissen wir Wände ein und gestalteten die Wohnung komplett neu. 
Wir ließen wunderschöne Einbaumöbel anfertigen - die Wohnung war perfekt - ich war glücklich und eigentlich wollte ich niemals wieder dort ausziehen... 
Ich war unglaublich stolz auf MEIN Reich... 
 
In dieser Wohnung habe ich unglaubliche Höhen - aber auch unfassbare Tiefen erlebt. 
In diesen Räumen stecken für mich mehr Erinnerungen, als an jedem anderen Ort dieser Welt. 
Mein Sohn Felix war hier sehr glücklich und ich hatte vom Küchenfenster aus stets den Spielplatz im Blick. Meine Tochter hatte hier ihr eigenes kleines Apartment mit Küche und Bad - nur mit einer Zimmertür von „Hotel Mama“ getrennt. 
Wer hat das schon mit 16 Jahren? 
In dieser Wohnung wurde sehr viel gelacht - aber auch sehr viel geweint. 
Meine Tochter wurde hier so schwer krank, dass sie fast gestorben wäre und ich verarbeitete hier meine ganzen alten Themen. 
Vor 5 Jahren zog mein „neuer“ Mann mit in diese Traumwohnung. 
Er liebte meine Wohnung vom ersten Moment an... 
Alles war perfekt... 
 
Und doch hatte ich letztes Jahr im Juni ganz urplötzlich das dringende Gefühl: „ich muss hier raus. Meine Zeit hier geht zu Ende...“ 
Mit diesem Gefühl, dass so scheinbar aus dem Nichts kam, war ich erst mal total überfordert und ich wollte es nicht. 
Ich verstand es nicht in geringster Weise - trotzdem wurde es immer dringlicher... 
Also fing ich vorsichtig an, mein Gefühl mitzuteilen - und stieß natürlich auf lauter Fragezeichen... 
Ich hatte so viel Liebe, Zeit und Geld in diese Wohnung gesteckt. 
Wir lebten hier endlich völlig schuldenfrei und jetzt wollte ich auf einmal hier weg? 
Wieder neue Schulden aufnehmen? All der Umzugsstress? Wozu? 
Niemand verstand mich - und am wenigsten verstand ich mich selbst... 
 
Rückwirkend kenne ich die Gründe - aber letztes Jahr im Juni verstand ich noch überhaupt nichts. 
Ok - mich nervten die extremen Dachschrägen und die zwei viel zu kleinen Südbalkone ohne Überdachung die im Sommer kaum zu betreten waren, weil es einfach zu heiß war. Ich fühlte mich oft wie im goldenen Käfig eingesperrt, wollte draußen sitzen und außerdem hatte ich immer das Gefühl, es wäre ganz alleine meine Wohnung und mein eigener Ehemann wäre hier nur irgendwie zu Besuch - aber war das wirklich der Grund? 
Mein unerklärlicher Wunsch umzuziehen wurde immer dringender - also überlegten wir uns, ein gemeinsames Nest zu suchen - vielleicht ein kleines Häuschen im Grünen mit Garten...? 
Und so fingen wir im Juli letzten Jahres an zu suchen - und immer, wenn wir dachten: „das ist es“ - machte uns Felix einen Strich durch die Rechnung. 
Zu klein - zu groß - zu weit weg - und wer kümmert sich eigentlich um den Garten?... 
Und irgendwann war sie dann plötzlich da - unsere Wohnung. 
Es war eine Wohnung, wie ich sie als Kind aus Kartons für meine Puppen schon gebaut hab. Eine kleine Penthauswohnung mit mehreren Balkonen und auf drei Seiten umlaufenden Terrassen und Aufzug direkt vor die Haustüre. 
Und natürlich zur Sonnenseite... 
Felix war sofort Feuer & Flamme - aber ich war skeptisch und fand ständig neue Gründe, warum es diese Wohnung bestimmt nicht ist - und dass, obwohl ich mich vom ersten Moment an hier total Zuhause gefühlt hatte. 
In Wahrheit bekam ich damals einfach Angst. 
Bis jetzt war alles eine Art „Spielerei“ gewesen und ich hoffte noch immer, dass sich mein Gefühl, aus meiner über alles geliebten Wohnung ausziehen zu „müssen“ wieder legte. 
Also sagten wir diese neue Wohnung erst mal wieder ab - doch sie war hartnäckig und kam über einige Umwege dann wieder zu uns zurück. 
Das war so faszinierend - dass wir fast schon zuschlagen „mussten“. 
Irgendwie war das einfach „unsere gemeinsame Wohnung“... 
So nahm es seinen Lauf... 
Wir kauften die neue Wohnung und boten die alte Wohnung zum Verkauf an. 
Wir waren begeistert, sahen plötzlich all die Vorteile dieser neuen Wohnung gegenüber der alten Wohnung und planten unsere Einrichtung. 
 
Felix sagte in diesen Tagen zu meinem Mann: „Du wirst in meinem neuen Zuhause eine Sonnenbrille brauchen denn da wo ich hinziehe, da ist es so bunt und hell das es Dich vor Begeisterung umhauen wird...“ 
Natürlich dachten wir alle, er spricht von seinem neuen Zimmer und den bunten LED Lichtern die er dort installieren wollte... 
 
Nur wenige Tage später und nur wenige Tage vor unserem Umzug starb Felix ganz plötzlich... 
Er zog um - in eine Welt, in der es bunt und hell ist - so wie er es voraus gesagt hatte... 
Die ersten Nächte ohne ihn waren wir noch in der alten Wohnung - ich lag eng umschlungen mit meiner Tochter im Bett meines Sohnes - ihres Bruders - während Felix Körper in einem Kühlhaus lag und seine Seele sanft und warm bei uns weilte... 
Diese ersten Tage waren fürchterlich. 
Wir saßen alle zusammen in dieser leer geräumten Wohnung voller Umzugskartons und tranken Unmengen an Tee mit Honig. 
Einen Tag vor dem Umzug feierten wir für Felix noch ein großes Lichterfest mit allen Freunden und der Familie zum Abschied - am nächsten Tag zogen wir um... 
 
Endlich wusste ich, warum all das passiert war. 
Endlich begriff ich, warum meine Zeit in dieser Wohnung vorbei war. 
Warum ich dringend hier raus „musste“. 
Denn jetzt war ich unglaublich froh... 
Jeder Millimeter der alten Wohnung riss an meiner tiefen Wunde - ich konnte es kaum ertragen dort zu sein. 
Ich fuhr nach dem Umzug bewusst mehrmals dorthin - schrie und weinte meinen Schmerz heraus bis ich keine Kraft mehr hatte. Lief von Zimmer zu Zimmer und sprach mit Felix über alles, was wir hier gemeinsam in den letzten 7 Jahren erlebt hatten. 
Ich brauchte viel Zeit, um meine Traumwohnung loszulassen / der Verkauf zog sich in die Länge... 
 
Erst jetzt konnte ich Abschied nehmen - vor wenigen Tagen habe ich meine Wohnung verkauft... 
Mir ging es richtig schlecht an diesem Tag - ich war bis zum Notartermin ein weinerliches Nervenbündel. 
Milo spürte meinen Kummer und drückte sich den ganzen Morgen eng an mich. 
Ich bekam einen unglaublichen Druck im Kopf und der Verkauf meiner rettenden vier Wände lag mir wie ein Kloß im Magen... 
Nach dem Termin wurde es leichter - die starken Kopfschmerzen hielten jedoch noch zwei Tage an... 
 
Ich habe losgelassen - den Ort, an dem mein Kind zuletzt mit mir zusammen war. 
Den Ort, an dem wir seine letzte Lebenswoche zu zweit verbracht haben. 
Den Ort, an dem wir glücklich waren, wo seine Spielsachen überall verstreut waren und der „kleine Drache Kokosnuss“ rauf und runter lief während Felix seine Eisenbahnschienen durch alle Zimmer zog... 
 
Man muss altes loslassen, um neues beginnen zu lassen. 
Auch wenn es noch so schmerzt... 
Heute fühle ich mich unendlich glücklich in unserer neuen Wohnung. Felix hat niemals körperlich hier gewohnt, aber er hat dafür gesorgt, dass wir es leicht haben und dass wir genau diese Wohnung kaufen... 
Vor dem Umzug hat er all seine alten Sachen verschenkt, verkauft oder weggeworfen. Nur eine einzige Kiste blieb übrig - und er hat ein tolles Boxspringbett für sein Zimmer bestellt, das jetzt meine Tochter bei ihren Besuchen nutzen kann. 
Er ist hier mit eingezogen - aber auf eine ganz andere Art und Weise wie wir das geplant hatten. 
Und er hat mir einen Hund zur Seite gestellt der meine Tränen erschnüffelt, bevor sie aus meinen Augen kommen. 
Ein Hund, der genau so liebevoll, zärtlich und lustig ist, wie mein Sohn es war... 
Manchmal erkennt man Dinge erst im Nachhinein - aber man sollte IMMER auf sein Gefühl, auf seinen Bauch hören - auch wenn es einem hin und wieder total „seltsam“ vorkommt. 
So manches Puzzle versteht man erst im Ganzen - wenn man es hinterher betrachtet... 
Habt einen schönen Sonntag 
Eure Sabine Sponer mit Felix im Herzen 


18.03.2020

 
„...und plötzlich fliegt Dir Dein ganzes schönes Leben um die Ohren...“
 
Diesen Satz habe ich neulich irgendwo aufgeschnappt und ich dachte mir nur: „der könnte von mir sein“ - denn genau so hat es sich angefühlt als mein Sohn im Dezember ohne Vorwarnung plötzlich gestorben ist. 
Mein perfektes Leben flog mir buchstäblich um die Ohren - während ich mich abwechselnd inmitten des tobenden Orkans befand, nur um mich dann wieder im Auge des Sturms, in absoluter und teilweise unheimlicher Stille wieder zu finden. 
Von dem ständigen Hin und Her wurde mir schwindelig und schlecht. 
Der Wechsel zwischen Ruhe und Sturm war nicht abzusehen und geschah oft so unerwartet und schnell, dass ich manchmal völlig die Orientierung verlor. 
Mein wunderschönes Leben flog mir einfach so um die Ohren... 
Ob ich nun wollte oder nicht. 
Von jetzt auf gleich war mein Kind plötzlich (körperlich) nicht mehr da, nur wenige Tage später zogen wir in unsere neue Wohnung, auf die sich Felix so unsagbar gefreut hat. 
Viele Erinnerungen sind in der alten Wohnung geblieben und es war gleichermaßen gut wie schlecht, diese „alte“ Wohnung zu verlassen. 
Rückwirkend bin ich jedoch sehr froh über diesen radikalen Schritt... 
Unser neues „Nest“ tut mir gut. 
Wir fuhren Achterbahn - wir fuhren Karussell. 
Nichts schien mehr wichtig. 
Doch das Leben ging weiter... 
Wo war nur mein so liebgewonnener Alltag geblieben? 
Er war unwiderruflich gelöscht - nicht mehr herzustellen - einfach weg. 
Mein Job als „Sohn-Mutter“ schien fristlos gekündigt - dass bereits bezahlte Kindergeld musste ich mit knapper Frist unverzüglich zurück überweisen. 
Zudem blieben plötzlich die Kunden im Fotostudio aus. Sie sagten einer nach dem anderen ihre Termine ab. 
Aus Angst - aus Rücksicht - aus Betroffenheit - und aktuell natürlich auch wegen dem Coronavirus... 
Ich war ein bisschen schockiert - erkannte dann aber schnell, dass mir dies auch große Erleichterung gebracht hat. Ich spürte, dass ich meine Energie gerade brauchte um mit all meiner Trauer und dieser neuen Lebenssituation klar zu kommen... 
Trotzdem ist es seltsam. 
Auf einmal bin ich quasi arbeitslos - im privaten & beruflichen Bereich - muss damit klarkommen, mein Kind nicht mehr versorgen und bemuttern zu können... 
Muttergefühle, die auf einmal ins Nichts zu laufen scheinen - die sich verändern und jetzt dorthin strömen, wo mein Kind nun ist. Aber das ist so verdammt ungewohnt, weil ich diesen „Ort“ so schwer „fassen“ und begreifen kann... 
Alles um mich herum hat sich so urplötzlich verändert... 
So wie die Aussicht aus den Fenstern unserer Wohnung... 
Auf einmal habe ich nur noch ganz wenige und zudem ganz andere Aufgaben. 
Ich bin unter der Woche meist alleine, mein Mann arbeitet und Felix ist nicht mehr hier, den ich morgens zur Schule wecken muss, dem ich Abendessen kochen kann und der mit mir „Kniffel“ spielt. 
Dafür muss ich jetzt regelmäßig mit dem Hund raus der so plötzlich vor 1 Woche in mein Leben gekommen ist - was für eine krasse Umstellung... 
Ich habe meinen Alltag wirklich geliebt. 
Unter der Woche war ich ausschließlich Mutter, diese Zeit gehörte alleine meinem Sohn. Wir pflegten unsere liebgewonnenen Rituale die ich nun zum Teil versuche, alleine beizubehalten. 
Ich weiß, dass dies Quatsch ist. 
Mutter-Sohn Rituale kann man nicht alleine weiter pflegen, trotzdem halte ich noch manchmal an denen fest, die uns besonders wichtig waren. 
Von anderen habe ich mich verabschiedet und mir neue Rituale gesucht wie z.B. die letzte „Gassi-Runde“ vor dem schlafen gehen... 
Wenn einem plötzlich sein schönes Leben um die Ohren fliegt, dann hilft es wohl nur, Ruhe zu bewahren und die Situation zu akzeptieren. 
Ich versuche, die schönen Dinge zu sehen und seit 700 Tagen schon pflege ich einen Dankbarkeitspost indem ich mich an jedem einzelnen Tag frage, für was ich heute dankbar bin. 
Ich bin sehr froh und dankbar für diese Idee mit dem Dankbarkeitspost - die fast 600 Tage VOR meinem Supergau entstanden ist... 
An manchen Tagen suche ich nach den Freuden im Leben. Nach den schönen Dingen, für die ich besonders dankbar sein darf. 
Ich laufe mit Milo sehr achtsam durch die Natur und es kommt mir vor, als würde ich jedes Vogelgezwitscher viel intensiver wahrnehmen als früher. Es kommt mir vor, als würde so manche Biene nur für mich summen und manche Blume nur für mich blühen. 
Bei diesem Gefühl spüre ich Freude in mir - und meist finde ich kurz danach irgendwo eine kleine Feder die ich als liebevolles Zeichen von Felix verstehe. Spätestens dann fühle ich mich wieder wohler in meinem neuen Leben, in dem ich wirklich noch oft ein paar Anpassungsschwierigkeiten habe... 
Gestern habe ich wieder eine wunderschöne, große Feder auf einem Parkplatz gefunden nachdem ich auf dem Friedhof war. 
Milo blieb plötzlich stehen, schaute nach rechts und da lag diese Feder. 
Sie hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und mich innerlich wieder ruhig und geduldsam mit mir selbst werden lassen... 
Danke für diese wunderschöne Feder... 
Danke Anna & Michelle für die schöne Kerze für Felix Grab und auch für den tollen Schmetterling. 
Danke „Korbi“ - bester „Bro“ von meinem Sohn für all die schönen Erinnerungen die Du von Deiner Reise mitgebracht hast und die ebenfalls einen Platz auf Felix Grab gefunden haben. 
Von en Danke 
Sabine Sponer mit Felix im Herzen 


11.03.2020

 
100 Tage ohne Dich...
Ein weiteres Etappenziel ist geschafft... 
Wenn einem der eigene, größtmögliche Supergau passiert, dann hangelt man sich im Anschluss von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche... 
In der ersten Zeit war es so, dass ich jeden Montag immer ganz genau wusste, wie viele Tage und Wochen es nun sind. Wie lange „es“ jetzt her ist. 
Jeden Montagmorgen wachte ich mit diesem flauen Gefühl in mir auf: 
„Jetzt bist Du schon 10 Tage fort, jetzt sind es 3 Wochen - jetzt 4...“ 
Und am Abend konnte ich erst dann einschlafen, wenn die Todesstunde - irgendwann zwischen 22.30 und 23.30 Uhr - vorbei war. 
Meine Gedanken waren jeden Montag bei dem Tag, an dem mein Sohn die Seiten gewechselt hat. 
Immer wieder spulte mein Verstand die Bilder jener tragischen Nacht ab. 
Am Dienstag dann ein ähnliches Spiel. „Heute vor 8 Tagen hielt ich Deinen Körper zum letzten Mal im Arm, heute vor 2 Wochen küsste ich zum allerletzten Mal Deinen wunderschönen, bereits eiskalten Mund, heute vor 7 Wochen brach es mir fast mein blutendes Mutterherz als ich Euch, meine beiden Kinder, eng aneinander geschmiegt im Bett liegen sah. Eines tot und eines lebendig. 
Die große Schwester mit ihrem kleinen Bruder im Arm, die Augen geschlossen und das Lieblingslied der beiden „flog“ leise und zart durch den Raum während neben dem Bett eine dicke Kerze flackerte und der Bestatter ein paar km von uns entfernt seinen Motor startete um den Körper von unserem lieben Felix abzuholen. 
 
Nach einiger Zeit war das dann plötzlich vorbei. 
Ohne es bewusst zu steuern, hörte ich auf die Wochen zu zählen und das Etappenziel „100 Tage“ weiß ich heute auch nur, weil ich es mir irgendwann ganz am Anfang in meinen Kalender geschrieben hab - als Ziel... 
Meine Montage und Dienstage wurden wieder „normal“ und die Zeit scheint mir eh immer unwichtiger zu werden denn ich weiß meist nicht mal mehr, welchen Wochentag oder welches Datum wir gerade haben. 
So viele Dinge in meinem Leben sind unwichtig geworden... 
Welch ein Segen... 
 
Wie geht es mir jetzt? 
Nach 100 Tagen ohne mein geliebtes Kind an meiner Seite? 
Ganz ehrlich? 
Ich habe gelernt Achterbahn zu fahren, aber mir wird bei den Höhen und Tiefen nicht mehr schlecht. 
Die Höhen werden wieder mehr und es geht mir erstaunlicherweise überraschend gut... 
Diesen „guten Allgemeinzustand“ habe ich mir selbst, meiner Arbeit an mir - und vor allem aber meinem Sohn Felix zu verdanken. 
Er ist mein größter Lehrer. 
Zu Lebzeiten - wie auch jetzt... 
Und auch den wundervollen Menschen in meinem Umfeld habe ich viel zu verdanken. Menschen in ganz Deutschland und auf der ganzen Welt haben für uns gebetet. In jedem Land in dem wir in den letzten Jahren waren, und in denen wir total nette Bekanntschaften gemacht haben, haben unsere Freunde Kerzen entzündet, an uns gedacht, für uns gebetet... 
Felix hat es geschafft, 4 Tage nach seinem Tod, am Tag seiner Einäscherung - an dem wir ein großes Lichterfest für ihn gefeiert haben - ein Netz aus Flammen um diese Erde zu spannen. Wir selbst haben ein großes Feuer für ihn entzündet und als wir gemeinsam seinen „Zündelstecken“ (ein kleiner Holzstock mit dem er immer in jedem Feuer herumgestochert hat) ins Feuer legten - ist ein Foto entstanden, auf dem wir Felix in den Flammen erkennen können. 
Es sieht aus, als würde er in den Flammen tanzen - in seinen Lieblingsklamotten - graue Jogginghose & rotes Shirt. 
Man braucht vielleicht ein bisschen Fantasie - für uns jedoch ist er sehr gut zu erkennen. Er hat sich uns in den Flammen gezeigt was uns alle sehr glücklich gemacht hat... 
 
Aufgrund meiner Erfahrungen und meiner medialen Ausbildung ist es mir relativ schnell gelungen, diesen Schicksalsschlag zu akzeptieren. Den (ersten) Schmerz darüber habe ich voll gelebt, so gut ich eben konnte. Natürlich ist mir bewusst, dass ein Restschmerz für immer bleiben wird. Er wird mich von nun an begleiten - er gehört jetzt zu mir. 
Trotzdem fange ich langsam wieder an, das Leben zu genießen. Da ich nicht weiß, wie lange ich noch hier sein werde, möchte ich es so schön wie nur irgendwie möglich haben und nicht von nun an nur noch leidvoll die Tage zählen bis zu meinem eigenen Tod. 
Das ist gelebte Selbstliebe und Felix hilft mir dabei so gut es ihm von der anderen Seite aus möglich ist. Immer wieder schickt er mir liebevolle Zeichen und ich spüre seine Energie sehr deutlich, wenn er sich mir nähert. 
Seine tiefe Liebe umspült und ummantelt mich, sie tröstet mich und gibt mir Halt. 
Im Grunde sind wir jetzt noch viel enger miteinander verbunden als zu Lebzeiten, denn jetzt habe ich ihn immer bei mir - nicht nur bei körperlichen Anwesenheit... 
Wie das geht ihn zu spüren? 
In erster Linie muss man innehalten und ganz still werden, um die Energien seiner Verstorbenen fühlen zu können. 
Wer sich ablenkt, verdrängt oder „abdichtet“ (Tabletten, Alkohol, Nikotin etc.), wird diese Energie leider nicht fühlen können... 
Ich bin viel in der Natur unterwegs und in meiner Wohnung gibt es im Normalfall keinerlei Dauerberieselung in Form von TV, Radio und Co. 
Das hilft mir, in Kontakt zu bleiben. 
Ich setze mich bewusst in die Stille, beobachte nur meinen Atem und warte, bis sich das Gedankenkarussell immer langsamer dreht. Dann bitte ich Felix näher zu kommen, noch näher und noch näher und seine Energie ist für mich mittlerweile sehr deutlich spürbar. 
Es braucht ein bisschen Übung und in den ersten Wochen ist mir das nicht wirklich gut gelungen, weil mein tiefer Schmerz und der Schock mich eng umhüllt haben und dieser Zustand verhindert hat, dass ich meinen Sohn wirklich spüren konnte. Aber ich habe nicht aufgegeben und unsere Verbindung stärkt sich nun mit jedem Tag. 
Ein paar Tage vor seinem Tod hat er mir in einem Gedicht geschrieben, das unsere Verbindung niemals aufhören wird, egal was passiert. 
Und er hat recht behalten... 
Meinem Schatz geht es gut - absolut fantastisch - und es gibt keinen Grund, dass es nicht auch mir wieder gut gehen darf. 
Ich vermisse Felix unendlich, all das körperliche fehlt mir einfach sehr, weil wir wahnsinnig viel gekuschelt haben - aber ich weiß, dass wir uns wiedersehen werden - und dann wird die Zeit von jetzt bis zu meinem eigenen Tod - aufgehoben und völlig unwichtig sein. 
In diesem Augenblick wird es diese Zeit nicht mehr geben. 
Ich vermisse es jeden Tag aufs Neue, meinen Sohn jeden Morgen fest in den Arm zu nehmen, ihn noch schlafwarm an mich zu drücken und zu küssen. 
Ich vermisse es, am Nachmittag seinen Schlüssel im Schloss und das fröhliche „Hallo Mama“ direkt im Anschluss zu hören, wenn er von der Schule kommt, und ich vermisse unendlich unsere intensiven Mutter-Sohn-Abende die wir mit Gesellschaftsspielen, Filmabenden oder Meditationen verbracht haben. 
So oft hat mir Felix mit leuchtenden Augen vom Himmel und vom Universum erzählt. Von kuriosen Orten die er während seiner Meditationen besucht hat - nun ist er dort, aber gleichzeitig auch hier- und ich muss mich daran gewöhnen und damit klarkommen, ohne seine körperliche Anwesenheit zu sein. 
Neulich Abend hat er mir wieder „TV Streiche“ gespielt. Das tut er öfter mal. Der Fernseher geht alleine an oder aus. Der Ton geht weg - das Bild bleibt. Das Bild geht weg - der Ton bleibt oder das Bild verzerrt sich plötzlich und dann geht auch noch das Licht im Raum aus... 
Er ist humorvoll frech wie eh und je - und ich muss über ihn lachen wie eh und je... 
Die Zeichen die er uns allen schickt sind teilweise wirklich so lustig das wir alle nicht anders können als zu lachen. Diese Zeichen sind so typisch Felix - sie können einfach nur von ihm sein. 
Vor ein paar Tagen z.B. saß auf einmal Rassekatze, eine „heilige Birma“, vor uns. Mitten in der Großstadt. Diese Sorte von Katze findet man wirklich sehr selten „draußen“ - sie werden meist ausschließlich als reine Wohnungskatzen gehalten. Wir selbst haben zwei „heilige Birma“ Katzen in der Wohnung und Felix hat die beiden über alles geliebt. Sie waren sogar auf seinem Sterbebild mit dabei... Und dann sitzt da plötzlich dieses „Birmchen“ vor uns und kuckt uns intensiv an. Auf einmal stand sie auf, drehte sich um und legte sich auf die andere Seite und was präsentierte sie uns? 
Rosarotes Fell! 
Ich bin fast umgekippt vor Lachen und auch die Menschen um mich herum mit denen ich gerade im Gespräch war, brachen in schallendes Gelächter aus denn jeder der mich kennt weiß, dass ich einen totalen „Rosatick“ habe. 
 
Das sind diese Zeichen, die wir von unseren Verstorbenen bekommen - und sie haben einen Heidenspaß daran, sie uns zu schicken. 
Felix Energie vibrierte als würde er lachen. Es war so ein schönes Gefühl... 
 
Seid offen und achtsam - und Ihr werdet die Zeichen entdecken. 
Ich erkenne erst jetzt, rückwirkend, die Zeichen und Botschaften, die mir früher verstorbene bereits in meiner Vergangenheit geschickt haben. Ich habe sie damals als „Zufälle“ abgetan und nicht ernst genommen. Ich ließ mich so von meiner Trauer vereinnahmen, dass ich sie nicht wahrnehmen konnte. 
Aber: 
Diese Zeichen sind da. Unsere lieben Verstorbenen sind bei uns. Immer. 
Der Tod ist nur eine Illusion - es gibt ihn gar nicht. Er ist nur eine Türe in eine andere, absolut fantastische Welt... 
Wir verlassen nur unsere körperliche Hülle - das ist alles... 
Von Herzen 
Eure Sabine Sponer 


10.03.2020

 

Darf ich vorstellen?
Das ist Milo. 
...der neue Mann an meiner Seite... 
Seit heute unser Hund. 
Eigentlich wollte ich nie einen Hund !!! 
Warum ich trotzdem plötzlich einen habe? 
Tja - weil man Gefühle einfach nicht steuern und schon gleich gar nicht abstellen kann. 
Außerdem bin ich überzeugt davon, dass Felix hier ganz kräftig seine „Finger im Spiel“ hatte. 
Ich sollte wohl nicht mehr so viel alleine sein - ich sollte wohl wieder einen Buben haben... 
Milo kam durch viele kuriose „Zufälle“ zu uns... 
Es fing damit an, dass unsere besten Freunde sich einen zweiten Hund anschaffen wollten. 
Wochenlang war das Thema - aber es blieb ihr Thema - nicht unseres... 
Trotzdem habe ich gespürt, wie begeistert mein Mann war. 
Er hat seit 16 1/2 Jahren einen Hund und er ist ein richtiger Hundeflüsterer. 
Paul war in den letzten Jahren sehr oft bei uns und teilweise ist er auch alleine bei mir und Felix geblieben, wenn mein Mann für längere Zeit arbeiten war. Ich weiß also, wie es ist, zumindest zeitweise, einen Hund zu „haben“. 
Trotzdem wollte ich nie einen eigenen... 
Felix hat Paul sehr geliebt. Er war sein Freund und er kuschelte mit ihm am Boden herum, ging ohne Murren mit ihm Gassi, machte lustige Faxen mit dem Tier und sein Standardspruch lautete: „nur Paul weiß wahre Freundschaft zu schätzen...“ 
Paul ist mittlerweile in eine Art „Senioren-WG“ gezogen. Mein Mann hat ihn unter der Woche immer öfter mit zu seinen Eltern genommen und irgendwann hat ihn die Mutter dann nicht mehr „herausgerückt“ . Paul ist dort total glücklich, zwei liebe Menschen die rund um die Uhr für ihn da sind, er hat einen großen Garten zur Verfügung und die drei älteren Herrschaften tun sich gegenseitig einfach nur gut. Außerdem war die 3stündige Autofahrt zwischen unserem Zuhause und der Arbeitsstätte meines Mannes auch einfach irgendwann viel zu anstrengend für den Hunde-Opa. 
 
Vor einiger Zeit nahmen uns dann unsere Freunde mit ins Tierheim das auf dem Rückweg von einem unserer Wochenendausflüge lag. 
Dort hatten sie sich einen Hund zum Gassi gehen reserviert und irgendwie kam es, dass auch wir plötzlich, den besten Kumpel von diesem Hund, an der Leine hatten. 
Na ja, macht ja auch Sinn das vier Erwachsene Menschen halt dann zwei Hunde mitnehmen statt nur einen. 
Die Tiere brauchen ja alle Bewegung. 
Wir traten also mit unseren „Gassigeherkarten“ aus dem Gebäude und da stand bereits der Tierpfleger mit „dem Hund“ bereit. 
Milo sah mich an - ich sah Milo an und bääämmmm. 
Ich wusste in dem Moment noch gar nicht, das dies DER Hund ist, den wir zum Spaziergang mitnehmen sollten - schließlich waren ja noch mehr „Gassigänger“ da aber dieser Hund schlüpfte schneller in mein Herz als ich reagieren konnte. 
Er kam langsam auf mich zu, machte Männchen, stützte seine Pfoten ganz zart an mich und sah mich an. Ich war erstaunt, überfordert, überrascht - da drückte er seinen Kopf an meine Beine und stand dort ganz still. Ein magischer Moment - Liebe auf den ersten Blick. 
Bei der Verabschiedung später dann das gleiche Spiel. Dieses Mal ging er überhaupt nicht mehr von mir weg. Minutenlang standen wir so und als der Tierpfleger ihm sagte, dass er nun mitkommen solle, warf er ihm einen absolut herzzerreißenden Blick zu. So, als wolle er ihn darum bitte, bei mir bleiben zu dürfen. Er drückte sich fest an meine Beine und schloss die Augen. 
Wow - so etwas hatte ich noch nie erlebt. Das war ein absolut unbeschreiblicher Moment... 
Ich war völlig durcheinander - ich wollte keinen Hund... 
Durch einen Hund ist man total gebunden - ein Hund bellt, stinkt und zwingt einen vor die Haustüre obwohl man keine Lust hat. Mit einem Hund wird alles kompliziert. Man darf nicht mit ihm in den Supermarkt, man muss ihn erziehen und überhaupt, wie soll das gehen in einer Wohnung ohne Garten? Noch dazu ist dieser Hund noch nicht mal stubenrein und kommt aus dem Tierschutz - gerettet aus einem Tierheim in Rumänien mit Tötungsstation - wer weiß, welche „Macken“ er hat? 
 
Als wir ins Auto stiegen fragte ich Felix und bat ihn um ein Zeichen falls dies UNSER Hund ist... 
Im selben Moment begann Felix Lieblingslied im Radio zu spielen und als ich die ersten Takte erkannte liefen mir schon die Tränen... 
Ich erkannte: ich habe eh keine Chance - mein Herz schlug bereits für dieses Hundchen - ich konnte nichts tun... 
Wir führten lange Gespräche - Vorteile / Nachteile... 
Dieser Hund war so komplett anders als ich ihn mir ausgesucht hätte... 
Hätte ich einen Hund gewollt, ich hätte einen hellen Hund ausgewählt, aus einer seriösen Zucht einer Rasse, die ich genau für unsere Bedürfnisse und Wünsche ausgesucht hätte. Ich hätte einen winzigen Hund genommen - ein Mädchen... 
Milo ist genau das Gegenteil... 
Um ihn kennenzulernen, gingen wir mit ihm Gassi - immer wieder... 
Die Strecke nach Landsberg können wir mittlerweile im Schlaf fahren. 
Und bei jedem Spaziergang geschah etwas, was uns wissen ließ - Felix ist mit dabei... 
Einmal trat Milo auf einen wunderschönen herzförmigen Stein - ein anderes Mal schneite es plötzlich extrem dicke Schneeflocken und beim nächsten Mal hing an einem Baum mitten im Wald ein Schild mit dem Buchstaben: „F“. 
Wir haben uns in diesen „Gassi-Wochen“ kennengelernt. Milo ist ein zauberhaftes, ruhiges und sehr duldsames Tier - wir sind total fasziniert von seiner Art... 
Er hatte sehr viele Bewerbungen und eigentlich werden die Tiere dort nur an Personen aus dem eigenen Landkreis vermittelt - trotzdem war er noch da als wir kamen - so als hätte er genau auf uns gewartet... 
Irgendwann stand dann die Entscheidung an und ich konnte nichts anderes tun, als aus vollem Herzen JA zu diesem Hund zu sagen. 
Ich habe sehr gemischte Gefühle deswegen - aber die Liebe in mir überwiegt eindeutig... 
Manchmal verliebt man sich einfach - ob man will oder nicht... 
Das gilt für Menschen, aber auch für Tiere... 
Danke für diese tolle Fügung die uns zu genau diesem Tier geführt hat. Mittlerweile glaube ich wirklich, dass er mir gut tun wird... 


06.03.2020

 „Trauer macht einsam“ - warum ein Perspektivenwechsel das ändern kann. 

 
„Seit wir trauern verabschieden sich immer mehr Menschen aus unserem Leben“. „Früher war unser Haus voller Lachen, jedes Wochenende haben wir mit Freunden gegrillt. Heute kommt keiner mehr, wir vereinsamen immer mehr“. 
„Ist es denn wirklich so schwer, einem Menschen in Trauer beizustehen? Ich verstehe das nicht und es macht mich wütend und traurig zugleich...“ 
 
Solche und ähnliche Sätze lese und höre ich in letzter Zeit immer wieder und ja, auch ich habe ähnliche Erfahrungen in diesem Gebiet gesammelt. 
Zum Glück wirklich nur ganz wenige - gerade mal so viel, dass es gereicht hat, mir darüber Gedanken zu machen und meine Neugierde auf das was dahintersteckt, zu wecken... 
 
Aber ich stelle fest, andere Menschen machen diese frustrierenden Erfahrungen offenbar sehr gehäuft und dieses Thema ist nun einmal etwas, was uns trauernde Menschen in unserer eh schon schwierigen Situation noch zusätzlich ganz schön belasten kann und was wirklich richtig schmerzt. 
Und das letzte was wir jetzt brauchen, ist dieser zusätzliche Schmerz der uns so völlig unnötig erscheint. 
Es heißt ja immer so schön: „erst in Krisensituationen zeigen sich die wahren Freundschaften“, und das stimmt auch einerseits - andererseits aber auch wieder nicht, weil dieser Satz eine große Erwartungshaltung mit sich bringt und in meinen Augen somit dann nichts mehr mit bedingungsloser Freundschaft zu tun hat. 
So eine Krisensituation ist tatsächlich ein guter Zeitpunkt um zu selektieren. Zeit, sich die Frage zu stellen: „wie wichtig ist mir diese oder jene Freundschaft? Lasse ich sie ziehen oder kämpfe ich darum?“ „Löse ich die Spannung zwischen uns oder ziehe ich mich lieber beleidigt und anklagend zurück?“ 
Anders verhält es sich mit den eher lockeren Freundschaften - diejenigen, um beim Beispiel oben zu bleiben, die fast jedes Wochenende zum Grillen vorbeigekommen sind. Diejenigen, mit denen man keine tiefen Gespräche hatte, sondern einfach nur den Spaß am Leben genossen hat. 
Solche Menschen verschwinden manchmal einfach, und es ist, als wären sie nie da gewesen. 
Es heißt immer, ein wahrer Freund ist immer für Dich da. Er fängt Dich auf und er ist selbstverständlich auch da, wenn es Dir schlecht geht. 
Was aber, wenn dieser Freund es einfach nicht schafft, über seinen Schatten zu springen? Wenn ihn die eigene, nackte Angst packt? Wenn ihn Dein Trauerfall so sehr triggert, dass er an ein eigenes Thema erinnert wird und plötzlich seine eigenen Schmerzen an die Oberfläche gespült werden? Wenn er so sehr mit Dir leidet, dass auch er ein kleines bisschen durch die Hölle geht? Ist er dann kein guter Freund mehr? Nur weil er Angst hat? Ist es fair, diesem Menschen dann beleidigt die Freundschaft zu kündigen? Weil er sich nicht für Dich verbiegt aus Angst? 
Ich habe ein paar solcher Fälle erlebt... 
Manche haben mir offen und ehrlich geschrieben, andere habe ich erst direkt nach den Gründen ihres Rückzuges fragen müssen. 
Ein paar Beispiele: 
 
„Sabine, dass was Euch passiert ist, beschäftigt mich so sehr, ich kann an nichts mehr anderes denken. Ich brauche Abstand, es nimmt mich einfach zu sehr mit...“ 
„Ach Sabinchen, so gerne wäre ich für Dich da. Aber der ganze Wirbel um Euch herum macht mir so eine scheiß Angst und erinnert mich daran, dass jedem von uns in jedem Augenblick so etwas passieren kann. Das zieht mich einfach total runter und das will ich nicht...“ 
„Sabine, ich bin in Gedanken bei Dir. Mehr ist mir im Moment nicht möglich. Aber ich bin da, wenn Du mich brauchst. Meldest Dich halt dann einfach...“ 
 
Diese und ähnliche Reaktionen von Freunden und Bekannten sind normal und erreichen wohl jeden, der ein schlimmes Schicksal erlebt hat. 
Der Satz: „ich bin immer für Dich da, wenn Du mich brauchst“ kommt wirklich auffallend oft und meist ist er auch von Herzen und ehrlich gemeint. 
Ich danke jedem einzelnen dafür... 
Aber: 
Um sich selbst nicht mit dem großen Tabuthema „Tod“ auseinanderzusetzen zu müssen, wird dieser Satz leider bei dem ein oder anderen zur „Floskel“ um eine Art „Ausrede“ zu haben - vor allem für sich selbst !!! („Ich habe ihr doch meine Hilfe angeboten, wenn sie diese nicht will, dann ist sie doch selbst schuld...“). 
 
Der Trauernde wird zum Bittsteller gemacht - dass ist aber leider etwas, was wohl fast jedem Menschen in tiefer Trauer nicht mehr gelingt. 
Um Hilfe zu bitten erfordert unglaublich viel Mut und Kraft. Sich zu seiner angeblichen „Schwäche“ zu bekennen, macht noch verletzlicher als man eh schon ist. Es kostet viel Energie, um Hilfe zu bitten. Und woher soll man diese noch nehmen, wenn allein die Trauerarbeit einen schon energetisch aussaugt wie eine Zecke? Wenn man in tiefer Traurigkeit zu versinken droht - aber dennoch im Alltag funktionieren muss? 
Dieser Satz ist bildlich gesehen so, als würde man bis zum Hals im Sumpf stecken. In einem stinkenden glitschigen Morast der einen immer tiefer nach unten zieht und verzweifelt würde man sich nach einer helfenden Hand umsehen. Und dann steht da ein Freund, verschränkt die Arme hinter dem Rücken und streckt nicht die Hand hin, sondern verlangt erst mal: „Du musst mich schon erst darum bitten - dann bin ich für Dich da. Aber ohne Dein Zutun möchte ich Dir meine Hand nicht geben...“ 
So in etwa kommt dieses: „ich bin für Dich da, wenn Du mich brauchst, melde Dich einfach“ bei vielen von uns trauernden Menschen an - zumindest, wenn es nur als Floskel benutzt wird und nicht wirklich ehrlich gemeint ist. 
 
Das soll kein Vorwurf sein und ich möchte das auch auf keinen Fall verallgemeinern denn natürlich gibt es auch die Menschen, die ganz einfach total hilflos sind. Die so gerne helfen möchten aber einfach nicht wissen wie. Diejenigen signalisieren mit diesem Satz einfach nur ihre liebevolle Hilfsbereitschaft - aber ich denke, man fühlt schon ziemlich genau welche Hilfsangebote wirklich ehrlich gemeint sind und welche nur so dahingesagt werden. 
Dieser verhängnisvolle Satz kann aber auch als eine Art „Freibrief“ eingesetzt werden so nach dem Motto: „ich habe meine Hilfe angeboten, jetzt bin ich raus...“ 
Das ist dann ein bisschen so, als würde man sich freikaufen von seinen „Freundschaftspflichten“. Bei Vorwürfen hat man dann das Ass im Ärmel: „ich weiß gar nicht was Du hast. Ich habe Dir doch meine Hilfe angeboten, Du wolltest sie offensichtlich nicht denn Du hast Dich nicht gemeldet, also dachte ich mir, ich lass Dich lieber mal in Ruhe...“ 
Es gibt so unglaublich viele Gründe, warum sich Freunde - Bekannte - Verwandte und Nachbarn von trauernden Menschen zurückziehen. Doch hinter jedem einzelnen Grund steckt halt einfach nur immer wieder die Angst. 
Deshalb kann ein Perspektivenwechsel helfen zu verstehen, warum die Menschen so reagieren. Warum sich Freunde zurückziehen, warum man sich in seiner Trauer nach einer gewissen Zeit manchmal allein gelassen und einsam fühlt. Man sollte sich immer - bei jedem einzelnen Lebensthema - beide Seiten der Medaille ansehen. 
Wie bereits erwähnt habe ich zum Glück nur ein paar wenige erlebt, die so reagiert haben, ein Fall jedoch hat mich wirklich beschäftigt, weil ich es, gerade bei dieser Person, so absolut nicht erwartet hätte. Eine früher wirklich enge Freundin hat sich aufgrund des Todes meines Sohnes regelrecht in ein Schneckenhaus zurückgezogen. Sie meldete sich kein einziges Mal bei mir und erst nach mehrmaligem Nachfragen meinerseits schrieb sie mir, dass sie mit diesem Schicksal nicht umgehen kann. Als ich sie Wochen später zufällig beim Einkaufen traf, lief sie fast vor mir davon. Weil ich das aber nicht zuließ, ließ sie sich auf ein unbedeutendes „Small Talk“ Gespräch ein und musste dann aber recht schnell „wegen einem dringenden Termin“ weg. Sie ließ mich einfach stehen und ich war unglaublich enttäuscht, verletzt und vor den Kopf gestoßen. Ihre Reaktion auf mich konnte ich einfach nicht nachvollziehen. Wir waren doch einmal so dick befreundet, gerade bei dieser Person hätte ich noch vor ganz kurzer Zeit geschworen das sie mich niemals im Stich lassen würde. 
Aber diese Begegnung hat mich auch komplett umdenken lassen und so kam ich immer mehr ins Verständnis, warum viele Menschen so reagieren. 
Ich habe versucht, mich in ihre Lage zu versetzen, hab versucht zu ergründen, was sie gefühlt hat, als sie mich neulich traf. 
Und alles was ich fühlte war pure Angst. 
Auch bei anderen Menschen habe ich es so gemacht. Leute, die die Straßenseite gewechselt haben, wenn sie mich sahen, die plötzlich sehr geschäftig in ihren Taschen gekramt haben um mich „nicht zu sehen“. 
In einer Kleinstadt ist es sehr einfach, draußen quasi immer irgendein bekanntes Gesicht zu treffen, und so hatte ich viel Zeit mich in diejenigen hinein zu fühlen, die versuchten, mir aus dem Weg zu gehen - auch solche, die mir eigentlich ganz nette Karten geschrieben, und ihre Hilfe angeboten haben. Aber egal wen ich traf oder irgendwo sah, auch diejenigen die mir nicht aus dem Weg gingen - ich fühlte immer das gleiche. 
Angst, Unsicherheit, Verlegenheit... 
Unangenehme Gefühle, die man lieber „umschifft“, wenn man irgendwie kann. 
Auch wenn ich ganz anders bin, fühle und denke: 
Mittlerweile verstehe ich das. 
Ich verstehe, warum sich die Menschen lieber zurückziehen. Für einen Trauernden da zu sein, kann eigene Wunden aufreißen, es macht Angst, es kann weh tun, es macht einfach überhaupt keinen Spaß. 
Dazu kommt die ständige Angst, sich „falsch“ zu verhalten denn viele Menschen in Trauer sind hochsensibel und manche nehmen anderen viel Unüberlegtes richtig übel. Oft höre und lese ich in Trauergruppen anklagende Sätze wie: 
„meine Freunde tun einfach, als wäre alles wie immer“ - „neulich wurde mir doch tatsächlich gesagt, jetzt wäre es doch endlich mal an der Zeit das ich wieder lache. Schließlich wäre „ES“ ja jetzt schon über 1 Jahr her“ - „meine Freunde schicken mir lustige Sprüche und Bilder per WhatsApp als wäre alles wie immer. Geht’s eigentlich noch?“ 
Dieses sensible Denken macht es denjenigen, die „da“ sein wollen natürlich nicht einfacher. Und auch, wenn die Gefühle zu solchen Reaktionen von den Trauernden meist nicht direkt ausgesprochen werden, so kommen sie doch auf einem anderen Weg beim „Absender“ an und so ziehen sich die Menschen lieber zurück als sich damit auseinanderzusetzen. 
Das ist eine völlig natürliche und normale Reaktion. 
Und so bekommt der Mensch in Trauer immer mehr das Gefühl, alleine gelassen zu werden. Er begibt sich in eine Opferrolle („niemand liebt mich“) und wird dadurch dann immer einsamer. Er klagt die anderen an („jetzt wo ich Euch brauche seid Ihr nicht da“) und er gibt den anderen zu 100 % die Schuld („ICH bin die (oder der) jenige, der diesen Schmerz aushalten muss, meine Umwelt sollte sich um mich kümmern). 
Und so entsteht dann dieser Kreislauf der in totaler Einsamkeit enden kann. 
Die Freunde ziehen sich aus Angst und Unsicherheit zurück denn egal wie sie sich verhalten, es scheint immer irgendwie falsch zu sein. 
Wer aus diesem Muster aussteigen möchte, dem kann ich nur einen Perspektivenwechsel empfehlen. Versetze Dich in die Lage des anderen und vor allem, lasse Deine Erwartungshaltung los. 
Eine wirklich gute Freundschaft sollte bedingungslos sein, und wenn Du spürst, dass Dein guter Freund Angst vor Deiner Trauer hat, dann sollte das respektiert - aber nicht angeklagt werden. Beziehungen, die an Bedingungen geknüpft sind, sind nicht frei und authentisch. Das gilt für die Liebe, genauso wie für Freundschaften. 
Sei offen für andere. Ich habe festgestellt, je offener ich mit der Sache umgehe, desto offener gehen auch die anderen mit mir um. 
Das, was Du aussendest, kommt immer zu Dir zurück... 
Ich beziehe meinen verstorbenen Sohn mit in meine Gespräche mit anderen mit ein. Ich vermeide es nicht, über diesen Schicksalsschlag zu sprechen. Und wenn ich deswegen bei einem Small Talk mitten im Supermarkt in Tränen ausbreche, ja dann ist das halt so. 
Weinen ist wie lachen - nur anders herum... 
Und wenn ich wirklich so denke und das lebe, hinter meinen Gefühlen stehe, dann ist es auch für meine Mitmenschen nicht unangenehm, weil ich aussende, dass trotz meiner Tränen alles ok ist. 
Natürlich muss ich dazu ehrlich hinter meinen Gefühlen stehen - sonst wird so eine Situation schnell für beide Seiten sehr unangenehm. 
Ich versuche einfach, immer ehrlich, vor allem zu mir selbst zu sein. 
Wenn mir etwas zu viel wird, dann ziehe ich mich raus. Ich achte auf mich - und durch meine eigene, ehrliche Achtsamkeit fühlen sich die Menschen auch nicht mehr unwohl, wenn sie mich treffen. 
Es hat eine Weile gedauert bis es so war. Mir fiel einfach irgendwann auf, dass mich das zurückweisende Verhalten mancher Menschen sehr verletzt und verunsichert. Also habe ich begonnen zu hinterfragen, warum das so ist und was dahintersteckt. Diese alten, (meine) Ängste habe ich dann bewusst zugelassen und „abgefühlt“. Das war beängstigend, das war unbequem und tat weh. Aber es hat geholfen. Meine Ausstrahlung hat sich verändert und ich ziehe wundervolle Dinge in mein Leben. 
Mittlerweile ist es so, dass die Leute auf mich zukommen und mich neugierig ganz direkt auf den Tod meines Sohnes ansprechen. Das finde ich mutig und wirklich toll. Und ob ich gerade darüber sprechen möchte oder nicht, bleibt mir ja selbst überlassen. 
Selbst nach 3 Monaten bekomme ich noch immer hin und wieder eine Karte, ein kleines, tröstendes Geschenk und unglaublich viele aufbauende Worte zugesandt. 
Das tut so unglaublich gut... 
Ich bin sehr froh, dass ich mich meiner Umwelt gegenüber nicht verschlossen und in mich und meine Trauer zurückgezogen habe. 
Und den Menschen, die sich gerade komplett aus meinem Leben verabschiedet haben, weil sie aus Angst lieber nicht mehr mit mir befreundet sein wollen, denen schicke ich ganz viele Sonnenstrahlen in ihre Herzen - das hat mein Felix nämlich auch immer so gemacht - und wenn sie irgendwann den Weg wieder zu mir zurückfinden wollen, dann dürfen sie das gerne tun. 
Meine Türen stehen offen... 
Mit herzlichen Grüßen 
Sabine Sponer mit Felix im Herzen 


02.03.2020

„Lieben was ist...“
Teil 2 
Meine Worte gestern endeten mit der großen Frage: „wie soll ich es schaffen den Umstand, dass mein Sohn mit nur 13 Jahren einfach so gestorben ist, zu lieben oder zumindest die Vorstufe davon, die Akzeptanz, zu erreichen? 
Zunächst einmal möchte ich weiter erzählen was passiert ist nachdem ich mich von meinem persönlichen „Lebens-Nullpunkt“ aufgerappelt und nach langer Arbeit an mir selbst wieder erholt hatte - und mich somit auf einmal auf meiner absoluten Glückswelle befand... 
Nach ungefähr 5 Jahren, in denen ich glückselig auf dieser absoluten Liebes- und Glückswelle herum „gesurft“ bin, kamen auf einmal Zweifel in mir auf. 
Ich spürte eine Veränderung anrollen und ich bekam Angst vor dem Tag, an dem sich mir eine neue, gruselige Lebensaufgabe in den Weg stellen würde. Darauf hatte ich wirklich einfach so gar keine Lust. 
Ich surfte friedlich auf meiner rosaroten Welle, meine Akkus waren nach der schweren Zeit endlich wieder aufgeladen, ich war restlos glücklich und doch spürte ich immer mehr das dumpfe grollen am Horizont nahen. 
Eine Woche bevor mich diese Welle erreichte, zogen mir ihre Vorboten für einen kurzen Moment die Füße weg. 
Es war wie bei einem Tsunami - der Moment, in dem das Wasser sich zurückzieht und alles friedlich aber total unwirklich erscheint. Und trotzdem ist die Gefahr bereits spürbar - aber noch nicht greifbar. 
Mein geliebter Sohn, der endlich so richtig Fuß gefasst hatte auf diesem Planeten und der mich, vor allem in diesen Tagen so extrem mit tiefer Liebe flutete, war neben mir auf dem Sofa eingeschlafen als mich die Vorboten dieser Welle völlig überraschend in die Tiefe zogen. 
Komplett aus dem Nichts verengten sich plötzlich meine Bronchien, ich hatte Mühe zu atmen und eine grauenvolle Vorahnung packte mich eiskalt im Nacken und riss mich förmlich zu Boden. So etwas hatte ich noch nie erlebt und ich konnte es überhaupt nicht zuordnen. Angstvolle Tränen schossen aus meinen Augen, ich zitterte, mein Herz raste und ich verstand die Welt nicht mehr. Woher kam diese plötzliche Angst? Warum überfiel sie mich so unerwartet wie ein wildes Tier? Zu einem Zeitpunkt in dem mein Leben noch mehr als einfach nur perfekt war? 
Zitternd betrachtete ich mein friedlich schlafendes Kind und auf einmal bekam ich Angst, ihn zu verlieren. Aber was sollte das? Er war doch ein junger, kräftiger und gesunder Bursche der mitten im Leben stand. Wieso sollte ich ihn verlieren? 
Ich fühlte mich dieser Panik völlig hilflos ausgeliefert, lief auf und ab wie ein Tiger im Käfig und versuchte verzweifelt, die Ursache für diese Ängste zu finden. Ich betete - und wusste nicht einmal zu wem. „Bitte seid bei meinem Kind, bitte helft ihm“, murmelte mein Mund ohne das ich darüber nachdachte und ohne, dass ich den Absender meiner Gebete kannte. 
Die Panik überrollte mich und mein Verstand versuchte verzweifelt gegenzusteuern indem er auf Hochtouren zu arbeiten begann. 
War es das Drama, dass ich einige Jahre zuvor mit meiner Tochter erleiden musste die mit 16 Jahren an einer schweren Herzmuskelentzündung beinahe gestorben wäre? Bestimmt war es so. Mein Verstand griff nach diesem Strohhalm, bauschte das alte Thema auf und redete mir erfolgreich ein, dass ich bei diesem Erlebnis wohl doch noch nicht alle meine Ängste bearbeitet und aufgelöst hatte und langsam wurde ich wieder ruhiger - bis diese Angst um meinen Sohn plötzlich aufhörte und nie mehr wieder kam. Ein unglaubliches Gefühl von tiefem Frieden und einem „egal was passiert, es ist gut und richtig“ umfing und umschloss mich wie ein wärmender Mantel. Meine verkrampften Bronchien entspannten sich wieder und ich fühlte erleichtert: „Alles ist gut...“ 
Ich hatte (zum Glück) nie das Gefühl, dass dies ein Vorbote von etwas war, was bereits unweigerlich auf mich zurollte. 
Als mein Sohn aufwachte „traf“ er einen Engel. Für ihn war das selbstverständlich, weil er öfter „Dinge“ sah und wahrnehmen konnte, die ich nicht sah. 
Er schlenderte in sein Zimmer und sagte: „Mama ich heiße jetzt Raffael“. Ich fragte ihn erstaunt:“ wie kommst Du denn jetzt so völlig aus dem Nichts auf diesen Namen?“ und er antwortete: „keine Ahnung. Dieser Name war auf einmal da...“ 
Kurze Zeit später rief er aufgeregt: 
“Mama, warum ist in meinem Zimmer eigentlich alles so grün?“ Ich verstand nicht, alles sah aus wie immer und er konnte überhaupt nicht verstehen warum ich all das grüne Licht in seinem Zimmer nicht wahrnehmen konnte. Da ich im Hinterkopf wusste, dass Erzengel „Raffael“ für die Heilung zuständig ist sah ich das als ein gutes Zeichen und ich war sofort wieder auf meiner positiven Welle unterwegs. Und auch Felix freute sich sehr über diese Begleitung aus der „anderen Welt“ die sich für ihn sehr beruhigend anfühlte. Er sagte mir, dass er jetzt Heilung bekommen würde und dass alles gut sein würde. Ich fühlte die Wahrheit in seinen Worten und alles in mir beruhigte sich... 
Der (Vor)Sturm ebbte vollends ab - die Ruhe vor dem (Haupt)Sturm begann... 
Das grollen in der Ferne hatte komplett aufgehört und ich vernahm es auch kein einziges Mal mehr. Es war, als hätte ich mich auf meinem „Surfbrett“ einfach umgedreht um nicht sehen zu müssen wie die größte Welle meines bisherigen Lebens - nur eine Woche später - mich von meinem „Surfbrett“ warf, denn als sie kam, packte sie mich rücklings und mit einer unbeschreiblichen Härte. 
Ich hatte ich sie zu diesem Zeitpunkt in keiner Weise heran rollen gespürt... 
Trotzdem hatte dieses Erlebnis, diese „Vorwelle“, etwas ausgelöst denn in der folgenden Woche haben Felix und ich Gespräche geführt, die rückwirkend gesehen wirklich sehr ungewöhnlich waren. 
NICHTS blieb zwischen uns beiden unausgesprochen und unsere Unterhaltungen in diesen Tagen waren von einer Reife, die mich heute noch demütig staunen lassen. 
Felix war mein „Großer“, mein Lehrer auf so vielen Ebenen. 
Kurz zusammen gefasst erkannte ich (rückwirkend), dass mein Sohn angefangen hatte, sich in diesem Leben zu langweilen und obwohl seine Schulnoten in den letzten Wochen immer schlechter geworden waren, konnte ich die große Unterforderung spüren unter der er litt. 
„Das ist alles so ein Kindergarten hier auf der Erde“ 
Das war z.B. ein Satz, der mich jetzt im Nachhinein ziemlich staunen lässt. Er „durchschaute“ mit seinem Herzen jeden Konflikt und er verdrehte die Augen über Probleme, die in seinen Augen doch eigentlich gar keine waren. 
Er verstand so vieles nicht. 
„Warum sind die Menschen so blind? Warum durchschauen sie nichts? Warum spielen sie „komische Spiele“ um sich gegenseitig zu verletzen?“ Warum schüren sie ihre Ängste und bauschen sie auf?“ Warum führen sie Krieg?“ 
Mein Sohn Felix war ein Paradebeispiel für „Lieben was ist...“ und er konnte alles was war, einfach so hinnehmen. 
Selbst die Dinge, die ihn verletzten und ihm weh taten. Immer war er im Mitgefühl. Handelte es sich um Mitschüler war seine (seufzende) Meinung: „na ja, sie wissen es halt nicht besser“ und er hatte absolut die Fähigkeit, in die Herzen der Menschen zu sehen. Sobald irgendjemand in seinem Umfeld sauer auf ihn war - und das kam schon des Öfteren vor weil er wirklich anstrengend und nervenaufreibend sein konnte - dann schickten wir beide im Nachgang diesem Menschen „Sonnenstrahlen“ in sein Herz und selbst der Lehrerin, die ihm hartnäckig fast jede Woche mindestens eine Strafarbeit aufbrummte, schickte er „Sonnenstrahlen für die blöde Kuh“ weil diese Frau in seinen Augen vom Leben einfach noch keinen blassen Schimmer hatte... 
Trotzdem akzeptiere er stets stillschweigend seine Strafarbeiten und schrieb manchmal sogar welche vor. Er wusste, warum er all diese Strafarbeiten schreiben musste, er hatte mal wieder - wohl aus purer Langeweile, den Unterricht gestört - sah aber nicht ein warum er Dinge lernen sollte, die einfach so unglaublich unnütz waren. 
Er lernte sie einfach nicht, er hatte keine Lust denn: „sowas braucht kein Mensch“. 
Felix hätte tatsächlich lieber „Meditation“, „Achtsamkeit“ und „spielen“ als Schulfach gehabt. Trotzdem konnte er „lieben was ist“ - weil er es ja eh nicht ändern konnte und so meditierte und spielte er eben mit seinem besten Freund - seinem über 70jährigen Opa - mit dem er durch dick und dünn ging. Und was Achtsamkeit bedeutet, dass lehrte er selbst jedem Menschen in seinem näheren Umfeld ohne, dass diese sich dessen bewusst waren... 
Wenn ich heute zurück blicke habe ich das Gefühl, mein Sohn hatte hier auf der Erde einfach nichts mehr zu tun. Er hatte seine mitgebrachten Lebensaufgaben längst erfüllt und er war an einem Punkt, an dem sein Leben schwieriger geworden wäre. Die Pubertät stand quasi vor der Türe und er sollte oder wollte wohl vorher gehen. 
All diese Erkenntnisse hatte ich allerdings erst im Nachhinein. 
Als es dann nämlich soweit war und die Welle mich traf, fühlte ich mich völlig unvorbereitet und war zutiefst erschrocken und entsetzt. 
Hatte ich nicht wirklich schon genug durchgemacht? Reichte das nicht für dieses Leben? Musste das jetzt auch noch sein? Und dann gleich der totale Supergau? Hätte nicht auch irgendeine „Light Version“ gereicht? 
Aber dann spürte ich relativ schnell, dass meine jahrelange Arbeit an mir selbst Früchte trug. Die Samen waren aufgegangen und zu prächtigen Früchten geworden. Früchte, die mich nun stärkten und mich durch diese Zeit trugen und noch immer tragen. 
Immer wieder erinnerte ich mich an den Satz (dieses Mal als Aufforderung an mich selbst): „Liebe was ist...“ 
Es fällt mir wirklich noch sehr schwer den Umstand, dass mein Sohn so plötzlich gestorben ist zu lieben - doch die Akzeptanz - die hat mich bereits nach wirklich sehr kurzer Zeit umspült und ich weiß, dass ich auch irgendwann all das lieben kann, was mir widerfahren und „passiert“ ist. 
All das, was ich mir kreiert habe und was wichtig für meine Entwicklung und mein Wachstum war und ist. 
Für mich ist diese Akzeptanz momentan der einzige Schlüssel, um überhaupt in der Liebe zu bleiben. Der einzige Schlüssel, mich nicht selbst zu verschließen. 
Ich halte die Türe bewusst auf, ich drücke kein einziges Gefühl weg. Alles ist willkommen und darf sein. Tiefe Traurigkeit - Freude - absolute Verzweiflung und herzliches Lachen. 
Ich bewerte diese Gefühle nicht mehr, ich stecke sie nicht mehr in die „Negativ“ oder „Positiv“ Schublade. 
Alles darf sein, alles ist natürlich, gesund und normal. 
Glücklichsein und Traurigkeit, lachen und weinen sind für mich mittlerweile eine gemeinsame Kategorie - es sind zwei gegensätzliche Gefühle die es ohneeinander gar nicht geben würde. 
Ich würde das Licht nicht zu schätzen wissen, wenn ich die Dunkelheit nicht kennen würde und niemand kann wahres Glück empfinden der nicht schon einmal die tiefe Traurigkeit erlebt hätte. 
Das ist die Dualität die wir hier auf der Erde leben - wichtig ist nur, dass wir die beiden Pole in der Waage halten - und das funktioniert tatsächlich nur, indem wir lernen zu „lieben was ist...“ 
Als mein Verlobter vor vielen Jahren - ebenso plötzlich - verstorben ist war meine Reaktion eine ganz andere. Ich haderte mit meinem Schicksal und die ewige Frage nach dem „Warum“ zermürbte mich. 
Wenn damals jemand zu mir gesagt hätte: “der einzige Weg um aus dieser Hölle wieder raus zu kommen ist „Lieben und akzeptieren was ist...“ - ich hätte demjenigen wohl sprichwörtlich gerne „eine aufs Maul gehauen“. 
Dieser Satz hätte mich provoziert und wütend gemacht. Er wäre an meinem absoluten Unverständnis abgeprallt - aber sowas von... 
Warum? 
Weil ich mich in einer Opferrolle befand, weil ich mich in Selbstmitleid badete. Weil ich die „arme“ Frau war die ihren Verlobten verloren hatte. Weil ich nicht hätte hören wollen, dass nur ich alleine mich wieder aus dem Sumpf befreien kann - indem ich lerne zu akzeptieren und zu lieben - was ist... 
Indem ich mir helfen lasse, indem ich bereit bin, an mir zu arbeiten und all meine Themen zulasse und lebe. 
Ich habe damals unendlich lange gebraucht, um zu kapieren wie ich aus meiner selbst kreierten Hölle wieder aussteigen kann. 
Heute bin ich meinem damaligen Verlobten dankbar - denn nur durch dieses Erlebnis konnte ich zu der werden, die ich heute bin. Ich hätte mich niemals auf diesen Weg gemacht - wenn Tom damals nicht gegangen wäre. Und ich könnte jetzt mit dem Tod meines Kindes nicht so umgehen, wie ich es mittlerweile kann. 
Durch mein hartnäckiges „Lieben was ist..., ist der Tod nicht länger ein Feind - er ist ein treuer Freund geworden der seinen Schrecken für mich komplett verloren hat. Er hat meinen Sohn hier sehr sanft abgeholt und in eine neue Dimension geführt - eine Dimension, die parallel zu unserer existiert und in der es ihm absolut fantastisch geht. 
Ich spüre ihn ganz nah bei mir, meinen großen Lehrer... 
Bei meinem Weg geholfen hat mir übrigens auch der ganz einfache und banale Satz von Karl Valentin: 
„ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch...“ 
Das ist Akzeptanz - das ist „Lieben was ist...“ 
In diesem Sinne 
Viel Erfolg 
Herzlichst Deine Sabine Sponer mit Felix ganz nah im Herzen 



 

01.03.20 

 „Lieben was ist...“
Teil 1 
Dieser kurze Satz hat mein Leben geprägt wie kaum ein anderer und ich weiß nicht wo ich heute stehen würde ohne diesen Satz - ohne diese drei kleinen Wörter... 
„Lieben was ist...“ - was genau ist unter diesem Satz zu verstehen und warum hatten gerade diese drei Wörter für mich eine so starke Wirkung - ähnlich einer Leiter, die mir jemand in mein tiefes, dunkles, kaltes und schwarzes Verließ herunter geschoben hat?
Als ich diesen Satz im Jahre 2012 zum ersten Mal hörte, hatte ich mich gerade aufgemacht, einen neuen Weg zu gehen. Verzweifelt suchte ich nach dem Ausweg aus einem Kerker, den ich mir selbst erschaffen hatte. 
Dieser - mein - Kerker sah folgendermaßen aus: 
Mein Verlobter war am plötzlichen Herztod gestorben und ließ mich völlig traumatisiert zurück, die darauf folgende (und bereits meine zweite) Ehe war nach langem inneren Kampf und extremen seelischen Druck meinerseits kläglich gescheitert, ich hatte nach einer jahrelangen, wirklich krassen „Workaholic-Zeit“ zwei schlimme Zusammenbrüche mit der anschließenden Diagnose „schwerer Burn out“. Ich litt im Wechsel unter Depressionen und Panikattacken und weil ich nicht achtsam genug mit mir umging wurde ich in der Folge dann auch richtig körperlich krank. 
Relativ kurz nacheinander bekam ich die Diagnosen: „beginnender Gebärmutterhalskrebs“ sowie "Knochenkrebs im Endstadium“. 
Zudem litt ich unter schwerer Neurodermitis im Gesicht und fühlte mich so entstellt, dass ich mich nicht mehr auf die Straße traute. 
Ich war alleinerziehend mit zwei, damals wirklich sehr „schwierigen“ Kindern wovon eines tatsächlich völlig „außer Rand und Band“ war und sich immer wieder in teilweise lebensbedrohliche Situationen brachte. 
Das andere Kind entwickelte eine sehr nervenaufreibende Darmstörung und litt zudem (angeblich) unter einem „Zappelphilipp-Syndrom“ - was unglaublich an meinen eh schon so belasteten Nerven zerrte. 
Ich switchte zwischen ständigen Elterngesprächen in der Schule, der Polizei und der Notaufnahme hin und her um meine völlig haltlosen Kinder immer wieder irgendwie, irgendwo einzusammeln. 
Weil ich selbst völlig ohne Halt in meinem Leben „herumschwamm“ - schaffte ich es nicht mehr wirklich, ihnen den nötigen Halt und die Sicherheit zu bieten, was mir extreme Sorgen bereitete und große Versagensängste auslöste. 
Zudem litt ich unter großen Existenzängsten. 
Laut der Ärzte brauchte ich nach dem Burn out dringend eine komplette Auszeit, laut meiner Kontoauszüge brauchte ich jedoch noch mehr Jobs um uns über Wasser halten zu können. Es gab Zeiten, in denen ich fünf Jobs zeitgleich „wuppte“ - von der Zahnarzthelferin zur Pizzafahrerin über die Kellnerin zur Kosmetikberaterin und zur Fotografin. Und all diese Jobs mussten oft an nur einem Tag erledigt werden um unser damaliges Leben überhaupt irgendwie finanzieren zu können. Der Burn out hatte mich trotzdem fest im Griff und so wurde ich Meisterin im verdrängen... 
Ich verdrängte alles - Trauer, Wut, Angst, Panik... 
Solange, bis es nicht mehr weiter ging. 
Erst nachdem ich die niederschmetternde Diagnose: „Knochenkrebs im Endstadium“ mit einer Lebenserwartung von ca. noch höchstens 6 Monaten bekommen habe, wachte ich endlich auf und stieg aus meinem Hamsterrad aus... 
Und so machte ich mich auf die Suche - nach der Leiter aus diesem Kerker - nach mir selbst und meiner eigentlichen Bestimmung... 
Der Weg war hart und tatsächlich unglaublich steinig. Er war unbequem und verursachte mir auf allen Ebenen große Schmerzen. 
Es wäre um so vieles leichter gewesen, mich den Krankheiten hinzugeben und einfach zu sterben. Ich hätte „nach Hause“ gehen „dürfen“ und hätte all diese blöden, irdischen Sorgen einfach hierlassen können - aber ich spürte, dass dieser Weg nicht der richtige für mich gewesen wäre. Ich musste hierbleiben und mich meiner Themen stellen. Ich musste diesen schweren Weg gehen. 
Ihn zu gehen, gehörte ganz offensichtlich zu meiner Bestimmung dazu. 
Und so riss ich bewusst uralte Wunden wieder auf, lernte zu weinen, zu toben, zu schreien um endlich all den toxischen und so lange verdrängten Gefühlen in mir eine Daseinsberechtigung zu geben. Dieser Prozess erschöpfte mich zutiefst aber das Leben hat in dieser Phase immer für mich gesorgt. Das Geld reichte immer gerade so - aber es reichte... 
Ja, und dann fuhr ich eines Tages zu einem Seminar nach Köln mit dem Thema „Familienstellen“, worunter ich mir damals noch überhaupt nichts vorstellen konnte. 
Und hier begegnete mir zum ersten Mal dieser Satz: „Lieben was ist...“ 
Byron Katie hat diesen Satz ins Leben gerufen, sie nennt die Arbeit damit „the work“ und es geht darum, alles mit ein paar einfachen Fragen selbst zu hinterfragen... 
Dadurch kommt man an das wirkliche Gefühl HINTER dem ersten Gefühl. 
Das fand ich unglaublich spannend und so begann ich mit „the work“ all meine Themen sehr kritisch zu hinterfragen. 
Die Kernaussage die am Ende quasi übrig bleibt ist dieses: 
„Lieben was ist...“ 
Es bedeutet: egal was im Leben passiert, und sei es noch so tragisch, es ist im Endeffekt nur zu „(er)tragen“, wenn man es annimmt und aufhört, damit zu hadern und dagegen zu kämpfen. 
Indem man alles was ist, zu akzeptieren, ja im besten Fall sogar zu lieben lernt, kann man jedes noch so grausame Schicksal überwinden... 
Das bedeutet natürlich nicht, die Hände in den Schoß zu legen und nichts mehr zu tun - im Gegenteil. Im dem man lernt zu „akzeptieren und vielleicht sogar zu lieben was ist“, kann man aus dieser Kraft heraus die Dinge verändern und auflösen. 
Ich habe damals in Köln nicht verstanden was der Seminarleiter mir mit diesem Satz sagen wollte, und doch ließ mich dieser „Schlüssel“ bis heute nie mehr los... 
In jahrelanger, akribischer Kleinarbeit löste ich so all meine damaligen Themen... 
Ich lernte zu vergeben, mir und den anderen die mir in meinem Leben Schmerzen zugefügt hatten, denn die Vergebung ist der nächste, der zweite Schlüssel den ich nach der Akzeptanz brauchte, um die Türen der dicken Mauern, die ich selbst um mein Herz erbaut hatte, wieder öffnen zu können... 
Und mit jeder Mauer - mit jedem meiner bereits erlebten Lebensthemen - wurde ich glücklicher und freier. Ich fand zu meiner ursprünglichen Basis zurück und fand meine eigene Wahrheit, tief in meinem Herzen. 
Nach all dem Chaos und jahrelanger Arbeit an mir selbst, surfte ich auf einmal auf einer unglaublichen Glückswelle voller tiefer Liebe. Dadurch, dass ich all meine vermeintlich „schlechten“ Gefühle abgetragen und endlich durchlebt hatte, fühlte ich nun auch die positiven Gefühle auf eine ganz andere Art und Weise. 
Dieses Glück, das ich nun (endlich), 5 wunderschöne Jahre lang erleben durfte, durchströmte mich auf nie zuvor dagewesene Art und Weise denn nur wer lernt seine Traurigkeit und sein Leid in allen Tiefen und sämtlichen Schichten zu fühlen (und auszuhalten), der kann auch das Glück und die Liebe in dieser starken Dimension erleben. 
Ohne diese Aufarbeitungsarbeit ist jedes Gefühl gedämpft. 
Das schlechte („Gott sei Dank muss ich es nicht so intensiv fühlen“) - aber genauso leider auch das gute („jammerschade das ich das Glück nicht in mir sprudeln fühle “). 
Irgendwann wird man regelrecht neutral - ich kenne dieses neutrale Gefühl so gut, als hätte ich es erfunden... 
Kleine Kinder sind da noch anders und wir sollten lernen, wieder wie die Kinder zu werden. 
Sie haben meist noch keine Mauern um ihre Herzen errichtet - sie leben ihre Gefühle noch voll aus. Sie quicken vor Freude und sie weinen vor Frust. Immer sofort im richtigen Moment, wenn das Gefühl nun mal da ist. Da wird noch nichts verdrängt oder auf später verschoben. Ein Kind, wartet nicht mit dem weinen bis es zu Hause ist, wenn ein anderes Kind ihm im Sandkasten die Schaufel weggenommen hat - ein Erwachsener tut das schon... 
„Lieben was ist...“ - ich versuche im Moment, meinen so hilfreichen Leitsatz auch bei meinem „aktuellen Drama“ umzusetzen. 
In mir findet ein Kampf statt - die eine Stimme kreischt empört: „Ich soll den Umstand LIEBEN lernen, dass mein kleiner Sohn gestorben ist? Spinnst Du jetzt komplett?“ - aber die andere Stimme kontert leise und vernünftig: „Wenn Du nicht lernst diesen Umstand zu akzeptieren und vielleicht sogar zu lieben, dann wirst Du an Deiner Trauer zugrunde gehen“. 
Wie ich damit umgehe erzähle ich gerne in einem Teil 2 wenn Ihr mögt. 
Jetzt muss/möchte ich erst einmal raus in den Wald um das schöne Wetter zu genießen... 
Hab einen schönen Sonntag. 
Herzlichst Deine Sabine Sponer  

01.03.20

 
Heute vor 23 Jahren habe ich mein erstes Kind zur Welt gebracht... 
Ohne Hilfe „von außen“, wären wir an diesem Tag beide gestorben... 
Unsere Herzen setzten zur gleichen Zeit aus - und setzten, nach erfolgreicher Reanimation, zur gleichen Zeit wieder ein... 
Für einen „kurzen Augenblick“ haben wir damals beide diese Welt verlassen - um dann zusammen zurück zu kehren. 
Ein mutiger Schritt, denn nach diesem „kurzen Augenblick“ war nichts mehr so wie vorher... 
Nie werde ich vergessen wie es war zu sterben... 
Nie werde ich vergessen, was ich erlebt habe in diesem „kurzen Augenblick“... 
Einem Augenblick, in dem es keine Zeit mehr gab und keinerlei Grenzen... 
Das Gefühl, losgelöst vom irdischen Körper zu sein... 
Nie werde ich das Gefühl vergessen, als plötzlich mein kleines Mädchen neben mir war und wir gemeinsam beschlossen haben, zurück zu kehren - obwohl „die andere Seite“ so unvorstellbar viel viel schöner war... 
23 Jahre voller extremer Höhen und unsagbar tiefen Tiefen sind seitdem vergangen... 
Liebe Annalena, mein liebes Kind. 
Ich war oft überfordert mit Dir aber seit dem Tag Deiner Geburt bin ich fasziniert von Deiner unglaublichen Stärke und Deinem großen Mut. 
Was bist Du nur für eine wunderschöne, große Seele? 
Viele meiner größten Lebensthemen konnte ich durch Dich bearbeiten und lösen - und obwohl eigentlich ich „die Große“ bin, bewundere ich Dich in vielerlei Hinsicht und sehe zu Dir auf. 
Du hast mir sehr viel Schlaf und unfassbar viele Nerven geraubt, niemand hat mich je so sehr an meine Grenzen gebracht wie Du. 
10 Tage nach Deiner Geburt hatte ich ein tiefes Erlebnis das ich bis heute nicht vergessen hab. 
Wegen Deiner katastrophalen Geburt lag ich noch immer im Krankenhaus, aufgrund einer gewaltsam gesprengten Symphyse, unfähig zu laufen. 
Du bist auf meiner Brust eingeschlafen, ich sog den zarten Babyduft ein der von Dir ausging, als mich plötzlich eine warme Welle umspülte die so stark war, dass ich meine Tränen nicht zurückhalten konnte obwohl ich sie nicht verstand. Es war die pure Liebe die mich umspülte. In meinem Kopf hämmerte auf einmal eine Stimme mit der Frage: „Würdest Du für sie sterben?“. Ich wusste nicht woher diese Stimme kam, aber ich flüsterte ohne zu zögern ein „ja“. 
Auf einmal ging das Radio an. Damals hingen an den Krankenhausbetten noch kleine Radios - und es ertönte das Lied: „time to say good bye“... 
Ich weinte und weinte - und fing bereits in diesem Moment an, Dich loszulassen... 
Es war wichtig für Dich - es war wichtig für mich... 
„Gib Deinem Kind Wurzeln das es immer wieder zurückkehren kann - aber gib ihm auch Flügel, dass es frei ist und überall hinfliegen kann“... 
Ich habe Dir damals die schönsten Glitzerflügel geschenkt, so schön, wie ich sie hinbekommen hab - und ich habe Dir tiefe, dicke Wurzeln geschenkt, das Du immer zurückkehren kannst und eine Basis hast, wo Du Deine Akkus wieder aufladen kannst... 
Heute lebst Du Dein eigenes Leben - viele Kilometer von mir entfernt. Trotzdem haben wir uns im Herzen nie verloren. Unsere Verbindung ist tief, sie ist warm und stark - und für nichts könnte ich heute dankbarer sein... 
Du warst die beste Freundin und liebste Schwester für Felix. 
Danke dafür.
Ich liebe Dich, meine Tochter, meine Lehrerin, meine Wegbegleiterin, meine Trauzeugin und Freundin... 
Alles Liebe zu Deinem 23. Geburtstag 


24.02.20

 
Ich kann mich noch gut daran erinnern das ich kurz vor der Beerdigung gedacht habe: „Ach, wenn nur diese ersten, schlimmsten und schmerzhaftesten Wochen schon vorüber wären...“ 
Heute sind die ersten 3 Monate vorbei. 
Endlich... 
Heute Nacht - vor genau 12 Wochen - bist Du plötzlich gestorben - bist umgezogen in eine Welt, zu der ich (noch) keinen Zutritt habe. 
Ich weiß, dass Du Spaß hast, ich weiß das es Dir gut geht und ich weiß das Du da sein wirst um mich abzuholen, wenn meine Zeit irgendwann gekommen ist. 
Aber trotzdem vermisse ich Dich hier sehr, in unserem Alltag waren wir beide doch immer zusammen und es ist so total ungewohnt und seltsam, dass sich unser Zusammensein so plötzlich und so sehr verändert hat. 
Ich habe mich noch nicht ganz daran gewöhnt, aber ich bleibe dran und es wird mit jedem Tag besser. 
Ich bin wie ein Chamäleon, das ganz langsam seine Farbe an die Umwelt anpasst - noch bin ich etwas „scheckig“ - aber es gelingt mir schon sehr gut. 
Danke, dass ich die erste, härteste Zeit nun hinter mich gebracht habe... 
Diese 3 Monate - dieses 1/4 Jahr war für mich wie ein kleines Etappenziel. 
Ich weiß nicht so wirklich, warum das so ist aber es fühlt sich jetzt sehr gut an, diese erste Zeit endlich überstanden zu haben. 
Ich komme immer mehr in Frieden mit dem Verlauf meines Lebens. Es gelingt mir, die Tatsachen zu akzeptieren die ich sowieso nicht ändern kann. Und ich freue mich, dass die Liebe, die zwischen mir und meinem Sohn Felix fließt, niemals aufgehört hat - im Gegenteil - ich spüre sie immer noch intensiver pulsieren - zwischen dem Diesseits und dem Jenseits... 


22.02.20


 
UPDATE
Anbei eine kleine „Stellungnahme“ - denn ich muss / möchte zu dem letzten Text noch etwas sagen, weil einige Menschen meine Worte leider komplett missverstanden haben. 
Es tut mir leid, falls ich mich irgendwie unverständlich ausgedrückt habe aber leider sind den menschlichen Worten oft Grenzen gesetzt was dazu führt, dass nicht jeder wirklich das herauslesen kann, was ich eigentlich sagen wollte. 
Ich weiß aber auch, dass diejenigen, die meinen Text so gänzlich missverstanden haben und die so sehr davon getriggert wurden, genau diese Worte und dieses „Missverstehen“ gebraucht haben um an eigene Themen und Gefühle zu kommen. Aus diesem Grund werde ich auch nicht den Ursprungstext ändern, sondern versuchen, es auf diesem Weg für diese Menschen kurz zu erklären. 
Ich habe mitbekommen, dass Ausschnitte von meinem Text in neuen Post‘s verwendet und „zerpflückt“ werden - leider so dargestellt und verdreht, dass der gesamte Hintergrund fehlt... 
Im Focus meine angebliche Kernaussage: „wer leidet ist selbst schuld...“ 
Ihr Lieben, ich habe das niemals so geschrieben und auch niemals so gemeint. 
Vielleicht hilft es, sich den ganzen Text komplett und in Ruhe durchzulesen anstatt sich aufzuregen über Aussagen, die ich nicht in dieser Form geschrieben habe, in der sie nun „zerrissen“ werden. 
Niemals würde ich mir anmaßen zu behaupten, jeder Trauernde wäre an seinem Leiden selbst schuld. Wir alle leiden natürlich - in unterschiedlichen Formen und Facetten. Das ist ganz natürlich, normal und auch wichtig. 
Aber dieses leiden darf irgendwann auch wieder gehen - wir dürfen es in Liebe loslassen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. 
Nicht komplett, davon habe ich nie gesprochen. Natürlich wird der Verlust eines geliebten Menschen immer weh tun und in gewissem Maße werden wir auch immer darunter leiden. Aber wir sollten darauf achten, dass dieses Leid nicht die Oberhand gewinnt und unser ganzes Leben bestimmt. 
Darum geht es in diesem Text - um das Leid, das Menschen chronisch werden lassen, weil sie Angst haben sich dem Schmerz bewusst zu stellen. Das Leid, das die Menschen ein ganzes Leben lang so quält wie am ersten Tag, weil sie es nicht loslassen wollen. 
Das kann uns krank machen. 
Und hier haben wir sehr wohl die Wahl, aus diesem ungesunden, toxischen Leid „auszusteigen“. 
Was ich mit meinem Text sagen und erreichen wollte ist auch einfach nur eine Aufmunterung. 
Ein „schaut nach vorne, erlaubt Euch wieder zu leben, zu lieben und zu lachen“. 
Denn kein einziger unserer Verstorbenen würde sich für uns wünschen, dass wir in lebenslangem Leid versinken.


20.02.20

 
Schmerz & Leid

Zwei Dinge von denen man meinen könnte, dass sie immer grundsätzlich miteinander einhergehen - und doch sind sie im Endeffekt völlig grundverschieden. 
Manchmal lese ich nur kurze Passagen aus irgendeinem Text, oft völlig wahllos und „zufällig“ oder ich werde von anderen auf solche Texte direkt hingewiesen. Dann dauert es ein paar Sekunden und zack - ist sie da - die Erkenntnis, das Verstehen und das Wissen in mir. 
Manchmal ist das so, als würde ich unentdeckte Ordner auf meinem PC entdecken die nur immer genau zur richtigen Zeit von mir geöffnet werden können. Und manche dieser entdeckten Weisheiten, muss ich dann unbedingt veröffentlichen und teilen, weil sie eben einfach nicht nur für mich bestimmt und nur für mich wichtig sind. 
Vor kurzem habe ich wieder einen solchen „Ordner“ auf der „Festplatte meines Lebens“ gefunden... 
Und ich durfte begreifen lernen, dass Schmerz und Leid nicht immer unbedingt ein Team sind. 
Aktuell bin ich mit der Heilung und der Pflege der tiefsten Verletzung meines Lebens beschäftigt. Ein bisschen komme ich mir vor wie in einem Lazarett in dem ich mich nach einer schweren Verletzung und einem grausamen Kampf erhole. Ich habe mir eine Auszeit genommen, ich kümmere mich im Augenblick fast ausschließlich um mich selbst und sorge dafür, dass ich wieder „ganz“ und glücklich werde - so wie mein Sohn sich das für mich gewünscht hätte. Ich tausche mich deshalb auch hin und wieder mit anderen Menschen aus, die ähnliches erlebt haben. Dies ist für mich eine sehr spannende Erfahrung, weil jeder, wirklich jeder diesen Weg komplett anders zu gehen scheint. In Sachen Trauer gibt es unglaublich viele Möglichkeiten damit umzugehen - aber schön langsam kommt bei mir immer mehr Licht ins Dunkel und ich kann die verschiedenen Wege der Menschen in Trauer immer besser erkennen und verstehen. So auch die „Sache“ mit dem Schmerz und dem Leid. 
Schmerz ist etwas, was wir nicht wirklich „unter Kontrolle“ haben. Wir werden, oft ganz plötzlich und ohne Vorwarnung, verletzt und eine tiefe Wunde entsteht. Das passiert einfach so und lässt sich nicht aufhalten. Durch ein Ereignis das man selbst miterlebt oder auch nur durch einen einzigen kleinen Satz - ein paar aneinander gereihte Wörter die doch die Kraft haben, tiefste Wunden zu reißen. 
In meinem Fall waren es „nur“ ein paar wenige Worte 
„Bine, etwas ganz Schreckliches ist passiert, der Felix ist gestorben“. 
Als ich diese leisen und unendlich verzweifelten Worte aus dem Mund meines Vaters hörte, hatte ich augenblicklich das Gefühl, die Klinge eines großen Schwertes würde sich blitzschnell durch meinen Leib bohren. Es war und ist ein unvergessliches Gefühl, dass wohl mit keinem anderen Gefühl der Welt vergleichbar ist und obwohl es „nur“ Worte waren, reagierte mein Körper genau so, als hätte sich tatsächlich ein Schwert durch mich hindurch gebohrt. Mein Herz raste und stolperte, mein Blut rauschte laut durch meine Ohren, mein Atem stockte, meine Bronchien verengten sich und mein Körper krümmte sich im Reflex nach vorne als hätte mir jemand in den Magen geschlagen. Unkontrollierte Verzweiflung brannte in meiner Kehle wie ätzende Säure und ich spürte nur noch Schmerz - überall und zur gleichen Zeit. 
Dieser Zustand hielt eine ganze Zeitlang an, ich weinte, schluchzte, telefonierte verzweifelt laut und leise mit meinen Eltern, meiner Tochter und Felix Papa doch wir verstanden einander alle kaum, weil keiner von uns aufhören konnte bitterlich zu weinen. Mein Mann hielt mich während dieser Telefonate so fest, dass ich mich einfach fallen lassen konnte aber wir alle fühlten ja die gleiche Verletzung und mit den anderen in diesem Moment zu sprechen war kein wirklicher Trost denn den Schmerz der liebsten Menschen, um mich und meinen Sohn herum, zu spüren, verursachte dass das „Schwert“ sich noch tiefer in mein Herz bohrte. 
In den ersten Minuten, wenn man so eine Nachricht erhält, „knipst es einem gefühlt tatsächlich ein paar Lichter aus“. Anders kann ich das nicht ausdrücken und beschreiben. Es ist, als würde plötzlich die Sonne vom Himmel fallen. Damit hätte ich Anfang Dezember 2019 ebenso wenig gerechnet wie damit, dass mein gesundes Kind auf einmal wie aus dem Nichts sterben könnte. 
Aber was passiert dann? Nach diesen ersten Momenten in denen man realisiert, das buchstäblich „die Sonne vom Himmel gefallen ist?“ 
Meine Erfahrung: Sobald die erste, gewaltigste Schmerzwelle noch völlig ungehindert den Körper, den Geist und die Seele durchrollen konnte - beginnt das System nun sofort mit dem Schutz auf allen Ebenen. Hormone, die durch den Schock ausgelöst werden, packen uns auf einmal in eine Art dumpfen „Mantel“. Dieser Zustand ist sicherlich wichtig und richtig, angenehm habe ich ihn dieses Mal allerdings nicht empfunden denn es fühlte sich ein bisschen so an, als wäre ich auf einmal nicht mehr ganz klar. Ich kenne diesen Zustand von damals, als mich die Nachricht über den Tod meines Verlobten erreichte, und damals empfand ich diesen Schutz als sehr tröstlich und angenehm. Ich war wie in schützende Watte gepackt. Aber dieses Mal wollte ich das nicht. Ich wehrte mich dagegen, bat still darum, dass man diesen Schutz doch bitte von mir nehmen solle. Ich wollte klar sein, ich wollte alles in vollem Ausmaß fühlen - auch wenn der unsagbare Schmerz sich in diesem Moment anfühlte, als würde er mich umbringen. Es war mir egal, selbst wenn ich daran gestorben wäre. Aber nach meinen früheren Erfahrungen mit diesem Thema wollte ich von Anfang an nichts verdrängen, sondern mich reinfallen lassen in dass, was nun mal da war. 
Als ich dann, drei Stunden nachdem mein Vater mir die schreckliche Nachricht am Telefon überbracht hat, endlich vor dem Bett stand in dem mein toter Sohn lag, war ich vollkommen klar. Ich drückte kein Gefühl weg, ich gestattete dem Schmerz, mich zu beuteln, an mir zu zerren, an mir zu ziehen. Ich gab mich diesem Schmerz hin, nicht ausgeliefert, sondern einfach völlig bewusst und in meinen Augen auch gesund und natürlich. Er brachte mich an meine Grenzen, erschöpfte mich zutiefst und ließ nicht ab von mir. Er zerriss mich in der Luft wie ein hungriges Tier seine Beute. Aber all das war mir egal. Ich wusste nur, ich musste es bewusst erleben. 
Mein Kopf schwoll mit jeder einzelnen Träne von innen regelrecht zu. Seit vielen Jahren schon wuchern gutartige Polypen in all meinen Nebenhöhlen die nun anschwollen und sich im Laufe der Zeit nun auch stark entzündeten was immer wieder zu tagelangen starken Kopf- und Gesichtsschmerzen führt. Zudem bekam ich große Probleme, aufgrund der Schwellungen überhaupt noch vernünftig zu atmen. Vor allem dann, wenn ein heftiger Weinkrampf mich durchschüttelte und völlig bewegungsunfähig - ja gefühlt in diesem Moment fast schon lebensunfähig, machte. 
Es war der grausamste Schmerz den ich je gefühlt habe - aber jede Wunde fängt irgendwann an, sich zu verschließen. Das bedeutet nicht, das der Schmerz verschwindet, es bedeutet nur, dass er sich verändert. Aus dem wilden, zerrenden und zerreißenden Schmerz wird langsam ein tiefer, brennender und bohrender Schmerz der einen bis tief ins Herz erschüttern kann. Wie eine Sepsis, eine quälende Vergiftung sucht er sich seinen Weg und vergiftet jede Zelle - zwingt sie zum Aufgeben und somit gleichzeitig zur Erneuerung. 
Für mich hat sich dieser Prozess tatsächlich wie eine Wandlung angefühlt und diese Wandlung ist auch noch nicht gänzlich vollzogen. 
Viele Menschen geben leider in diesem „Trauerstadium“ erschöpft auf. Sie beschließen, diesen Schmerz nicht mehr spüren zu wollen, irgendwann wird es einfach zu viel, was ich durchaus sehr gut verstehen kann, und so suchen sie sich Wege, die schmerzhafte Transformation zu umgehen, zu verzögern, zu verlangsamen. Sie trinken zu viel, sie rauchen zu viel, nehmen Tabletten, lenken sich mit viel zu viel Arbeit oder Sport ab oder kommen aus dem Feiern nicht mehr heraus. Es gibt viele Wege, sich abzulenken, diesen Schmerz nicht mehr spüren zu müssen - nur leider bleiben all diese Wege meist nicht ohne spätere Folgen. Die Trauer kann sich im schlimmsten Fall im Körper manifestieren - wir werden krank. Ungelebte Traurigkeit kann später zu schweren Depressionen führen und viele wählen gar den Weg des Vergessens in Form von Alzheimer und Co. 
Es gibt Menschen, die völlig an ihrem Leid zerbrechen - nur weil sie Angst haben, sich ihrer Gefühle zu stellen und den Schmerz zu durchleben. 
Doch diese Angst ist unbegründet. 
Nichts kann passieren, wenn man seelische Schmerzen lebt - im Gegenteil. Durch das „abfühlen“ der verschiedenen Schmerzfacetten, wird der Schmerz mit der Zeit immer leichter - immer weniger. 
Nur durch das Erleben dessen, was ist, können wir irgendwann wieder heil werden. 
Nur so kann sich die Wunde wieder schließen - ordentlich und ohne schmerzhafte Narben. 
Es gibt drei Möglichkeiten der Trauerbewältigung. 
Das durchleben der Trauer mithilfe der Akzeptanz. 
Die Verdrängung mithilfe der Ablenkung oder: 
Das tiefe, bewusst herbeigeführte endlose Leid. 
Leiden bedeutet, diesen heftigen Schmerz chronisch werden zu lassen. 
Jeder trauernde Mensch hat die Wahl, denn ab einer bestimmten Phase wird der Schmerz entweder erträglicher (wenn man ihn zugelassen hat) und sogar immer leichter - (ja, er wird sogar irgendwann ins positive verwandelbar) - oder er wird dann durch das endlose Leid ersetzt. 
Warum? 
Auch hier steckt - wie hinter jedem Thema - einfach nur wieder die Angst. 
Die Menschen haben Angst davor Erinnerungen zu verlieren und beginnen nun, krampfhaft an ihnen festzuhalten. Sie heften sich an diese alten Erinnerungen, hören nicht auf, sie immer wieder zu beweinen - nur um sie ja nicht zu vergessen und ja nicht loszulassen. Diese Menschen leiden oft jahrelang wie am ersten Tag mit jeder Faser ihres Körpers und ihrer Seele. 
Der Schmerz wird durch das Leid ersetzt und streng gesehen ist diese Art von Leid schon fast eine krankhafte „Treue“ dem Verstorbenen gegenüber. 
(„Je mehr ich leide, desto größer war/ist meine Liebe zu Dir“). 
Im schlechtesten Fall kann so tatsächlich eine Art „Sucht nach dem Unwohlsein“ entstehen um das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen. 
Diese Menschen hören regelrecht auf zu leben und verharren in ihrer Schockstarre. 
Leiden führt zu innerer Lähmung und es will bleiben. Es will in der Vergangenheit leben und nicht nach vorne schauen. Es will jammern, will Mitleid, verlangt nach Gesellschaft, aber nicht als Trost, sondern weil es Zeugen braucht. 
Schmerz hingegen ist still und einsam. Er beinhaltet Akzeptanz, im Kontakt zu sein, mit dem was wir spüren und mit den Entbehrungen und der Leere, die die Abwesenheit des Verstorbenen hinterlässt. 
Das Leiden fragt ständig quälend nach dem „Warum“, obwohl es weiß das es keine Antwort auf diese Frage gibt, für den Schmerz hingegen hat sich diese Frage erübrigt. 
Der wichtigste Unterschied zwischen dem einen und dem anderen ist, dass der Schmerz immer ein Ende hat, während das Leid auf ewig andauern kann. 
Leider wählen die meisten Menschen diese Form und quälen sich oft ein ganzes Leben lang mit dem einzigen Ziel: dem Verstorbenen endlich folgen zu können... 
Auch ich kenne dieses „Leid“ das sich ständig um sich selbst dreht. Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie zermürbend und zerstörerisch es sein kann. 
Ich bin diesen Weg schon einmal gegangen und habe mich dadurch, selbst nach vielen Jahren, nicht so „gut“ gefühlt wie jetzt nach nicht einmal 3 Monaten. 
Aus diesem Grund habe ich für mich das Kapitel „Leid“ dieses Mal ganz bewusst ausgelassen und es ist mir wirklich gut gelungen, weil ich den Schmerz in vollem Umfang erlebt und gelebt habe. 
(Übrigens ist es nie zu spät den Schmerz endlich zu leben und zu „erlösen“). 
Ich bin fast ein bisschen stolz auf mich und meine hervorragende Trauerarbeit - und es ist wirklich Arbeit. Es kostet Zeit und Energie, es raubt einem die letzten Kräfte. Ich habe 6 kg Gewicht verloren obwohl ich ganz normal und wie immer esse, aber ich spüre mit jedem Tag mehr, wie ich langsam wieder zu Kräften komme. Wie meine tiefe Wunde sauber von innen nach außen heilt. 
Felix hilft mir (und auch all seinen anderen Lieblingsmenschen) von der anderen Seite indem er uns immer wieder sehr klare Zeichen sendet. Er tröstet uns, wie und wo er nur kann und wir alle sind mittlerweile zum Glück achtsam genug, ihn auch zu spüren, seine Zeichen wahrzunehmen und seine tiefe Liebe zu fühlen. 
Seit letztem Wochenende fühle ich, dass ich bereits in Frieden komme mit dem, was passiert ist und ich erkenne, dass allein die „Akzeptanz dessen was ist“, der einzige Schlüssel zu einem erfüllten und glücklichen Leben ist. 
Und ja - auch wenn mein einziger Sohn gestorben ist - möchte ich wieder glücklich sein. Frei und unbeschwert lachen und volle Liebe und Stolz auf meinen „Jungen auf der anderen Seite“ blicken. 
Seit ein paar Tagen ist da noch ein sehr neues, sehr zaghaftes Gefühl in mir denn ich spüre immer mehr, dass hinter der Trauer, hinter diesem schrecklichen Erlebnis, ein großes Geschenk auf mich wartet. Ein Geschenk von meinem geliebten Sohn, dass ich dann entdecken darf, wenn ich geduldig alle Schichten der Trauer abgetragen habe... 

In Liebe 
Sabine Sponer (mit Felix im Herzen) 

Danke mein lieber Felix, für all die spannenden Dinge die ich erfahren und erleben darf seid Du Deinen irdischen Körper verlassen hast.

Ich vermisse es, Dein ganz besonderes Grinsen zu sehen. Ich habe diesen Gesichtsausdruck wirklich sehr geliebt. 

Danke für diesen Text...

17.02.20

(Schriftzug auf dem Bild aus einem alten Schulheft von Felix)

 
Facettenreiche Anteilnahme
Was genau ist eigentlich Anteilnahme? 
Ist es ein Gefühl? 
Eine Verpflichtung? 
Eine Hilfestellung? 
„Danke für die Anteilnahme“ - dieser Satz fällt bei fast jedem Trauerfall irgendwann, er ist von den Hinterbliebenen schnell dahin gesagt oder geschrieben, aber um was genau geht es wirklich? 
Ich kannte die verschiedenen Formen der Anteilnahme bis vor 11 Wochen noch überhaupt nicht. 
Zumindest nicht in diesem spektakulären Umfang. 
Was ich mittlerweile weiß: Ehrliche Anteilnahme ist groß und wunderschön, sie tröstet, stützt und trägt trauernde Menschen in schweren Zeiten. 
Unglaubliche Energien werden durch ehrliche Anteilnahme frei gesetzt - vorausgesetzt, sie kommt wirklich ehrlich von Herzen. 
Es ist für mich mittlerweile sehr gut spürbar und ziemlich eindeutig, welche verschiedenen Beweggründe hinter der jeweiligen, sehr individuellen Anteilnahme stehen. 
Meist ist es einfach der tiefe Wunsch zu helfen, beizustehen in der Not und für den anderen da zu sein. 
Unaufdringlich, verlässlich und stark. 
Das ist die schönste und reinste Form der Anteilnahme - und im Grunde die Einzige, die wirklich so richtig zu helfen vermag. 
Danke, dass ich regelrecht überspült wurde (und noch immer werde) von dieser liebevollen Art der Anteilnahme... 
Aber es gibt auch andere Formen... 
Ich habe festgestellt, dass bei sehr vielen Menschen auch eigene Themen und unerlöste „Schmerzkörper“ da hinter stecken. Sie nehmen sehr stark und sehr emotional Anteil an unserem Schicksal denn durch die Spiegelung unseres tiefen Schmerzes, werden ihre eigenen Wunden wieder aufgerissen und bekommen so endlich die Chance zur Heilung. Das ist wundervoll und auch ein „sich gegenseitig helfen“ - wenn auch von den meisten unbewusst. 
Ich mag auch diese Form der Anteilnahme. Sie ist ein Geben und Nehmen das sich meist die Waage hält. Ungesund wird es nur, wenn diese Waage aus der Balance gerät. 
Manchmal jedoch, steckt aber auch leider nur anerzogene Höflichkeit hinter der Anteilnahme. „Man muss Anteil nehmen, das gehört sich so“. 
Das sind leider die weniger schönen Begegnungen die ich gar nicht mag und bei denen sich eigentlich jeder der Beteiligten extrem unwohl fühlt. Dieser „nach Außen Anteilnehmende“ handelt nur aus der Verpflichtung heraus - „dass die Leut halt net reden...“ 
Diese Art der Anteilnahme spiegelt sich in emotionslosen Karten wider oder in Umarmung, bei der keine wirkliche Nähe zugelassen wird und es mich regelrecht zu frösteln beginnt. 
Und dann gibt es leider auch noch diejenigen, die dem Trauernden unbedingt Dinge überstülpen wollen die sie selbst zwar für richtig halten und fest davon überzeugt sind, die jedoch für den anderen völlig falsch und absolut unpassend sein können, weil jeder Mensch nun mal komplett anders trauert. Trauer ist persönlich, intim und individuell und diese Form der „überstülpenden Anteilnahme“ finde ich persönlich wirklich anstrengend, weil viele dieser Menschen viel zu lange nicht „locker“ lassen und ausschließlich ihre Meinung für die einzig Richtige halten. 
„Du MUSST in eine Therapie gehen um das zu verarbeiten“ - „so ein schlimmes Erlebnis kann NIEMAND alleine bewältigen“ - „nur wenn Du in der Kirche um die Vergebung Deiner Sünden betest und Dich Jesus anschließt, kannst Du aus Deiner Krise wieder herausfinden“ - „Du musst endlich damit aufhören Dich mit spirituellen und esoterischen Dingen zu beschäftigen denn das ist Okkultismus und auch wenn sich dieser Weg für Dich richtig anfühlt - er ist es nicht...“ 
Ich weiß, dass viele dieser Menschen es im Grunde ihres Herzens wirklich gut mit mir meinen, aber Trauer lässt sich halt nicht über einen Kamm scheren und es gibt auch kein Rezept oder eine Art „Bedienungsanleitung“ dafür, richtig mit seiner Trauer umzugehen. 
Einige dieser „Hilfsangebote“ sind ja nur nett gemeint. Ich kann und darf sie einfach dankend ablehnen oder auch annehmen aber so manch andere „Ratschläge“ sind wirklich - tja, wie soll ich sagen? 
Interessant? 
Verblüffend? 
Erstaunlich? 
Diese kuriosen „Tipps“ (natürlich meist per privater und anonymer Nachricht) erreichen mich immer mal wieder, Tipps, die mit mir persönlich nicht das Geringste zu tun haben - trotzdem stimmen mich manche Aussagen richtig traurig. Dann wird aus der „Anteilnahme“ die ursprünglich doch eigentlich mal für mich gedacht war, ein tiefes Mitgefühl meinerseits für diese Person die sich so sehr in ihren eigenen Strukturen verfangen hat dass sie nun versucht, dieses Chaos irgendwie „abzugeben“ oder wenigstens zu teilen. 
Ich bin dafür aber die falsche Adresse - ich nehme die Päckchen der anderen nicht an, sondern sende sie, zusammen mit einer Portion Mitgefühl und Liebe wieder an den Absender zurück. 
Zu Guter Letzt gibt es dann auch noch eine, in meinen Augen, sehr kranke Form der Anteilnahme - wenn man das dann überhaupt noch Anteilnahme nennen kann. 
 
Anbei drei Beispiele die ich mir anhören durfte: 
 
„Ich wäre ja wirklich gerne für Dich da, aber wenn ich sehe, dass Du nach nicht mal 3 Monaten in bunter Kleidung lachend durch die Gegend läufst und Dich am Leben erfreust, dann zeigt mir das, dass Du Dein Kind gar nicht wirklich geliebt hast. Denn wenn dem so wäre, dann würdest Du nicht mehr lachen können obwohl Dein Kind in der kalten Erde liegt...“ 
Oder: „Wer, so wie Du, öffentlich trauert – der trauert nicht wirklich.“ 
Oder: „Wie kannst Du denn einfach weiterleben, an gutes Essen denken und die Sonne genießen obwohl Dein Kind tot ist? Ich könnte das nicht denn ICH liebe mein Kind von Herzen und würde komplett an sowas zerbrechen.“ 
 
Tja, auch die „wütenden“ Menschen, die in ihrer eigenen Wut sich selbst gegenüber feststecken, teilen sich mir manchmal schonungslos mit. 
 
Ich spüre ihren Schmerz, ihre Kränkungen, ihre tiefe Verzweiflung und ihre innere Einsamkeit. 
Diese wütenden Menschen haben sich offensichtlich eine ganz besonders schwere Aufgabe ausgesucht und genau diese Menschen, bekommen von mir extra viel „Leben - Lieben und Lachen“ mit auf den energetischen „Umschlag“ der aber trotz meinem Mitgefühl ebenfalls postwendend und ohne Antwort zurück an den Absender geht. 
 
Anteilnahme ist bunt und hat unglaublich viele verschiedene Facetten... 
Durch mein offenes „mit meiner Trauer umgehen“ - ziehe ich natürlich sämtliche Formen davon an wie ein Magnet. 
Und dafür bin ich von Herzen dankbar denn durch diese bunte und weitgefächerte Anteilnahme ist mir so unglaublich viel positives widerfahren in den letzten Wochen. 
Ja - auch durch die paar vermeintlich „negativen“ Reaktionen in meinem Umfeld - denn sie haben mich dazu gebracht, mich mit Themen auseinanderzusetzen, die mir vorher überhaupt noch nicht bewusst waren. 
Alles, was uns im Außen widerfährt, hat auch immer etwas mit uns selbst zu tun. Das ist das Spiegelgesetz das uns die Gelegenheit zum Wachstum gibt - wir können diese Gelegenheit ergreifen und uns weiterentwickeln, oder wir können sie auch verstreichen lassen bis sie irgendwann halt dann wieder um die Ecke schleicht - bis wir uns endlich darum kümmern... 
Ich bin dankbar, dass ich so einen - für mich - gesunden Weg der Trauer gefunden habe von dem ich mich auch durch niemanden abbringen lasse. 
Ich bin dankbar das ich bereits jetzt, nach so kurzer Zeit, meinen Frieden mit diesem Schicksal gefunden habe. 
Ich bin dankbar, dass keine blöden Fragen nach dem „warum“ in meinem Kopf herumschwirren, sondern dass ich die Tatsache, dass mein Kind gestorben ist, akzeptieren kann. 
Ich bin dankbar für meinen Leitsatz: „Lieben was ist“ der mir immer besser gelingt. 
Und ich bin dankbar für die unendlich tiefe und absolut unsterbliche Liebe die zwischen mir und meinem Sohn fließt - auch wenn er jetzt nicht mehr in seinem menschlichen Körper lebt. 
„Unsere Verbindung bleibt für immer bestehen“ - diesen Satz hat Felix mehrfach in seinem letzten Gedicht, kurz vor seinem Tod - an mich geschrieben - und ich spüre die Wahrheit dahinter mit jedem Tag mehr. 


06.02.20

 
Trauer kommt in unterschiedlichen Wellen daher - und an manchen Tagen gehen diese Wellen tiefer und immer tiefer während sie an anderen Tagen nur leicht - als ständige „Hintergrundmusik“ sanft vor sich hinplätschern. 
Manchmal - (und in meinem Fall zum Glück meistens) - überwiegt meine große Dankbarkeit für wunderschöne, 13 unbekümmerte Jahre mit meinem liebevollen Sohn, manchmal übernimmt aber auch die große Traurigkeit das Ruder. 
Für jemanden der diese Erfahrung nicht selbst gemacht hat, ist es schwer bis gar nicht vorstellbar, wie tief man an den sogenannten „schlechten Tagen“ innerlich „ins bodenlose Nichts“ abtauchen kann. 
Wie stark das Feuer des Schmerzes brennen kann, wie zerfetzend und zerreißend sich das eigene Herz anfühlen kann - ein Mutterherz, dass aus Liebe und völlig ohne zu zögern für seine Kinder sterben würde - und nun mit dieser verdrehten Reihenfolge zurechtkommen muss, dass geliebte Kind vor dem eigenen Tod gehen lassen zu müssen. 
Ich stelle mich geduldig auch den tiefsten Tiefen - wenn die Welle kommt, dann tauche ich bewusst ein. 
Und wenn es ein Tsunami ist, dann stelle ich mich ihm entgegen und überstehe auch diesen. 
Immer und immer wieder... 
Weil ich weiß, dass der Sturm irgendwann langsam auch wieder abebben wird. 
Weil ich weiß, dass mir nichts passieren wird während ich diese Schmerzen ertrage. 
Weil ich weiß, dass jede einzelne Träne meine tiefe Wunde in die Heilung bringen wird. 
Weil ich weiß, dass mein Sohn immer ganz nah bei mir ist. 
Wenn ich diesem Sturm, entstanden aus dem größten Schmerz meines Lebens, erlaube mich so richtig durchzuschütteln, wenn ich ihm sozusagen eine Daseinsberechtigung gebe und ihn ernst nehme, wird er irgendwann auch wieder von mir ablassen. 
Wenn ich ihn hingegen verdränge oder leugne, braut er sich immer größer zusammen. 
Dieser Schmerz ist nicht mein Feind, ich muss ihn nicht bekämpfen, er ist nicht „negativ“. 
DAS wäre nur eine Bewertung. 
Dieser Schmerz gehört nun zu mir, er ist seit dem 02.12.19 einfach ein Teil von mir und ich bewerte ihn nicht. 
Trotzdem... 
Sie tun weh - diese Minuten - diese Stunden - diese Tage. 
In der Seele, aber auch im Körper. 
Die Schulter tragen schwer - der Nacken versteift. 
Der Kopf schmerzt extrem, weil der Verstand ohne Ende versucht, mir Mittel und Wege aus dem Schmerz - sozusagen „schmackhaft“ zu machen. 
Er würde sich lieber ablenken oder irgendwie betäuben und ist deshalb im ständigen Kampf mit dem Herzen. 
Das Herz stolpert und findet oft keinen regelmäßigen Rhythmus mehr, weil es sich verzehrt vor Sehnsucht. 
Die Augen sind müde, schwer und geschwollen. Aus tiefster Verzweiflung zu weinen ist unglaublich anstrengend und kostet viel Energie. 
Der Körper ist müde, findet aber keine wirkliche Ruhe. Er ist rastlos und unruhig. 
Beschreiben kann man all diesen Schmerz nur schwer. 
Ich muss immer wieder erkennen, wie hilflos die menschliche Sprache in schriftlicher und mündlicher Form sein kann, um wahre Empfindungen auszudrücken. 
Zum Glück geht selbst der größte Sturm irgendwann wieder vorüber - und nach jedem Sturm fühle ich mich ein kleines bisschen leichter und befreiter. 
All das ist ein normaler und ganz natürlicher Prozess - all das gehört zur Trauer dazu. 
Wichtig ist nur, diesen Prozess zu (er)leben - mit all seinen Facetten. 
Heute danke ich mir selbst, dass ich mich nicht feige verstecke, sondern mich immer wieder mutig all dem stelle, was gerade ist. 
Und ich danke meinem wundervollen Ehemann der mir so viel Raum für meine Trauer gibt wie ich brauche. Der mich auffängt und der versteht, dass ich an manchen Tagen einfach ganz alleine mit meinem Schmerz sein muss. 
Der sich nicht aufdrängt aber immer bedingungslos für mich da ist. 
Der es mir ermöglicht, dass ich mir diese Auszeit nehmen kann um die Scherben meiner Selbst wieder aufzusammeln. 
Und vor allem - der trotz unserem Drama mit mir lacht und mich immer wieder aufmuntert - ohne mich abzulenken... 
Danke für diesen innigen Fotoschnappschuss aus Singapur - Felix Lieblingsstadt in der wir eine unglaublich tolle und intensive Zeit hatten... 


28.01.20

 

„Richtig“ trauern.
 

Heute Nacht bekam ich eine „Anfrage“ zu diesem Thema. 
Eine Anfrage, wie ich das denn eigentlich hinbekomme mit der Trauer. 
Gibt es eine Art „Gebrauchsanweisung“ für „richtiges“ trauern? 
Diese Person hat sich in ihrer Trauer regelrecht verloren und irrt schon seit vielen Jahren umher auf der Suche nach Frieden. Selbst nach vielen Jahren quält sie sich noch immer mit dem „Warum“ umher, sie hat verlernt zu lachen, sie hat verlernt zu leben. 
Und sie ist immer mehr dazu geneigt, andere zu verurteilen die „anders“ und in ihren Augen „leichter“ trauern. 
Diese Person empfindet das als völlig ungerecht. 
Neben den hilflosen, verzweifelten Zeilen konnte ich auch sehr gut die Anklage und auch Vorwürfe über meine Art zu trauern heraus lesen... 
Ich möchte meine Antwort an diese Person zwar natürlich anonym - dennoch aber öffentlich schreiben - ich möchte dieses Tabuthema offen ansprechen denn ich kann wirklich nicht verstehen, warum so wenige Menschen offen darüber sprechen. Warum der Tod in unserer Gesellschaft eigentlich ein so großes Tabu geworden ist. 
Wir alle hier auf dieser Erde leben in der Dualität. 
Es gibt das schwarze - es gibt das weiße, es gibt das helle - es gibt das dunkle, es gibt das Licht - es gibt den Schatten und es gibt das Leben und den Tod. 
Und all das gibt es zu genau den gleichen Anteilen. 
Yin & Yang... 
Die beiden Seiten die für polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene duale Kräfte oder Prinzipien stehen. 
Die sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen. 
Es gibt unter’m Strich kein „mehr hell als dunkel“, kein „mehr fröhlich als traurig“. 
Das gibt es immer nur phasenweise, wenn dieses „Yin & Yang“ mal wieder im Ungleichgewicht ist. Und das ist es natürlich ständig. 
Abwechselnd in die eine - und dann wieder in die andere Richtung. 
Aber nur wer es schafft, diese beiden Teile in der gleichen Intensität anzunehmen, zu akzeptieren, zu integrieren... kann überhaupt mit sich im Frieden sein. 
Ich kann nicht den Tod, den Schmerz und das Leid verleugnen, verurteilen und als „schlecht“ bewerten und gleichzeitig erwarten, vom Leben und vom Glück umspült zu werden. 
Das funktioniert einfach nicht. 
Unsere Aufgabe ist es, beide Seiten zu gleichen Teilen zu leben, zu akzeptieren und zu harmonisieren. 
Es funktioniert einfach nicht, die dunklen, unliebsamen Seiten tot zu schweigen, zu verdrängen und weg zu leugnen. 
Ein „darüber spricht „man“ nicht“ - hilft übrigens schon gleich 3x nicht. 
Im Gegenteil... 
Es funktioniert nicht, immer nur die hellen Seiten darzustellen und nur die guten Tage „anzunehmen“ und zu fühlen. 
Dieses Verhalten macht uns alle nur gefühlskalt, krank und stumpf... 
„Der Tod gehört zum Leben dazu“ - dieser Spruch ist mit Sicherheit uralt. 
Und doch möchte diese Tatsache niemand so richtig akzeptieren und schon gleich gar nicht möchten sich die meisten damit auseinandersetzen ... 
Auch ich habe diesen „Spruch“ - diese „Regel“ schon einmal missachtet. 
Auch ich habe den Tod nicht akzeptieren wollen und auch ich habe mich quälend mit den großen „Warum Fragen“ herumgeschlagen. 
Als mein Verlobter starb, bin ich genau diesen Weg gegangen, den so unglaublich viele Menschen gehen. Ich habe meine unendliche Traurigkeit als „schlecht, böse, schmerzhaft“ bewertet und wollte um jeden Preis verhindern, sie aushalten zu müssen. Ich habe wirklich alles mir Mögliche unternommen, diesen Schmerz nicht fühlen zu müssen und das funktionierte viele Jahre ziemlich gut. Ich lebte wie in einem Schutzkokon. Es ging mir „gut“. Doch ich fühlte irgendwann überhaupt nichts mehr. 
Keine Trauer - keine Freude, keinen Schmerz - keine Glücksgefühle. 
Ich stumpfte total ab und mein großer Schmerz musste sich irgendwann andere Ventile suchen um endlich eine Art „Daseinsberechtigung“ zu erlangen. 
In meiner ganz eigenen Geschichte manifestierte sich mein ungelebter Schmerz als schwere Krankheit in meinem Körper und so wurde ich viele Jahre nach diesem Todesfall regelrecht gezwungen, mich endlich mit meiner Trauer auseinanderzusetzen, weil ich ansonsten womöglich tatsächlich gestorben wäre. 
Mein Fazit: 
All die vielen Jahre der Verdrängung hatten überhaupt nichts bewirkt. Der Schmerz war noch immer in der gleichen Intensität vorhanden und zusätzlich zu diesem Verlustschmerz musste ich mich jetzt auch noch mit all den dazu gekommenen „Nebenwirkungen“ herumschlagen die ich vermutlich nie bekommen hätte, wenn ich meine Trauer von Anfang an gelebt hätte. 
Ich vergleiche das gerne mit einer körperlichen Wunde... 
Du kannst eine tiefe, frische Wunde von Anfang an versorgen - das tut sehr weh denn sie muss komplett gereinigt und desinfiziert werden. Das brennende Mittel muss jeden Winkel erreichen damit die Wunde gut verheilen kann. Und das womöglich mehrfach. 
Aber Du kannst eine tiefe, frische Wunde auch einfach ignorieren. Du kannst Schmerzmittel nehmen oder Alkohol trinken um sie nicht zu spüren denn Du weißt, irgendwann heilt sie dann schon irgendwie zu. 
Bei der ersten Möglichkeit die Wunde zu versorgen, wird es eine gute Narbenbildung geben die Dich zwar immer an diesen Schmerz erinnern wird, aber die Wunde wird sauber von innen nach außen heilen. Die Narbe wird nicht verschwinden, aber sie wird Dich auch nicht ständig quälen. 
Bei der zweiten Möglichkeit jedoch, wird die Narbe hässlich und wulstig sein und Dich Dein Leben lang quälen und wenn Du Pech hast, wird sich die Narbe sogar entzünden und dicker Eiter wird von innen nach außen quellen. Der Schmerz wird Dir keine Ruhe lassen und wenn Du richtig Pech hast, muss die Narbe dann erneut aufreißen um sie endlich richtig zu reinigen. Doch das verhärtete Narbengewebe wird Dich noch zusätzlich schmerzen... 
Ich kenne diesen zweiten Weg und diesen Schmerz nur zu gut - und aus diesem Grund habe ich beschlossen, mich dieses Mal sofort gründlich um meine Verletzung zu kümmern. 
Vom ersten Tag an stand für mich fest, dass ich dieses Mal einen anderen Weg gehen muss und bereits jetzt, nach gerade mal 8 Wochen, kann ich fühlen, wie sich tiefe Heilung um diese größte Verletzung meines Lebens legt. 
Das ist sozusagen mein „Rezept“ für einen (in meinen Augen) natürlichen, gesunden Trauerprozess. 
Ich habe mich diesem Prozess vom ersten Tag an komplett hingegeben. 
Medikamente und Alkohol, Drogen jeglicher Art waren und sind für mich absolut tabu. 
Ich drücke kein einziges Gefühl weg, ich lebe (und liebe) was ist - immer genau in diesem Moment... 
Wenn ich traurig bin, dann weine ich und wenn ich fröhlich bin, dann lache ich. Meine Gemütslage ist immer nur JETZT. Wenn mich jemand fragt wie es mir geht, dann kann ich keine pauschalen Antworten wie „gut“ geben denn dieser Trauerprozess ist in jedem Moment anders. So wie auch die körperliche Wunde manchmal mehr, und dann wieder weniger schmerzt... 
Trauer ist bunt - sie zeigt sich in vielen verschiedenen „Gewändern“. 
An manchen Tagen fühle ich Druck in mir der tatsächlich nach Einsamkeit ruft. Ich folge diesem Ruf, laufe alleine durch einsame Gegenden und gebe mich dem hin, was gerade ist. In diesen Zeiten „verschwinde“ ich aus dieser Welt. Kein Handy, keine Nachricht, nur ein „ich bin dann mal weg - auf unbestimmte Zeit“. 
Wenn die Welle abebbt, komme ich gestärkt zurück und meine Wunde ist ein kleines Stückchen mehr verheilt. 
Mittlerweile habe ich auch tatsächlich schon wieder Tage, an denen es mir richtig gut geht. Dann schwelge ich in alten Erinnerungen und lache mit meinem Sohn über seine Späße. Ich denke ein: „weißt Du noch, damals als........“ und ich fühle ihn so herzhaft in meinem Herzen lachen das ich automatisch mitlachen muss. 
Ich wurde vom Leben auf dieses Ereignis akribisch vorbereitet. 
Dessen bin ich mir mittlerweile sicher. 
Der Tod beschäftigt und fasziniert mich mittlerweile seit ungefähr 33 Jahren. Ich habe unendlich viele Bücher darüber gelesen und ich hatte eine wirklich krasse Nahtoderfahrung die in mir ein tiefes Wissen hinterlassen hat. 
Ich weiß, dass der Tod nicht das Ende ist und dass das „hinübergehen“ in diese andere Welt der wunderschönste und einfach der krönende Abschluss ist. 
Wir sind hier im „Bootcamp Erde“ nur lauter kleine, schwere Raupen - die sich irgendwann zu leichten, glücklichen Schmetterlingen verwandeln... 
Ich habe eine 20monatige Ausbildung zum Jenseitsmedium absolviert die im März zu Ende geht und habe dort gelernt, mit „meinen Verstorbenen“ auf verschiedene Arten zu kommunizieren. 
Ich habe unzählige Seminare zu spirituellen Themen gemacht, Familienaufstellungen, Trance Heilung, morphische Felder lesen, Hypnosesitzungen, Tierkommunikation, Rückführungen in frühere Leben und vieles mehr. 
Die letzten 9 Jahre habe ich sehr intensiv in meinem „System aufgeräumt“ und habe großes Vertrauen in dieses Leben gefunden. Ein Vertrauen, das mir jetzt Zugutekommt denn kein einziges Mal habe ich mir selbst oder dem Leben die Frage nach dem „Warum“ gestellt. 
Es ist nicht wichtig, warum mein Kind gestorben ist. Fakt ist, dass mich diese Frage zermürben würde - also, warum sollte ich sie stellen und mich damit herumquälen? Auf diese Frage gibt es für mich nur eine Antwort: 
„Seine Zeit hier auf der Erde war einfach vorbei. Das muss und darf ich akzeptieren“. 
Die quälenden Fragen nach dem „Warum“ oder „was wäre wenn...“. Sämtliche Vorwürfe und Schuldgefühle würde die Wunde nur offenhalten und sie infizieren. Sie würde sich entzünden und der Schmerz würde unerträglich werden. Ich kenne diesen Schmerz, ich habe draus gelernt und brauche und möchte ihn kein weiteres Mal... 
Vielleicht rütteln den ein oder anderen meine Worte ein bisschen auf. 
Das wäre schön... 
Ich habe mir ganz am Anfang die Frage gestellt, was wäre im umgekehrten Fall? Was würde ich mir für mein Kind wünschen, wenn ich vor ihm gegangen wäre? Ich glaube, diese Frage ist leicht zu beantworten... 
Ich würde meinem Kind ein tolles Leben wünschen, ein Maximum an Spaß, Liebe und Gesundheit. Ich würde mir wünschen, dass mein Sohn glücklich ist - mit mir im Herzen. Niemals würde ich wollen, dass er in einem schwarzen Tal der Trauer versinkt und aufhört zu leben - obwohl er auf der Erde doch noch am Leben ist. 
Diese Frage hilft mir sehr, immer wieder nach vorne zu schauen. 
Mein Sohn Felix und ich, wir waren in tiefer Liebe sehr eng miteinander verbunden - vor allem in der letzten Zeit. Ich weiß, er würde leiden, wenn ich mich jetzt nicht mit diesem Thema auseinandersetzen würde. Wenn ich keine Heilung zulassen würde. Er würde leiden, wenn ich mich gehen lassen würde oder meinen Schmerz betäuben und wegdrücken würde. 
Ich weiß, viele wollen und sollen genau diese Erfahrungen machen, aber bei vielen ist es gar nicht nötig. 
Ich spüre meinen Sohn, ich kommuniziere mit ihm und er schickt mir - und seiner ganzen Familie - wunderschöne Zeichen. Er lässt uns wissen, dass es ihm gut geht. Das funktioniert allerdings nur so gut, weil wir alle offen dafür sind - er kann nur zu denen durchdringen, die bereit sind zu glauben, dass er nach wie vor da ist. Genau wie früher - nur auf komplett andere Art und Weise. 
Diejenigen, die sich nicht öffnen wollen für all den „Quatsch“ und „esoterischen Mist“ - die können unsere Verstorbenen leider nicht erreichen. Es ist wie eine Telefonleitung die in der Verbindung gekappt ist. Wenn der Zweifel und die Angst größer ist dann funktioniert die Verbindung leider nicht - und DAS ist richtig frustrierend für unsere Verstorbenen die uns so gerne mitteilen möchten, dass es ihnen hervorragend - in Felix Worten: fantastisch geht... 
Ich hoffe, ich konnte in diesem Text einige Fragen die mir gestellt wurden beantworten... 
Das hier ist nur meine Sicht der Dinge die aus meinen eigenen Erfahrungen entstanden sind. 
In Liebe 
Sabine mit Felix ganz fest im Herzen 


24.01.20

 
Gestern habe ich endlich angefangen mein Buch zu schreiben... 
Einfach ist das nicht. 
Ich muss die schmerzhaftesten Erinnerungen wieder hervorholen um sie niederschreiben zu können. 
Dabei wäre es doch viel einfacher, sie zu verdrängen. 
Aber dann würde ich die Trauerarbeit nur verschieben und das möchte ich nicht... 
Ohne Tränen funktioniert dieses Buch nicht - aber wenn ich so stark weine, kann ich nicht schreiben... 
Also tauche ich tief hinab in den Schmerz und reinige die Wunde durch meine vielen Tränen. 
Solange, bis ich wieder sehen und weiterschreiben kann. 
Manchmal funktioniert das nur für ein paar wenige Worte, dann überrollt mich die Schmerzwelle erneut. 
Ich lebe die tiefe Traurigkeit so lange, bis ich endlich alles aufschreiben kann. 
Dann lese ich meine Sätze noch einmal durch, betrachte dadurch alles von einem anderen Blickwinkel und es geht erneut los - und jedes Mal fühlt es sich komplett anders an. 
Manchmal laufen die Tränen leise und warm über mein Gesicht, manchmal mehr, unendlich viel, und manchmal weniger. 
Ein anderes Mal fühlen sie sich ätzend an. Meine Augen fangen an zu schmerzen als würde ich Säure weinen. 
Beim nächsten Mal schwellen die Lymphknoten in meinem Hals so extrem an, dass ich kaum noch schlucken kann und hin und wieder sprühen die Tränen regelrecht aus meinen Tränenkanälen so dass meine Brille von innen tatsächlich vollgespritzt wird. 
Manchmal muss ich mich zusammenkrümmen, ein anderes Mal hektisch herumlaufen. 
Manchmal weine ich laut, dann wieder ganz leise... 
Es gibt unglaublich viele Arten zu weinen... 
Mein Buch wird sehr viel Zeit brauchen um zu entstehen - ich weine alles ab – solange, bis ich dass, was ich schreiben wollte, mit einem Lächeln schreiben kann. 
Das ist anstrengend - aber es ist meine Art der Trauerbewältigung. 
Meine ganz eigene Therapie. 
Meine eigene Form der Selbstheilung. 
Meine eigene Art der Trauer, die sich für mich gesund und natürlich anfühlt... 
Nur auf diese Art und Weise kann dieses Buch authentisch werden und andere Menschen in ihrem eigenen Schmerz erreichen... 


21.01.20

 
7 Wochen ohne Dich...
Heute möchte ich mich für das bedanken, was meine kleine Rede in der Kirche bei Felix Beerdigung ausgelöst hat.
Ich habe sehr viele Rückmeldungen diesbezüglich erhalten, offenbar habe ich mit diesen Worten bei einigen Menschen mitten ins Schwarze getroffen.
Es war mir so wichtig, die Grabrede für meinen Sohn zu halten.
Aber allein der Gedanke, dies zu tun, hat fast Panik in mir ausgelöst.
Meine Tochter wollte von Anfang an in der Kirche etwas für Felix sagen.
Ich habe das bewundert und ich war stolz auf meine starke, taffe kleine Zaubermaus.
Aber dann, erst kurz vor der Beerdigung, habe ich gespürt, dass auch ich etwas sagen „muss“.
In erster Linie wollte ich damit die Kinder trösten.
Sie mussten einfach wissen, dass es Felix gut geht - dort wo er jetzt ist.
Ich wollte ihnen die Angst nehmen.
Ich bin tatsächlich ein sehr schüchterner Mensch, ich kann das ziemlich gut überspielen aber es kostet mich eine unglaubliche Kraft.
Mich an den Altar zu stellen und vor der vollen Stadtpfarrkirche für mein geliebtes Kind eine Grabrede zu halten - das war mit Abstand die größte Mutprobe meines bisherigen Lebens.
Ich habe diese Worte erst kurz zuvor aufgeschrieben.
Schnell und ohne Korrektur...
Mit dem Pfarrer war ausgemacht, dass wir ihm ein Zeichen geben ob wir sprechen wollen oder lieber nicht.
Und dann war es soweit.
Meine Tochter sprach zuerst, wir hielten uns an den Händen und auf einmal verflog unsere Angst.
Es wurde warm zwischen uns und ich hörte verblüfft meine eigene Stimme die so klar und deutlich sprach, als wäre sie gar nicht von mir. Die Geschwindigkeit war perfekt, ebenso die Lautstärke. Ich sprach deutlich und betonte richtig. Keine Spur von Nervosität.
Ich war fasziniert von diesem Geschehen...
Ich wurde in diesem Moment von der geistigen Welt „geführt“ und wurde seltsamerweise auf einmal irgendwie zum Zuschauer.
Ich sah in hunderte Gesichter, ich fühlte hunderte Herzen in diesem einen Moment.
Und ich spürte Hoffnung.
Felix war so stolz auf seine Schwester und seine Mama - wir konnten das beide sehr deutlich fühlen.
Diese Worte waren wichtig.
Für uns - aber vor allem für diejenigen, die zulassen konnten, dass sie einen Weg in ihr Herz finden durften...
Ich wurde gebeten, diese Worte zu veröffentlichen...
Danke P. für diese Bitte.
Danke, dass ich Dein Herz so sehr berühren durfte...
 
Grabrede für meinen Sohn Felix Ehling:
 
„Auch wenn es mir sehr schwer fällt möchte ich trotzdem ein paar Worte sagen, weil ich weiß, dass mein Sohn das extrem cool gefunden hätte. 
Der Name Felix kommt aus dem lateinischen und bedeutet übersetzt: „der Glückliche...“ 
Und genau das war unser Felix auch. 
Sein Lebensmotto lautete: „mein Leben ist fantastisch“ - und genau mit dieser fröhlichen Einstellung ging er auch durch sein Leben. 
Und auch wenn er nur so kurz bei uns war, so war sein Leben doch vollendet und unglaublich intensiv. 
Aufgrund seiner glücklichen Grundeinstellung habe mich ganz bewusst nicht in schwarze Kleidung gehüllt, denn so hätte mich Felix ja gar nicht erkannt. 
Er kennt seine Mama nur fröhlich und bunt, vor allem rosarot, und genau das versuche ich, trotz dem Schmerz, weiterhin für ihn zu sein - denn er ist nicht einfach weg. 
Er ist ganz nah bei uns. 
Bei jedem einzelnen, in diesem Moment. 
Ich weiß und ich spüre mit jeder Faser meines Seins, das es ihm sehr sehr gut geht auf der anderen Seite. 
Ich weiß, dass da göttliche Wesen sind, die liebevoll auf unseren Sonnenschein aufpassen. 
Felix hat uns in den letzten Tagen viele wunderschöne Zeichen geschickt die selbst Menschen verstanden haben, die in keiner Weise gläubig sind. 
Das macht mich unheimlich stolz und ich kann fühlen, wie aufregend und spannend er alles findet was gerade passiert. 
Ich möchte Euch bitten, offen zu sein für seine Botschaften, ich möchte Euch bitten, hört nicht auf von ihm zu sprechen und vor allem, hört nicht auf zu lachen, wenn ihr an seine lustige Art, an seine Streiche und Witze denkt. 
Er ist nicht fort - er ist nur an einem anderen Ort.“ 


17.01.20

 
31 Zeilen...
Wenige Tage vor Deinem plötzlichen Tod hast Du mir ein sehr langes Gedicht geschrieben.
31 Zeilen, die mich erst Tage nach Deinem Tod erreicht haben.
31 Zeilen die ich erst jetzt nach und nach so richtig anfange zu begreifen.
31 Zeilen deren Zwischenzeilen ich erst jetzt so langsam entdecke und immer mehr verstehe.
Dein menschlicher Verstand konnte nicht begreifen und erfassen was passieren wird. Trotzdem hat tief in Deinem Inneren ein Teil von Dir wohl schon länger gewusst, dass sich Dein Leben sehr stark verändern wird. So wie die kleine Raupe „Schmatz“ in Deinem Lieblingsbuch die eines Abends sehr nachdenklich zu ihrer Schnecken-Freundin „Schmierle“ sagte:
 
„Irgendwie fühle ich mich heute anders als sonst. Ich spüre, dass mein Raupenleben sich ändert. Das geschieht bei uns Raupen irgendwann...“


Auch Du hast Dich verändert - auch Du hast Dich, genau wie „Schmatz“ verwandelt in einen wunderschönen, schillernden Schmetterling und bist fröhlich und leicht in Deine neue Freiheit geflogen.
Du bist nicht einfach spurlos verschwunden.
Du hast Botschaften hinterlassen die uns „übrige Raupen“ hier unten im „Bootcamp Erde“ trösten.
Botschaften, die ich nun weitergeben darf damit sie diejenigen erreichen, die Zuspruch, Mut und Trost benötigen.
Was Du mir in Deinem letzten Gedicht geschrieben hast ist so wunderschön und hilft mir wirklich sehr in dieser Zeit des Loslassens.
Du hattest mir erzählt, dass Du an einem Gedicht für mich schreibst.
Tagelang hast Du daran gearbeitet und Du hast mit leuchtenden Augen zu mir gesagt:
„Mama, Du wirst so arg weinen, wenn Du mein Gedicht liest...“
Es stimmt...
Du hattest recht.
Ich kann es nicht lesen ohne zu weinen.
Du hast den Satz damals wohl anders gemeint, ich sollte vor purer Freude weinen, aber wenn man ihn jetzt von der anderen Perspektive aus betrachtet, dann stimmt er wieder.
Jetzt weine ich aus der tiefsten und unendlichsten Traurigkeit heraus die es nur geben kann - aber auch aus dem Gefühl der Freude und der tiefen Dankbarkeit denn auch diese Gefühle mischen sich in mein Gefühlschaos.
Dankbarkeit für dieses unglaublich wertvolle, letzte Geschenk.
Hier ein kleiner Auszug, ein paar Deiner Worte, nur ein paar Deiner vielen Zeilen...

„Auch wenn ich manchmal blöd zu dir bin, du bist die beste Mama und unsere Verbindung fällt niemals hin.
Ob in Bali, Australien oder Kanada, du bist immer für mich da.
Ich bin dein Sohn und hab manchmal nen Knall, doch die Verbindung bleibt stehen, sogar weit weg wie in der Dubai-Mall.
Ich will, dass du weißt ich liebe dich,
danke für all das viele lachen und auch für mich.
Ich danke dir, dass ich dein Sohn sein darf,
und danke für die schönen Jahre.
Das war mein Gedicht an dich,
Gib das Feedback bitte an mich.
Dein Felix“


Ich versuche, Dir mein Feedback über meine Gedanken und die Verbindung unserer Herzen zu übermitteln, und Du schickst mir als Antwort fröhliche und bunte Zeichen die mich zum Lachen bringen und mich trösten. 
Mein liebster Sohn, Du fehlst mir hier so unendlich das ich es gar nicht beschreiben kann. 
Was mir aber hilft nicht einfach im Tal der tiefen Traurigkeit zu verschwinden ist meine tiefe Dankbarkeit für Dich, für Deine liebevollen Zeilen, für all Deine Zeichen mit denen Du mich wissen lässt, dass Du immer noch da bist und dass es Dir gut geht. 
DANKE 


12.01.20

 
Gerne erzähle ich noch einmal, was wirklich geschehen ist. 
Felix Zeit hier war rückwirkend gesehen wohl einfach abgelaufen... 
Er hatte einen harmlosen, grippalen Infekt. 
Nicht weiter schlimm. 
Wir waren beim Arzt, er bekam einen Hustensaft und sollte sich zuhause erholen. 
Der Arzt fand absolut nichts Besorgniserregendes. 
Er war ein bisschen müde aber wie immer sehr fröhlich, er hatte kein Fieber und wir hatten eine wunderschöne und sehr liebevolle, letzte Woche zusammen. 
Als er ging war er bei seiner Oma über Nacht. 
Er wollte so gerne bei ihr übernachten und aß mittags noch einen leckeren Wildschweinbraten. 
Er war guter Dinge, hat noch seinen besten Freund getroffen um mit ihm zu lernen und ich habe noch 2 Stunden vor seinem Tod mit ihm gechattet. 
Seine Worte waren so voller tiefer Liebe. 
Er schrieb mir 2x wie sehr er mich lieben würde und das ich wissen muss, dass unsere Verbindung so tief ist, dass sie niemals abreißen wird. 
Ich habe mich gefreut und war sehr gerührt über seine Worte, über die vielen roten Herzen und Küsse in seiner WhatsApp. 
Über sein ehrliches „Mama ich liebe dich so sehr...“ 
Da mein Sohn immer sehr liebevoll war, hatte ich keinerlei Vorahnung was passieren würde. 
Alles war ganz normal und wie immer. 
Auch mit seinem Vater hat er kurz zuvor noch telefoniert um ihm zu sagen, wie lieb er ihn hat. 
Beim Einschlafen war er unruhig und setzte sich dann irgendwann im Bett auf mit den Worten: „Oma, irgendwie geht’s mir nicht so gut“. 
Sie nahm ihn in den Arm und da wurde er bewusstlos. 
Ganz leise, ganz still, ganz friedlich. 
Kurz danach hörte sein Herz auf zu schlagen. 
Einfach so... 
Der Notarzt erklärte später, der sogenannte „Impulsgeber“ von seinem Herz hat einfach seine Arbeit eingestellt. 
So etwas passiert manchmal - einfach so. 
Ein sogenannter „Sekundentod“. 
Es gab keinen Kampf, keinen Krampf, keine Schmerzen, keine Angst. 
Felix ist ganz friedlich eingeschlafen im Arm seiner lieben Oma. 
Wäre ich gezwungen gewesen es mir auszusuchen, ich hätte mir keinen schöneren Tod für ihn wünschen können. 
Auf dem Totenschein steht als Ursache: Herz- und Kreislaufversagen... 
Er lag total friedlich im Bett und er sah wunderschön aus als wir uns alle von ihm verabschiedet haben. 
Felix ging und geht es noch immer gut! 
Nur jetzt in einer anderen Form. 
Danke 


08.01.20

Ohne Dich...
Zwei Worte - die so schwer zu ertragen sind. 
Zwei Worte, die so sehr auf meiner Brust lasten. 
Zwei Worte, die so endgültig sind. 
Der Schmerz nimmt mir die Luft. 
Sobald ich versuche zu schlafen, blockieren meine Atemwege und zwingen mich im Laufe der Nacht in eine aufrechte Position. 
Das lange Dunkel der Nacht umhüllt mich tröstlich und ich fühle Dich ganz nah bei mir. 
Ich spüre, wie gut es Dir geht - dort wo Du jetzt bist. 
Ich kann die Freude und den Spaß fühlen den Du dort hast. 
Du schickst mir Zeichen, tröstest mich so gut Du kannst. 
Trotzdem bin ich einfach so tief und so unendlich traurig. 
Nie wieder wirst Du fröhlich plappernd durch die Türe kommen und mich zu aller erst mal in den Arm nehmen. 
Das hatte immer Vorrang - oft sogar noch bevor Du den Schulranzen abgelegt hattest. 
Nie wieder wirst Du mir mit Deiner schönen Stimme sagen können das Du mich lieb hast. 
Nie wieder wirst Du mich freudestrahlend im Monopoly besiegen und stundenlang mit mir „Kniffel“ spielen. 
Wir wollten doch noch so viel sehen. 
Wir wollten doch noch so viele tolle Reisen machen... 
Wie gerne wären wir noch einmal mit Dir nach Singapur geflogen. Die Stadt, die Dich so sehr fasziniert hat. 
Wie gerne hätte ich erlebt wie Du erwachsen wirst... 
Ich weiß, es geht Dir gut. 
Aber die brennende Sehnsucht in mir nach meinem Kind, die lässt sich leider nicht abstellen. 
Ich möchte Dich schützen, Dich halten, Dich wiegen und über Deine Späße lachen - so wie ich das immer getan hab. 
Aber all das ist nicht mehr möglich. 
Nie wieder. 
Dein Körper, der in meinem Bauch entstanden ist, ist einfach für immer verschwunden. 
Mir bleibt nur die Akzeptanz der Tatsache, dass Du gegangen bist und die große Dankbarkeit, dass ich Dich haben durfte. 
Es gelingt mir relativ gut. 
Kein einziges Mal habe ich mir die „Warum Frage“ gestellt und ich konnte das was passiert ist auch von Anfang an annehmen und akzeptieren. 
Ich hadere nicht mit meinem Schicksal, fühle mich nicht vom Leben betrogen - trotzdem schmerzt die Wunde die Dein plötzliches Gehen in mir verursacht hat enorm. 
Aber Du hast mir auch ein Geschenk gemacht. 
Du hast mir ein Stückchen Freiheit zurückgegeben denn ich muss mir nun nie mehr Sorgen um Dich machen. 
Dadurch ist mein Herz - neben dem Schmerz und dieser tiefen Verwundung - tatsächlich ein Stück leichter geworden. 
Seit ich damals erfuhr, dass ich mit Dir schwanger bin hatte ein Teil in mir immer Angst um Dich. 
Eine Angst, die mich 13 1/2 Jahre lang ständig begleitet hat. 
Eine Angst, die uns Mütter und Väter alle immerzu begleitet wie ein dunkler Schatten. 
Die Angst Dich zu verlieren war groß und quälend. 
Diese Angst um Dich - die hast Du nun mitgenommen. 
Ich bin komplett davon befreit denn nun kann Dir nichts mehr passieren. 
Du hattest den schönsten, sanftesten und angenehmsten Übertritt den man sich als Mensch nur wünschen kann und Du hast dafür gesorgt, dass wir alle wissen, wie gut es Dir geht. 
Und dafür bin ich Dir tatsächlich unendlich dankbar... 
Das ist einer der Schätze die ich im Tal der Trauer bis jetzt bergen durfte. 
Und es sind weitere Schätze hier für mich verborgen. 
Es ist nicht alles schwarz, grau und negativ hier „unten“... 
So seltsam das auch klingen mag... 
Aber ich sehe Deine Geschenke „glitzern“ und wenn die Zeit gekommen ist, werde ich diese Schätze, die Du mir hinterlassen hast, Stück für Stück heben dürfen... 


01.01.2020

 
1 Januar 2020 
4 Wochen ohne Dich... 
Heute habe ich einen schlimmen Kater. 
Mir ist übel, mein Kopf hämmert und ich fühle mich einfach nur krank und schlecht. 
Dabei habe ich keinen einzigen Schluck Alkohol getrunken. Unser Silvestersekt gestern war alkoholfrei und ich bin verhältnismäßig früh ins Bett gegangen obwohl wir noch Besuch hatten. 
Mein Neujahrskater kommt nicht vom Alkohol - ich habe offenbar tatsächlich einen Trauerkater. 
Gibt es so etwas überhaupt? 
Ich weiß es nicht - aber es fühlt sich so an. 
Ich bin erschöpft vom Trauern, vom Funktionieren, von all dem Trubel, vom vielen weinen, vom Umzug, vom Akzeptieren dessen was ist. 
Der Schmerz zehrt an mir und schöpft meine Energiereserven leer. 
Lieber hätte ich einen alkoholbedingten Kater. 
Der würde irgendwann einfach wieder verschwinden - wie lange mich mein ganz persönlicher Trauerkater quälen wird, weiß ich leider nicht. 
Was ich aber weiß ist, dass ich diesen Weg gehen muss und dass ich diesen Kater aushalten muss. 
Ob ich möchte oder nicht. 
Niemand wird vor einem Schicksalsschlag gefragt, ob er bereit ist, die Schmerzen überhaupt auszuhalten. 
Niemand wird gefragt, ob er diesen Weg denn eigentlich gehen möchte. Und niemand ist so wirklich darauf vorbereitet... 
Es ist, als würde man einfach rücklings in einen tiefen Abgrund geschubst. Ist man erst mal im freien Fall, gibt es kein Zurück mehr. 
Wir konnten unseren Sonnenschein nicht retten, er ging schneller, als wir alle überhaupt reagieren konnten. 
Niemand konnte seine Reise auch nur im Ansatz erahnen oder irgendwie verhindern. 
Von einer Sekunde zur nächsten, von einem Herzschlag zum nächsten, war er einfach weg... 

Ich hielt seinen Körper in meinen Armen, ich streichelte seine eiskalten Wangen und küsste die drei „Glücksmuttermale“ in seinem Gesicht. Ich hielt seine Hände die sich anfühlten wie kühles Wachs, strich durch seine weichen Haare und küsste ihn zum Abschied auf den für immer verschlossenen Mund. 
Er war friedlich - selig, und strahlte eine tröstende Ruhe aus. 
Ich fühlte Frieden tief in meinem Herzen - obwohl mich der Schmerz um den Verlust meines Kindes gleichzeitig zu verbrennen drohte. 
Diese Bilder und die Gefühle habe ich seitdem täglich in meinem Kopf und in meinem Herzen. 
Ich trage sie mit mir, egal wo ich bin. 
Sie quälen mich nicht, sie sind einfach da und wollen verarbeitet werden. 
Die Gewissheit, niemals wieder meinen Sohn in die Arme schließen und küssen zu können ist fast unerträglich und mir fehlt unser morgendliches Ritual unglaublich. 
Es gab keinen einzigen Tag, an dem wir uns nicht mit einer langen Umarmung einen guten Morgen gewünscht haben. Es gab keinen einzigen Tag, an dem wir uns nicht gesagt hätten, wie sehr wir uns lieben und es gab keinen einzigen Tag an dem wir im Streit auseinander gegangen wären. 
Wir haben immer alles sofort bereinigt und uns am Ende ganz lange umarmt. Unsere Beziehung war unglaublich liebevoll und achtsam... 
Nun funktioniert das alles nicht mehr wie gewohnt. 
Wir können uns nicht mehr morgens schlaftrunken in die Arme fallen und erst mal noch eine Runde kuscheln. Ich kann seine Haare vor dem Fernseher nicht mehr kraulen während er auf meinem Schoß liegt und sein ansteckendes lachen werde ich niemals wieder hören können. 

Ich weiß, dass es ihm gut geht - ich trage ihn im Herzen und wir müssen und werden nun lernen, auf anderen Wegen miteinander zu kommunizieren. 
Aber ich habe überhaupt keine Lust darauf etwas neues zu lernen. 
Ich möchte mich an so einem Tag wie heute einfach nur mit ihm zusammen einkuscheln. Gemeinsam unter die große Decke auf dem Sofa - so wie wir das immer gemacht haben. 
Aber ich wurde nicht gefragt. 
Ich muss nun lernen, irgendwie damit klar zu kommen. 
Und wie immer habe ich nun die Wahl. 
Das Leben (und wie wir es leben) ist, wie immer eine Entscheidung... 
Meine klare Entscheidung ist: 
Dankbar dass anzunehmen was ist (weil ich es eh nicht ändern kann) ! 
Im Grunde ist dies der einzige Weg, solch einen Alptraum einigermaßen heil zu überstehen. 
Jeder andere Weg würde meine tiefe Wunde nur für immer schmerzhaft offenhalten. 
Ich lese im Moment viel. 
Ich habe im Internet eine Gruppe gefunden, in der sich verwaiste Eltern austauschen und ich habe einige Bücher zum Thema geschenkt bekommen und auch selbst welche gekauft. 
Aber ich bin ein bisschen schockiert... 
Am meisten vom Austausch betroffener Eltern - aber auch von den Büchern... 
Statt zu trösten, ziehen diese Texte mich hinunter und hinterlassen ein großes Fragezeichen in meinem Kopf. 
Wie sollen sie mir helfen? 
Ein kollektives „sich gegenseitig immer noch tiefer hinunterstürzen“ hilft doch niemandem oder? 
Ich weiß, jeder trauert anders und das ist wichtig und richtig. 
Aber ich kann diesen Weg nur sehr schwer nachvollziehen... 
„Ich feiere nie wieder Weihnachten und Silvester denn mein Herz ist gebrochen“ - „eigentlich warte ich seit seinem Tod nur noch darauf, auch endlich sterben zu dürfen“ - „in der Trauerbewältigung um ihr eigenes Kind werden Sie die tiefsten Täler durchschreiten und den größtmöglichen Schmerz erleiden müssen. Daran führt kein Weg vorbei...“ 
Und diese Sätze sollen dann helfen und trösten? Mir Mut machen? 
Ich weiß, dass ich irgendwie ganz anders ticke als die meisten Menschen aber ich frage mich trotzdem, warum sich die Leute bewusst noch viel mehr quälen als sie müssten, und sich dann aber, im Gegenzug, darüber beklagen und jammern. Warum sie ihre Wunde immer wieder infizieren und somit offenhalten. 
Das tut mir tatsächlich richtig weh und ich spüre ganz stark meine Aufgabe dahinter... 
Ich spüre, dass für mich die Zeit kommen wird, diese negativen Sichtweisen zu verändern und etwas zu erschaffen, dass das Denken der Menschen in so einer Situation dreht und ändert... 
Etwas zu erschaffen, was wirklich Trost spenden und helfen kann, mit so einer Situation umzugehen... 
Kein negatives „Werk“, denn dass so etwas unglaublich weh tut, das wissen wir alle. Das müssen wir uns nicht auch noch zusätzlich durch entsprechende Schriftwerke und negative Gespräche reinziehen... 

Die große Schlüsselfrage dahinter, die ich mir vom ersten Tag an gestellt habe ist: „was wäre im umgekehrten Fall passiert?“ 
Liebe Mutter, lieber Vater. Wärst Du vor Deinem Kind gestorben - würdest Du wirklich wollen dass Dein Kind sich vor Kummer aufgibt und so sehr quält? Würdest Du wirklich wollen, das Dein Kind in Zukunft weder Weihnachten noch Silvester feiert? Aus Trauer um Dich? Würde Dir das helfen, da wo Du jetzt bist? Würde es Dir helfen, vielleicht hilflos, zusehen zu müssen, wie sich Dein Kind seinem Leid hingibt, sich selbst aufgibt? Sich das Lachen, das Lieben und das Leben verwehrt vor lauter Kummer? Würdest Du wirklich wollen, dass Dein Kind von nun an schwarz gekleidet weiterlebt und sich von nun an immer schuldig fühlt, wenn es lacht und sich am Leben erfreut? 

Glaubst Du ernsthaft, es hat etwas mit Liebe zu tun, wenn Du mit stirbst - obwohl Du noch am Leben bist? 

Wer sich diese Fragen ernsthaft stellt, der wird sich eingestehen müssen, das dies wohl niemandem gefallen würde. 
Weder den Eltern, noch den Kindern... 
Egal, wer von beiden zuerst geht... 
Ich weiß genau, dass es für meinen Sohn richtig schlimm wäre, wenn wir alle nun aufhören würden zu lachen, zu essen, zu feiern und uns zu freuen. 
Er war so ein glückliches und lebensfrohes Kind. Er würde niemals wollen, dass wir nun nicht mehr glücklich sind... 
Natürlich ist es sehr wichtig und auch richtig seine Trauer zu leben. 
Mit allen Facetten die dazu gehören. 
Aber trotz allem kann man immer die Entscheidung treffen, anzunehmen was (in diesem Moment) ist... 
Und das ist manchmal auch einfach ein schöner Moment der mit einem fröhlichen Lachen ums Eck kommt... 

Trauer kommt manchmal einfach völlig unangemeldet daher. 
Manchmal lustig - manchmal traurig. 
Es reicht eine klitzekleine Erinnerung an den geliebten, verlorenen Menschen und schon wird man von seinen Gefühlen überwältigt. 
Aber auch diese soll und darf man annehmen. 
Dann weint man halt mal plötzlich los. Das ist etwas total Natürliches, genauso wie das Lachen. 
Nur eben die andere Seite... 

Wenn wir alle immer beide Seiten der Dualität leben würden anstatt die unliebsame ständig weg zu drücken und zu verdrängen - wie einfach könnte doch unser aller Leben sein... 
Ich für mich habe jedenfalls beschlossen, meine Trauer so anzunehmen wie sie nun mal daherkommt. Ich versuche, den ganz natürlichen Weg zu gehen und immer im Jetzt zu sein. Wenn es weh tut, dann nehme ich diesen Schmerz genauso an wie ich die Phasen annehme, in denen ich über irgendwelche Dinge lachen muss. Und wenn ich glaube, den Schmerz nicht mehr aushalten zu können, dann lasse ich mich erst recht hineinfallen denn was soll mir schon passieren? 
Je mehr und je tiefer ich eintauche, desto schneller komme ich auch wieder an die Oberfläche und kann wieder Luft holen... 
Und über all diesem Prozess steht die Liebe und die Dankbarkeit... 
Es gibt für mich keine Situation, in der es keinen Grund für Liebe & Dankbarkeit gibt und die Dankbarkeit ist eh der größte Motor. 
Vor allem in der Trauerarbeit. 

Felix Tod hat mir unter anderem ein großes Stück Freiheit geschenkt denn ich bin nun frei von der ständigen Sorge, ihm könnte etwas zustoßen. Und jede Mutter - jeder Vater trägt von Anfang an diese Angst mit sich. Sie kommt zusammen mit dem Kind und ist - quasi im Schatten - immer mit in unseren Herzen. 
Ich muss mir nun keine Sorgen mehr um mein Kind machen. Ich weiß, dass es ihm gut geht und dass ihm nichts mehr zustoßen kann. 
Dafür bin ich dankbar. 
So „schräg“ das vielleicht für den ein oder anderen klingen mag... 
Und ich bin zutiefst dankbar für die 13 1/2 Jahre die wir zusammen erleben durften. 
Ich hätte mir gewünscht, dass es anders gekommen wäre. 
So gerne hätte ich meinen Sohn ins Erwachsenenalter begleitet, so gerne hätte ich gesehen, was er aus seinem Leben macht. 
Aber dies sollte nun mal nicht sein. Und das gilt es einfach zu akzeptieren anstatt nach dem „Warum“ zu fragen und sich mit Fragen zu quälen, die eh niemand beantworten kann. 
Und das geht nun mal am besten mit Hilfe der Dankbarkeit... 

Danke, dass ich die letzte Woche, die mein Felix hier auf der Erde verbringen durfte, mit ihm zusammen erleben durfte. Wir haben diese Mutter-Sohn Woche zu zweit sehr genossen. Wir haben mehr gekuschelt als sonst. Wir waren im Kino und der Film lief nur für uns beide. Wir waren zusammen essen und hatten wirklich tolle Gespräche. Wir haben, zusammen mit meiner Tochter im Chat, unsere Lieblingsserien angeschaut und haben miteinander Lebkuchen gebacken... 
Es war eine Zeit voller inniger Harmonie und tiefer Liebe. 
So als hätte bereits irgendetwas in uns gewusst, dass diese gemeinsame Reise sich bald verändern würde... 

Danke für‘s lesen... 
Danke für Eure Kommentare... 
Danke für diese Plattform auf der ich mich mitteilen kann und es jedem frei steht meine Worte zu lesen oder sie zu ignorieren... 

Eure - heute einfach mal zutiefst traurige - 
Sabine (mit Felix im Herzen) 
 


 03.12.19 - 13.12.19 
Die erste Zeit bis zur Beerdigung.

 
03.12.19
...und manchmal... 
versinkt ganz einfach alles und wird ganz schwarz. 
Und trotzdem bin ich dankbar für das, was war und was wir hatten... 
 
04.12.19
Von Herzen Danke für Eure Anteilnahme. 
Für die vielen lieben und tröstenden Worte die uns erreichen ... 
Unser lieber Felix ist völlig unerwartet von uns gegangen. 
Dieses Foto ist gerade mal ein paar Tage alt. 
Er hatte eine Bronchitis, nicht wirklich schlimm, kein Fieber, nur etwas Husten und laut Arzt auch nicht besorgniserregend. 
Ein ganz normaler Infekt eben... 
Trotzdem hat sein kleines Herz auf einmal aufgehört zu schlagen. 
Einfach so - ganz still und friedlich. 
Die Notärzte konnten nichts mehr tun. 
Er war fast auf den Tag genau gerade mal 13 ½ Jahre alt. 

Danke für 13 ½ wundervolle Jahre mit einem sehr besonderen Kind... 
Danke, dass sein Körper noch 24 Stunden bleiben durfte so dass wir alle uns von ihm verabschieden konnten... 
Danke, dass meine Tochter mit ihrem Freund es auch noch geschafft haben von Berlin anzureisen um sich zu verabschieden... 
Danke, dass wir als große Familie so eng zusammenhalten... 
Danke für das gemeinsame Trauern gestern Abend bei Kerzenschein... 
Danke für die einfühlsamen Gespräche heute beim Bestatter, beim Pfarrer, der Floristin, in der Schule... 
Danke für den „Trauerraum“ in der Schule der für unseren Schatz eingerichtet wurde und in dem die Kinder letzte Grüße für Felix aufgeschrieben und aufgehängt haben... 
Danke für die lieben Karten in unserem Briefkasten... 
Danke für die tiefe Liebe, mit der uns Felix noch immer umspült... 
 

05.12.19
Danke an die Realschule Rain für diese wundervolle Idee mit dem Raum der Trauer in der Schule.

Danke an jeden einzelnen der hier ein paar Worte oder ein Bild für unseren Felix hinterlassen hat, der hier für ihn gebetet oder einfach nur an ihn gedacht oder in Gedanken mit ihm gesprochen hat.

Danke liebe Kinder und Freunde meines Sohnes für all die wunderschönen Worte...

Wir waren heute mit der gesamten Familie dort, haben gemeinsam in diesem Raum gesessen, Eure liebevollen Botschaften gelesen und gemeinsam für Felix gebetet...

Danke für all die Wertschätzung

 

06.12.19
Wir sind tief berührt über die große Anteilnahme und über das schöne Fest heute für unseren Felix... 

Hätte Felix diese Feier geplant, sie wäre wohl ganz genauso verlaufen. 

Es gab ein Feuer, es gab Kuchen und seine Lieblingspizza. Heißer Punsch und süße Plätzchen. 

Seine Lieblingsmusik lief, und in der ganzen Wohnung, sowie im kompletten Treppenhaus, standen ganz ganz viele Kerzen. 

Viele liebe Menschen haben vorbeigeschaut und haben uns im Arm gehalten, waren einfach bei uns und JA - wir alle haben auch sehr viel gelacht. DAS tat besonders gut denn Felix hätte nicht gewollt das wir so nur traurig sind... 

Danke das Ihr alle da gewesen seid... 

Danke für all die wunderschönen letzten Grüße die Ihr für Felix auf die weißen Kerzen geschrieben habt... 

Danke, dass Ihr Euer Licht angezündet habt - damit Felix Euch sehen kann... 

Danke für die Blumen, die Geschenke, die Karten und einfach für Euer Dasein... 

Danke für Euren Mut, zu uns zu kommen... 

Dieser Abend hat uns viel Kraft gegeben. 

 

07.12.19
Heute hatten wir Schlüsselübergabe für unsere Traumwohnung... 

Es war sehr emotional und aufwühlend denn Felix hatte sich unglaublich auf diese Wohnung und auf sein neues Zimmer gefreut... 

Dies ist der Platz für die neuen Schritte die wir nun gehen in einem Leben, in dem nichts mehr so ist wie zuvor. 

Danke für die warmen Sonnenstrahlen an diesem grauen Dezembertag die in dem Moment zwischen den Wolken hervor kamen, als diese schöne Wohnung in unseren Besitz überging... 


 

08.12.19
Danke, dass wir als Familie so unglaublich eng zusammen halten... 

Danke, dass wir miteinander um unseren Sonnenschein, unser aller Nesthäckchen trauern können. 

Danke für den tollen Nacho Auflauf von meinen lieben „SchwieSo“ den ich endlich wieder mit ein bisschen Appetit essen konnte, nachdem ich die letzten Tage wie „zugeschnürt“ war... 

Danke für die Einladung heute zum Lasagnen essen, Cappuccino trinken und Plätzchen essen in Heroldingen... 

Danke für die wertvollen und sehr offenen Gespräche... 

Danke für das herzliche lachen und den Spaß, als wir uns alle ganz viele Erinnerungen an unseren Felix erzählt haben. Er war einfach so ein witziges Kind und bringt uns alle selbst jetzt, im größten Schock unseres Lebens, noch zum Lachen... 

Danke, dass ich meinen Sohn so gut spüren kann der mich immer wieder wie eine warme Decke umhüllt... 

Danke für die entspannende Gesichtsbehandlung mit langer Massage von meiner wundervollen Tochter... 

Danke für das liebevolle und achtsame kuscheln mit meinem Mann bei Kerzenschein und Musik... 

Danke, dass ich heute Morgen endlich wieder ein bisschen Schlaf gefunden habe... 

Danke für die rosaroten Rosen die noch immer im Garten meiner Schwester blühen... 


 

09.12.19
Danke für meine wundervolle Tochter Annalena die mit ihrer fröhlichen Art selbst in dieser großen Krise nicht ihr Lachen verliert... 

Danke das Du im Moment Tag und Nacht bei mir bist. 

Danke, das wir gemeinsam durch die Trauer gehen.

 

10.12.19
Ich bin tief berührt von der Anteilnahme und der Fürsorge mit der uns viele Menschen begegnen. 

Gestern früh kam eine Freundin meiner Tochter und hat uns Frühstück gebracht, am Abend wurden wir von zuhause abgeholt und mit einem leckeren Gulasch verwöhnt. Es gab Tee & Plätzchen und wir mussten uns um nichts kümmern. Durften einfach da sein und wurden versorgt. 

Heute kam eine alte Schulkameradin bei uns vorbei und hat uns einen ganzen Topf voller Würstelgulasch und einen riesigen Plätzchenteller vorbeigebracht. Das tat so gut und das warme Gulasch im Bauch war so tröstlich. 

Die Seele leidet, aber der Körper muss trotzdem liebevoll versorgt werden. 

Uns steht der Kopf aber gerade überhaupt nicht nach einkaufen und kochen. Annalena & ich, wir würden das Essen glatt vergessen... 

Danke, dass wir von allen Seiten so liebevoll umsorgt werden... 

Fertig gekochtes Essen zu bekommen ist im Moment tatsächlich das Beste, was uns in dieser Situation passieren kann... 


  

11.12.19
Der Tod und die dazugehörige Trauer - ein Thema, das den meisten Menschen leider viel zu große Angst macht. 

Gestern Abend wurde mir hier auf Facebook öffentlich vorgeworfen, dass ich trotz der Trauer um mein Kind Gulasch gegessen habe. 

Wie kann ich nur? 

In so einem Moment denkt man doch nicht an Gulasch... 

Ich war für einen Moment etwas fassungslos, war ich doch stolz gewesen, überhaupt wieder etwas essen zu können denn mein Kind hätte mit Sicherheit nicht gewollt, dass ich mir selbst schade indem ich das Essen nun komplett einstelle. 

Wäre ich vor meinem Sohn gestorben, wäre es ja auch nicht in meinem Sinne gewesen, wenn er dann aufgehört hätte, sich um seine menschlichen Bedürfnisse zu kümmern. 

Dass ich mich trotz dieser Katastrophe noch um mich selbst kümmere, das triggert manche Menschen - für mich ist es jedoch ein Ausdruck von tiefer Liebe. 

"Ist er es denn nicht wert, das Du angemessen um ihn trauerst? Wäre nämlich Deine Liebe zu ihm wirklich groß gewesen, dann könntest Du jetzt doch unmöglich lachen und Dich über ein gutes Essen freuen. Was bist Du nur für eine Mutter?" 
Dieser Satz macht mich momentan sprachlos.

„Mein lieber Sohn, egal was "die Leute" reden, mach Dir keine Sorgen, ich verspreche, ich passe auf mich auf...“ 

Aber warum schreibt ein Mensch, von dem ich zwar weiß, wer er ist, den ich aber noch nicht einmal persönlich kenne, solche (in meinen Augen) geschmacklosen Dinge? 

Ist es die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit? Ist es tatsächlich ein Vorwurf, dass ich mein Kind nicht „genug“ geliebt habe, weil ich mir Gulasch schmecken lasse obwohl er gestorben ist? 

Ist es ein „sich selbst beruhigen“ nach dem Motto: „ICH könnte nichts essen denn ICH liebe meine Kinder viel mehr als Sabine es getan hat“ ? 

Wer bestimmt denn, wie man sich bei einem Trauerfall "gefälligst" zu verhalten hat? 

Wird so etwas in der Schule gelehrt? 

Wie lauten die Regeln um nirgendwo anzuecken? 

1 Jahr lang nur noch schwarze Kleidung? Aufhören zu lachen und sich zu freuen? Nur noch weinen und traurig schauen und wenn ja, wie lange? Bis auf die Knochen abmagern und damit das Leid für alle sichtbar machen? 

Ich möchte das Tabuthema brechen und gerne meine Gedanken dazu aufschreiben. 

Jeder kann selbst entscheiden ob er sich dafür interessiert aber es ist mir einfach ein sehr starkes Bedürfnis. 

Es ist ein Thema, das jeder von uns am liebsten einfach ganz weit von sich wegschieben möchte, ein Thema, das aber trotzdem einfach immer da ist, weil es zu unserem Leben nun mal dazu gehört. 

Der Tod gehört zum Leben wie die Nacht zum Tag. Das ist nun mal eine Tatsache. 

Mein Sohn ist nun seit gerade mal knapp über 1 Woche tot und wir erfahren unglaublich viel positives. Aufrichtige Anteilnahme auch von Menschen, von denen wir es nicht erwartet haben. Freunde, die sich um uns kümmern und eine Familie, die fest zusammenhält. Auch die väterliche Seite von unserem Schatz gehört selbstverständlich zu dieser Familie. Ich habe mich vor 7 Jahren von Felix Vater getrennt, trotzdem waren wir beide reif und vernünftig genug, uns niemals zu hassen oder gar zu streiten. 

Aus Liebe zu unserem gemeinsamen Sohn. 

Das zahlt sich nun aus denn wir halten zusammen - alle. Und unsere Türen stehen füreinander offen. Wir trauern gemeinsam und auch die neue Partnerin von Felix Vater gehört natürlich mit dazu. 

Wir sind eine große Familie, so wie Felix das immer geliebt hat. 

Und trotz der Trauer geschehen in diesen Tagen auch wundervolle Dinge über die wir uns gemeinsam freuen. 

Es sind zarte und auch sehr eindeutige Dinge, die uns durch diese schwere Zeit tragen und begleiten wie sanfte Federn. 

Mein großer Halt in dieser ersten Zeit von diesem neuen Leben, das sich gerade erst zu sortieren beginnt, ist mein ganz eigener Glaube den ich mit meiner Familie teile, die bunten Zeichen die Felix all seinen Lieben schickt und die Dankbarkeit für das, was wir alle mit ihm erleben durften, und die mich immer wieder wie ein Motor antreibt. 

Ich gehe gerade durch die schlimmste Hölle die sich wohl jede Mutter nur vorstellen kann und ich lerne gerade gefühlsmäßig Achterbahn fahren. 

Ich bin weich und verletzlich, aber auch voller Dankbarkeit, Liebe und Stolz. 

Was mir jedoch tatsächlich so ein bisschen zu schaffen macht ist die Tatsache, dass viele Menschen in meinem Umfeld seid dieser einen Woche regelrecht Angst vor mir haben. 

Ich weiß und ich verstehe, dass die Menschen Angst haben. Ich war früher ganz genauso. 

Aber es macht mich trotz meinem Verständnis wirklich traurig. 

Viele haben nicht den Mut, einfach mal kurz bei uns vorbei zu kommen, manche haben aufgehört mir zu schreiben, manche wechseln gar die Straßenseite oder schauen schnell weg, wenn sie mich sehen - nur um sich selbst nicht mit dem Thema Trauer auseinander setzen zu müssen. 

Ich finde das unsagbar schade und es macht mich betroffen denn ich finde es wunderschön und sehr tröstlich, wenn ich einfach kurz in den Arm genommen werde und es rührt mich zutiefst, wenn mitfühlende Menschen sich um uns kümmern... 

Es bedarf keiner schlauen Worte, niemand muss auch nur ein Wort sagen. 

Die Seele leidet, aber der Körper braucht trotzdem das, was ein menschlicher Körper nun mal braucht.  

Es ist nicht schön, von anderen Menschen verurteilt zu werden nur weil man seinen ganz eigenen Weg einschlägt. Jeder geht anders mit der Trauer um und das ist auch gut und richtig so. 

Ich versuche, im Sinne von meinem Sohn zu trauern und auf meinen eigenen Erfahrungen aufzubauen. Ich liege in seinem Bett und gebe mich dem Schmerz hin, weine bis ich nicht mehr kann - ich trage bunte Kleidung so wie er mich nun mal gekannt und geliebt hat. Unsere Familie sitzt zusammen, um miteinander an die schönen 13 Jahre zu denken die uns mit unserem Felix geschenkt wurden. 

Trotz dem unsagbaren Schmerz lachen wir noch immer über seine Witze und erinnern uns gemeinsam an seine lustigen Aktionen. 

Ja, wir essen und wir lachen zusammen - und Felix ist in unserer Mitte. 

Unser Sonnenschein ist nicht verschwunden - im Gegenteil - er ist ganz nah bei uns allen. 

Nur eben anders als früher... 

Jeder Mensch geht anders mit seiner Trauer um und darf das auch, und es ist einfach nur traurig und wirklich nicht nötig, andere zu bewerten, weil sie sich anders verhalten, wie sich der Großteil das so vorstellt. Ich habe meine Erfahrungen auf diesem Gebiet bereits gemacht. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit dem Tod und ich weiß einfach aus Erfahrung, dass es nicht hilft: 

- nichts zu essen 

- sich zusätzlich zu der Schwere auch noch in schwarze Kleidung zu hüllen 

- sich das Lachen zu verbieten 

- Dingen aus dem Weg zu gehen die mit dem Verstorbenen zu tun haben 

- sein Zimmer nie mehr zu betreten... 

- usw. 

Das alles macht überhaupt keinen Sinn und verschiebt den Schmerz nur. 

Die Trauer will und muss gelebt werden sonst wird sie irgendwann unerträglich und macht uns krank. 

Ich habe mich deshalb bewusst für die Konfrontation entschieden. Auch wenn dies im Moment den größtmöglichen Schmerz bedeutet. 

Ich habe seine Kuscheltiere in meinem Bett und schlafe auf seinem Kissen, ich habe seine Jogginghose an. Ich wasche seine letzte Kleidung und schaue mir Fotos und Videos von ihm an. Ich lese sein Gedicht an mich, das ich gestern in seinem Schulranzen gefunden habe, immer und immer wieder durch und lasse ihn dadurch bei mir sein, ganz nah im Herzen und ich kann fühlen wie er mich tröstet, wenn die Wellen des Schmerzes über mir zusammenschlagen. 

Aber trotzdem lebe ich nach wie vor im Moment - in diesem Augenblick. 
Und wenn in diesem Moment etwas Lustiges passiert, dann lache ich auch laut darüber denn obwohl es sich anfühlt, als würde die Erde stillstehen, so dreht sie sich doch weiter. 

Und nichts hat Felix mehr geliebt als zu lachen... 

Falls jemand von Euch vorhat, auf die Beerdigung morgen, am Donnerstag den 12.12.19 (14 Uhr) in die Rainer Stadtpfarrkirche zu kommen: Ihr müsst kein schwarz tragen. Bitte macht das nicht. Felix fand das immer total doof und er hat es bewundert, wie z.B. auf Sri Lanka oder Bali mit dem Tod umgegangen wird. Die Menschen dort tragen helle, fröhliche Kleidung und sie freuen sich für die Seele, die nun endlich weiterziehen darf. 

Also scheut Euch nicht, in bunter Kleidung zu kommen oder Euch wenigstens einen bunten Schal um zu binden. 

Felix hätte so etwas total „gefeiert“... 

P.S. Danke für die traumhafte Kerze und den so passenden Spruch. Eine Freundin meiner Mutter, die schon Felix Taufkerze für uns angefertigt hat, hat sie uns vorbeigebracht. 

„Ich habe seine erste Kerze gemacht, ich wollte auch seine letzte Kerze machen...“ 


12.12.19
Heute habe ich so unfassbar viele Gründe dankbar zu sein - das ich das auf morgen vertage...

DANKE

 

13.12.19
Danke an all die vielen Menschen die uns gestern durch die Beerdigung begleitet haben. Felix hat es tatsächlich geschafft, die komplette Stadtpfarrkirche zu füllen... 

Danke an unsere Friseurin, die uns eine kleine extra-Behandlung im Salon am Morgen der Beerdigung geschenkt hat. Das hat wirklich sehr gut getan... 

Danke für das Familienfrühstück bei Kerzenschein... 

Danke an alle, die in diesen Tagen eine Kerze für uns und Felix angezündet haben... 

Danke Bettina für Deine achtsame Begleitung vom ersten Moment an. Du hast Botschaften von Felix übermittelt die uns alle so sehr getröstet haben. Danke, dass Du meine Fragen beantwortet hast und so für uns da warst... 

Danke an die verständnisvollen Chefinnen meiner Tochter die sie sofort von der Arbeit frei gestellt haben so dass sie noch am selben Tag von Berlin zu uns fahren konnte um sich von ihrem Bruder zu verabschieden. Danke, dass ich meine Zaubermaus jetzt tatsächlich bis Anfang Januar bei mir haben darf. Soviel gemeinsame Zeit hatten wir seit Jahren nicht mehr. Danke, dass Ihr meiner Tochter diese wertvolle Zeit schenkt. Ich weiß das wirklich zu schätzen... 

Danke Lotti & Nila das Ihr mich mit Eurer tierischen Liebe umspült. Unsere beiden Katzen spüren ganz genau, wann ich sie brauche und sind sofort zur Stelle. Sie umarmen mich, indem sich eine vor mich und die andere hinter mich legt. Sobald ich dazwischen liege und ihr schnurren höre, fühle ich mich getröstet. 

Danke an unsere Floristin für den unglaublich schönen Blumenschmuck, die einfühlsamen Worte und das „kümmern“. Du lebst wirklich Deine Berufung - mit all Deinen Sinnen... So wundervoll... 

Danke an das einfühlsame Bestattungsinstitut und an den Bestatter der es uns ermöglicht hat, die Urne selbst zum Friedhof zu fahren. (Selbstverständlich haben wir mit Felix und seiner Kerze im Auto eine kleine Extrarunde durch die Stadt gedreht...) 

Danke, dass meine Tochter die Urne ihres Bruders von der Aussegnungshalle zum Grab tragen durfte und das wir sie dann an zwei Schnüren alle beide in die Erde herablassen durften... 

Danke für die kleine Mini-Urne die wir vor der Beisetzung bekommen haben. Es ist schön, ein bisschen von seiner Asche hier behalten zu dürfen und die kleine Urne in meiner Hand hat mir sehr durch diesen Tag geholfen... 

Danke an den gesamten großen Kirchenchor der extra für unseren Schatz so schön gesungen hat... 

Danke an Felix Musiklehrer die so wunderschön „Tears in Heaven“ von Eric Clapton mit dem Keyboard, der Gitarre und der Trompete gespielt haben... 

Danke an unseren Stadtpfarrer der eine so wunderschöne Rede vorgetragen hat. Er hat Felix wirklich so perfekt beschrieben und sagte mir später beim Essen, er hätte beim Schreiben gespürt, das Felix ihm die Worte regelrecht eingeflüstert hat. So etwas von einem katholischen Pfarrer zu hören fand ich grandios. Des Weiteren bedankte er sich dann auch bei mir für meine Rede - die genau das ergänzt hat, was in seiner Rede wohl noch fehlte. 

Danke an meinen Exmann und Vater von Felix sowie seine Freundin. Wir waren in der letzten Woche jeden Tag zusammengesessen. Um zu organisieren, zu weinen, aber auch um einfach zu reden. 
Am 12.12.2005 haben wir geheiratet - am 12.12.2019 haben wir unseren gemeinsamen Sohn zu Grabe getragen. 
Danke, dass wir uns trotz unserer Trennung vor 7 Jahren niemals gestritten haben. Danke, dass wir es immer geschafft haben, eine große Familie für unseren Felix zu sein. Danke auch liebe "Stiefmama" von Felix, dass Du da bist. Du bist wirklich eine besondere Frau und tust Felix Papa unglaublich gut. Danke, dass auch Du immer so liebevoll für unseren Felix da warst... 

Danke an meine Ex-Schwiegereltern die Felix abgöttisch liebten. Danke Oma, dass Felix so sanft in Deinen Armen gehen durfte. Ich weiß, dass er genau Dich dafür auserwählt hat. Eure Bindung war eine ganz besondere. Danke Opa das Du noch versucht hast, Felix zu reanimieren. Danke das Du nicht aufgegeben hast, um ihn zu kämpfen bis die Notärzte kamen. 

Danke an meine Eltern die immer so völlig bedingungslos hinter uns stehen und immer für uns da sind. Die bei dem Drama in der Nacht, in der Felix kurz vor Mitternacht gegangen ist, dabei waren. Danke, an meinen Vater der, zusammen mit dem anderen Opa, Felix angezogen und ins Bett gelegt hat wo wir alle uns dann einen ganzen Tag lang von ihm verabschieden konnten. Danke an meine Mama die mich gehalten hat, die mich versorgt hat... 

Danke an das Ärzteteam und die Leute vom Kriseninterventionsteam, die alle vier Großeltern von Felix in den ersten Stunden mitten in der Nacht versorgt und aufgefangen haben. 

Danke an unsere Freundinnen die uns jeweils eine so wunderschöne Kerze selbst gestaltet haben. Wir haben beide gestern in der Kirche angezündet... 

Danke an alle Freunde von Annalena. Für Euer Dasein, die Hilfe, für die Blumen, die tröstenden Geschenke und Umarmungen... 

Danke an meine Schwester und ihren Mann für das tolle Essen am Sonntag. Es war so ein schöner Nachmittag voller Erinnerungen an Felix. Danke das Ihr beide den Raum dafür geschaffen habt. Und Danke für das Verteilen der Rosen am Grab. 

Danke an unsere besten Freundinnen für das wunderschöne Holzbrett mit dem eingebrannten Foto von Felix das vorne am Altar lag. Das hat mich sehr berührt. Danke, dass Ihr immer so selbstverständlich für uns da seid. Und Danke natürlich auch nochmal für das Gulasch... 

Danke Christine das Du vorbei gekommen bist um uns etwas zum Essen zu bringen. Das hat uns alle von Herzen gefreut. 

Danke an die ganze Klasse 8c der Rainer Realschule für die wunderschönen Briefe an uns und Felix. Ihr habt diese Briefe so toll gestaltet und wir waren tief berührt von Euren Worten. Danke auch für das schöne Geschenk mit dem Foto von Felix. Ein Bild, das ich persönlich sehr mag. Danke das Ihr alle da gewesen seid und Danke für die bunten Luftballone die ihr, begleitet von einem Lied, am Friedhof habt steigen lassen. 

Danke an den besten Freund von Felix... Du warst so wichtig für unseren Schatz. Danke, dass Du immer für ihn da warst. Du bist so ein toller Junge... 

Danke an Felix Lehrerin für das schöne Foto von den Luftballons. Ich habe mich gestern Abend so darüber gefreut... 

Danke für das stärkende Essen danach und die schönen Gespräche. 

Danke für die schöne Atmosphäre später am Friedhof, als alles vorbei war und es bereits dunkel war... 

Danke an Detlef, meinen wundervollen Ehemann. Danke, dass Du an meiner Seite bist. Danke, dass ich schwach sein darf und das Du mich einfach festhältst, wenn ich vor Schmerz kaum noch atmen kann und Weinkrämpfe mich durchschütteln. 

Danke Annalena, meine mutige Tochter, für Deine letzten Worte an Felix am Altar. Als wir dort Hand in Hand standen und alle Augen neugierig auf uns gerichtet waren, konnten wir Felix Energie zwischen uns spüren. Er hat uns ermutigt, gewärmt und dafür gesorgt, dass wir beide unsere Worte sagen konnten. Wir sind so stolz aufeinander das wir das geschafft haben und wir fühlen, dass auch Felix sehr stolz auf seine Schwester und auf seine Mama ist. 

Danke an meinen lieben „SchwiSo“ der immer an der Seite meiner Tochter ist. Der sie hält und stützt. Es ist so schön, Dich in unserer Familie zu haben. Du warst der gefühlt „große Bruder“ für Felix. Danke, dass Du mein großes Mädchen so auffängst... 

Danke an die ganze Familie meines Mannes - die leider nicht alle kommen konnten, die sich aber dennoch getroffen haben um gemeinsam für Felix eine Kerze zu entzünden. Ihr habt ein Foto von Felix ausgedruckt, eingerahmt und habt Euch zusammengesetzt. Das fand ich wunderschön. Danke auch für die schöne Karte und das Geschenk. Danke an Detlef`s Neffen und seine Freundin die extra her gefahren sind um die Familie zu vertreten. Und Danke Saskia für die Badekugel. Ich habe sie gestern Abend gleich benutzt und ein langes Bad genommen... 

Danke an Susi, meine liebe Freundin, die mich schon so viele Jahre durch mein Leben begleitet. Danke für Dein Dasein, für Deine Worte, Deine Geschenke... 

Danke an unseren Freund für Dein selbstverständliches für uns Dasein, für den Punsch und die vielen Sitzkissen an Felix „Lichternacht“... 

Danke an alle, die mich umarmt haben. Auch ohne Worte. Diese Berührungen geben mir nach wie vor unglaublich viel Kraft... 

Danke für die schönen Karten die wir täglich in unserem Briefkasten finden. Danke für all Eure letzten Grüße auf verschiedenen Wegen... 

Danke für den Blumengruß von unseren Freunden aus Essen. Die herrlichen Rosen standen die ganze Woche neben Felix Foto. Wir haben die Blütenblätter dann gestern zur Urne mit in die Erde gestreut... 

Danke für die vielen Blumen, das Kuscheltier und die Windräder, die Ihr auf Felix Grab gelegt habt... 

Danke an alle, die unserem Schatz in seinem Leben hier jemals etwas Gutes getan haben... 

Danke, dass Felix nicht alleine in diesem Grab ist. Danke, dass sein Onkel Günther, der als 7jähriger Bub verstarb, bei ihm ist. In der Erde - aber hauptsächlich dort, wo seine Seele jetzt ist. Danke Günther, dass Du meinem Jungen alles zeigst. Ich wünsche Euch beiden ein Maximum an Spaß da drüben... 

Danke an Felix, meinen wundervollen Engel. Ich war so gerne Deine Mutter. Danke, dass ich es sein durfte. Danke für 13 (1/2) wunderschöne und vor allem lustige Jahre. Niemand konnte mich so sehr zum Lachen bringen wie Du und mit niemandem habe ich so viel Quatsch gemacht wie mit Dir. Ich weiß, dass Du immer bei mir sein wirst und es ist ein warmes Gefühl zu wissen, dass Du am Tor stehen wirst um mich abzuholen - wenn meine Zeit gekommen ist. Bis dahin trage ich Dich im Herzen und kommuniziere auf eine völlig neue Art mit Dir. Danke für die vielen Zeichen die Du uns allen geschickt hast damit wir wissen, dass es Dir gut geht. 

Danke für die Schneeflocken, die Du heute Nacht geschickt hast. 

Ich liebe Dich - für immer... 

Die ganze Geschichte im Buch: "Felix fantastische Zeichen".